Keine Reaktionen auf Saeure-Attentat

schwefelsaeure

Ich hatte vor einigen Wochen hier ueber ein Eifersuchtsdrama geschrieben, wo ein junger Mann seinen Freund beauftragt hatte, seiner Ex-Freundin Saeure ins Gesicht zu schuetten.

Heute beschwert sich die Autorin von der Rheinischen Post Online (RP-Online), Susanne Genath, daruber, dass sowohl die Politiker, als auch die Muslime darueber schweigen:

[…]Politiker, die sonst jeden Besuch einer Reisegruppe vermelden, bleiben stumm und äußern sich erst auf Nachfrage widerwillig, genauso muslimische Vereine. Dabei könnten sie gerade jetzt Akzente setzen und sich klar positionieren.

Aus der Bevölkerung hingegen werden jede Menge Stimmen laut, die einen klaren Zusammenhang zwischen der Tat und der türkischen Herkunft von Opfer und Täter sehen sowie dem Bild der Frau in muslimischen Kulturkreisen. Stimmen, die bezweifeln, dass die Integration dieser Zuwanderer gelungen ist. Stimmen, die großen Handlungsbedarf sehen, um ähnliche Taten zu verhindern.

Auch Gespräche mit Türken, die sich selbst als integriert betrachten, sorgen zum Teil für Stirnrunzeln. “Er hätte sie doch nur schlagen und nicht gleich mit Säure übergießen müssen”, bekommt man da zu hören. Oder: “Einige sagen, sie hätte es verdient.” Journalisten, die bei Kulturvereinen Stellungnahmen erbitten, müssen erst die genauen Hintergründe der Tat schildern (“Hat der Mann das selbst ausgeführt oder einen Freund beauftragt?”, “War er eifersüchtig?”), ehe als Antwort kommt: “So etwas ist nicht schön.”

Nicht schön?

Nicht schön ist ein ungepflegter Garten. Doch ein Säureattentat sollte jeder, egal aus welchem Kulturkreis, vehement ablehnen, ohne erst die näheren Umstände zu erfahren. Solche Antworten werfen in der Tat die Frage auf, inwiefern die Integration bestimmter Zuwanderergruppen erfolgreich ist.

Natürlich kann Eifersucht in jedem Volk zu schlimmen Verbrechen führen. Nicht umsonst wurde in Deutschland ein Stalkinggesetz verabschiedet, das – in der Regel – Frauen vor ihren Ex-Partnern schützen soll. Doch selbst zu Äußerungen in diese Richtung scheinen Politiker und muslimische Vereine nicht von sich aus bereit zu sein[…]

Ich haette da einige Fragen an Frau Genath:

  1. Haben Sie Hinweise darauf, dass die beiden jungen Maenner und das Opfer Teil der muslimischen Gemeinde waren? Besuchten Sie die Moschee? Waren diese Menschen ueberhaupt glaeubig? Oder reicht Ihnen einfach der Name der Taeter/Opfer, um diese zu Muslimen zu machen?
  2. Falls die Taeter tatsaechlich glaeubige Muslime sind: Haben Sie irgendwelche Hinweise darauf, dass  deren Religion solche Taten unterstuetzt?
  3. Haetten Sie von der katholischen Gemeinde dasselbe erwartet, wenn die Taeter/Opfer Italiener waeren?
  4. Sie wollen ‘bestimmten Zuwanderergruppen’ unterstellen, dass sie evtl. doch nicht so integriert sind. Wie kommen Sie darauf? Aufgrund der Aussagen von Einigen, die sich spontan nicht so aeusserten, wie Sie es erwartet haben?

Ich habe einen anderen Artikel von Frau Genath ausgegraben. Es geht um einen wiederholten Ueberfall auf ein Juweliergeschaeft:

[….]Cezmi Yildiz kann es noch nicht so recht glauben. Nachdem Einbrecher erst Anfang November vergeblich versucht hatten, die große Schaufensterscheibe seines Juweliergeschäftes am Neuen Markt einzuschlagen, nahmen sich Unbekannte in der Nacht zu Donnerstag nun die kleinere Scheibe vor. Ebenfalls vergeblich.[…]

Frau Genath, ich weiss zwar nicht, ob die Taeter christlichen Glaubens sind oder getauft wurden, aber verwundert es Sie nicht, dass die Kirchen zu dem Vorfall bis heute noch schweigen? Schliesslich koennte es doch einen rassistischen oder rechtsradikalen Hintergrund haben. Der Name des Opfers hoert sich schliesslich tuerkisch/muslimisch an, oder? *Sarkasmus off*

