Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose

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Wusstet ihr, dass es sowohl Kevinismus, als auch Chantalismus gibt? Ich bis heute nicht. Laut Wikipedia sind es scherzhafte Bezeichungen für die ‘krankhafte’ Neigung von Eltern, ihren Kindern ungewoehnliche, exotische Vornamen zu geben. So ‘schoen’ sich die Namen auch anhoeren moegen, es hat allerdings auch Nachteile: Kinder mit solche Namen sind in unserer Gesellschaft gewissen Vorurteilen ausgesetzt. Sie gelten generell als leistungsschwaecher in der Schule, und werden eher der Unterschicht zugeordnet.

Um die eigenen Kinder von den ‘Kevins, Chantals & Justins’ hervorzuheben, geben die Eltern aus der Mittel- und Oberschicht ihren Kindern wieder ‘positive’ Namen:

Plötzlich nennen Eltern ihre Kinder wieder Ferdinand, Leopold und Josefine. Darin zeigt sich die Statuspanik einer Mittelschicht, die sich bedroht fühlt

Namen sind nicht Schall und Rauch. Ob ein Bub Justin oder Justus heißt, sagt eine Menge aus – vor allem über seine Eltern. Vornamen sind Ausdruck von sozialem Status, von Werthaltungen und dem Wunsch, sich von anderen abzugrenzen. Die Sozialpsychologie weiß schon lange, dass unser Name beeinflusst, wie andere Menschen uns wahrnehmen. Kevin oder Konstantin – dazwischen liegen Welten.

Das Symbol Kevin

Die deutsche Erziehungswissenschaftlerin Julia Kube fand heraus, dass Lehrpersonen ihre Schülerinnen und Schüler aufgrund ihrer Namen eher negativ oder positiv wahrnehmen. Charlotte, Sophie, Alexander und Maximilian werden als freundlicher und leistungsstärker wahrgenommen als Chantal, Angelina, Kevin und Maurice, so Kube. Und zwar unabhängig von deren Leistung und Verhalten.

Kubes 2009 publizierte Studie war nicht unumstritten. Dass die Wissenschaftlerin als Methode eine simple Onlinebefragung gewählt hatte, brachte ihr Kritik aus Teilen der Wissenschaft ein. Dennoch schlug die Untersuchung hohe Wellen – wohl auch, weil sie “Kevin” zum namengewordenen Symbol für Unterschichtszugehörigkeit machte. Eine Lehrerin hatte auf ihren Fragebogen notiert: “Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose”. Der Satz wurde zum geflügelten Wort – in Kreisen, die ihr Kind um nichts in der Welt Kevin nennen würden.

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