Jakob Augstein als Antisemit bestaetigt

augstein - cooper

Das international respektierte Simon-Wiesenthal-Center (SWC) hatte den Journalisten Jakob Augstein auf Platz 9 der schlimmsten Antisemiten gesetzt. Der dafuer mitverantwortliche Rabbi Cooper relativierte einige Zeit spaeter – nach anhaltender Kritik aus Deutschland – diesen Schritt:

[…]In einer Rangliste des Zentrums seien israelkritische Äußerungen Augsteins zu den zehn schlimmsten weltweit gezählt worden – das bedeute aber nicht automatisch, dass Augstein ein Antisemit sei. “Wir sprechen nicht von der Person, sondern von den Zitaten”, stellte der für die Liste mitverantwortliche Rabbi Abraham Cooper im Gespräch mit der dpa klar.[…] (Quelle)

Die Relativierung des Rabbis erinnert mich ein bissl an die typische Argumentation einiger Islamophoben wie Geert Wilders oder Michael Stuerzenberger, die uns versichern wollen, dass sie nichts gegen die Muslime haben, sondern nur gegen den Islam. Als ob man das so einfach trennen koennte.

Wenn das SWC nicht ueber Personen spricht, sondern von den Zitaten, dann wirft das natuerlich die Frage auf, ob das fuer alle Personen auf der Liste gilt. Dann ist es ja theoretisch moeglich, dass der iranische Praesident Ahmedinejad – der weiter oben auf der Liste steht – kein Antisemit ist, sondern nur einige seiner Zitate. Das ist natuerlich Unfug, und das weiss der Rabbi auch. Jede Person, die auf dieser Liste steht, wird fuer immer als ein Antisemit gebrandmarkt sein.

In der Zwischenzeit hat sich die Meinung von Rabbi Cooper gefestigt: Jakob Augstein ist ein Antisemit, denn…

[…]”Basierend auf seinem Verhalten und seinen Worten seit der Veröffentlichung dieser Liste können wir sagen: Ja, wir haben es mit einem Antisemiten zu tun”, sagte der stellvertretende Leiter des Zentrums, Rabbi Abraham Cooper, am Donnerstag in Berlin.

“In unserer Liste geht es um antisemitische Verunglimpfungen, nicht notwendigerweise um das Individuum”, erläuterte Cooper. Augstein habe die Möglichkeit gehabt, über seine Aussagen zu reflektieren und sich bei seinen deutschen Lesern sowie dem jüdischen Volk zu entschuldigen. Dies habe er jedoch nicht getan.[…] (Quelle)

Auf seiner Facebook-Seite geht Jakob Augstein nun in die Offensive. Er schreibt:

Rabbi Cooper vom Simon Wiesenthal Zentrum war heute in Berlin und hat eine Pressekonferenz gegeben. Er hat seine Vorwürfe gegen mich weiter verschärft.

Gerne hier noch einmal zur Erinnerung: Rabbi Cooper hat sich geweigert, mit mir ein Gespräch zu führen. Der Spiegel hatte versucht, ein solches zu organisieren. Erst sagte er, er könne nicht in einem Raum mit mir sitzen. Als wir vorschlugen, das Gespräch über Skype zu führen, lehnte er ab. Ich sollte mich zunächst entschuldigen. Da ich kein Angeklagter bin und Rabbi Cooper kein Richter und da er Vorwürfe gegen mich erhoben hat und nicht ich gegen ihn (oder überhaupt gegen Juden) musste ich das ablehnen. Dann fiel ihm ein, er müsse zu einem Interview selber einen Journalisten mitbringen, der auch Fragen stellen dürfe. Am besten aber sollte der Spiegel ihm eine Seite zur Verfügung stellen, auf der er seine Sicht der Dinge darstellen kann. Das wiederum musste der Spiegel ablehnen.

Ich weiß nicht, welche Erfahrungen Rabbi Cooper mit der Presse hat und wie das am Sitz des Wiesenthal-Zentrums gehandhabt wird.

Aber offenbar sind seine Vorstellung von Pressefreiheit und offener Debatte vollkommen andere als wir es hier gewohnt sind.

Man macht solche Erfahrungen sonst eigentlich nur mit fundamentalistischen oder totalitären Institutionen.

Hier aeussert sich Jakob Augstein in einem Intertview ueber den Vorfall. Sehr hoerenswert.

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