Man bekommt bei dem obigen Artikel das Gefuehl, als ob die Autorin krampfhaft versucht, einer ‘bestimmten Zuwanderergruppe’ etwas anzuhaengen. Es verwundert mich wirklich, wie weit einige Journalisten bereit sind zu gehen, um aus einem schrecklichen Eifersuchtsdrama ein Muslim- oder Zuwandererproblem zu machen. Ich hatte in meinem oben verlinkten Artikel aufgezeigt, dass Saeure-Attentate leider immer wieder vorkommen – in vielen Kulturkreisen. Auch die Erwartungshaltung, dass sich nun alle Muslime oder Verbaende von dem Vorfall distanzieren, beziehungsweise eine Stellungnahme abgeben muessten, ist nicht zu verstehen. Warum werden an diese Menschen andere Massstaebe gesetzt, als an ‘Einheimische’?

Zum Schluss moechte ich noch einen gut verfasste Meinung veroeffentlichen, die ich im Kommentarbereich des Artikels bei RP-Online gefunden habe:

Autor: agila | Datum: 23.01.2013 14:30
… schlechter Stil …
… auf ganzer Linie!

Ich versuche den Beitrag, der als Analyse getarnt mehr Kommentar ist und nur so von persönlicher Meinung strotzt zu verstehen.

Ich versuche in die Köpfe dahinter, sowohl dem von Frau Genath, eine junge Frau, wie aber auch der Redaktionsleiterin, die bekanntlich selbst türkischer Abstammung ist, zu sehen, um diese Art von Handeln und des Textens zu verstehen.

Jedoch komme ich zu keinem echten Schluss, der nicht mehr als nur Kopfschütteln und sehr große Verwunderung bei mir auslöst.

So lese ich bis heute keine echte journalistische Recherche/ Leistung. Es ist nicht bekannt zu welcher Community überhaupt der Täter und sein Gehilfe gehört, jedoch wird mit einer „storischen“ Selbstverständlichkeit angenommen, dass sich nun jemand und am besten eine ganze Gemeinde wie auch Religionsgruppe zu Wort meldet. Sozusagen der aufgedrückten „Sippenhaft“ sich jetzt erwehrt!

Nein, da hat jemand wirklich den Faden der Objektivität verloren. Noch schlimmer ohne echtes Wissen, entweder aus eigener journalistischer Recherche oder dem Wissen um die Besonderheiten unserer Mitbürger mit Migrationshintergrund.

Wer die Moscheegemeinde in Hilden kennt, wird wissen, dass hier keine medial visierten und handlungsfähigen Personen sind. Vielmehr halten Ehrenamtliche den konfessionellen wie auch sozialen Bereich in der Moschee aufrecht. Wie kann da enrsthaft erwartet werden, dass da jemand in die Presche schlägt, wofür auch konkret?

Im Übrigen sei darauf hingewiesen, dass es in Hilden drei islamische Moschen bzw. religiöse Gemeinden gibt und eine vierte, die als Koranschule mit wirtschaftlichen Ambitionen aktiv ist. Wer hätte genau wozu jetzt etwas sagen sollen und wirklich können? Wer ist dort überhaupt angesprochen worden und in welcher Funktion steht diese Person?

Die Politik, auch wieder auf Hilden übertragen, warum sollte sie darauf einsteigen und worin könnte überhaupt ein vernünftiger Beitrag liegen, auf eine Einzeltat eines um seine Liebe verschmähten Stalker einzugehen, warum?

Wie die RP selbst berichtete, ist dem Vorsitzenden der Langenfelder Moscheegemeinde der Tatanstifter weder bekannt noch verkehrte er in der Moschee und ist auch kein Mitglied dieser. Selbiges dürfte für den Tatsauführer gelten, den dieser ist noch nicht einmal Türke.

Also noch einmal die Frage: warum hier mit einer unreflektierten Selbstvertständlichkeit angenommen wird von Menschen die vom Mitbürger zum Täter degradiert wurden Stellung zu etwas zu nehmen …

Die, die etwas sagen hätten können, weil sie aus Berufung in der Thematik sind oder spezieller Kenntnis um die Menschen wie durch ihre eigen Herkunft oder spezielle Tätigkeit in der Community haben, taten dies bekanntermaßen und dies sogar in der RP …

… und weil es am Telefon bei Frau Genath, die wegen eines geringen Budget wohl auch nicht raus kommt, nicht klappt wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet und mit Worthülsen um sich geworfen …

Ist dies unter dem Eindruck der derzeitigen und offensichtlichen Pressekrise entstanden, hatte da jemand Druck, soll …

Ach, was schert es mich das Warum!

Es ist nur was ich unter äußert schlechter Boulevard Presse kenne, nein noch schlimmer … unbegreiflich diese Art von Brandstiftung …