Willkommenskultur

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Neulich unterhielt ich mich mit einem Freund. Er ist – wie man so schoen sagt – Deutscher mit tuerkischem Migrationshintergrund, und ist – wie man auch so schoen sagt – perfekt integriert. Er lebt schon ewig in DE, gab neulich seinen Beruf auf, und hat wieder angefangen zu studieren. Er erzaehlte mir, dass er fuer 2 Wochen mit seiner Frau in der Tuerkei zum Urlaub war, und jedesmal das ‘Kotzen’ kriegt, wenn er in DE landet, und durch die Passkontrolle muss.

Er stand wie alle anderen in der Reihe, und die Reisenden waren eine gute Mischung aus ‘Ur-Deutschen’, und eingewanderten Deutschen, die sich fast ausschliesslich nur durch ihr mediteranes Aussehen unterschieden. Als er an der Reihe war, legte er sein Pass vor, genauso wie es der ‘Ur-Deutsche’ vor ihm getan hatte. Der Beamte sagte, ohne ihn anzugucken

“Guten Abend, heisst das bei uns hier”

Er antwortete

Was heisst denn ‘bei uns‘? Wie waere es denn, wenn Sie mal mit einem “Willkommen zuhause” anfangen wuerden?

Darauf ging dann wohl ein etwas unangenehmer und lauter Wortwechsel los, den die anderen Reisenden mitbekamen. Einige ‘Ur-Deutsche’ haetten wohl nur mit dem Kopf geschuettelt, unter dem Motto “Warum koennen sich denn die Tuerken nicht benehmen, wie alle Anderen?”.

Der kleine Streit endete – wahschreinlich fuer Beide – in Frustration, und fuer alle mit der Bestaetigung der eigenen Vorurteile.

Es ist mir aufgefallen, dass man tatsaechlich diese nette Floskel – Willkommen zuhause – bei der Einreise nach DE so gut wie nie hoert. Ich habe es mehrfach im Ausland gehoert, auch dann, wenn man kein Buerger des Landes ist, aber z.B. eine Aufenthaltserlaubnis hat. In den USA ist es gang und gaebe mit einem “welcome home, sir” begruesst zu werden, wenn man eine sog. Greencard hat. Wenn man dort permanent wohnt, ist man ‘zuhause’.

Es muss sich einiges in DE aendern. Dieses Beurteilen nach dem Aeusseren – und dadurch die Unterscheidung, wer Deutsch ist, und wer nicht – muss aufhoeren. Das Grundgesetz ist da mal wieder viel weiter als ihre Buerger und die Staatsapparate, denn dort heisst es eindeutig in Artikel 116:

(1) Deutscher im Sinne dieses Grundgesetzes ist vorbehaltlich anderweitiger gesetzlicher Regelung, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt oder als Flüchtling oder Vertriebener deutscher Volkszugehörigkeit oder als dessen Ehegatte oder Abkömmling in dem Gebiete des Deutschen Reiches nach dem Stande vom 31. Dezember 1937 Aufnahme gefunden hat.

Frohes Schaffen, euch Allen.

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