Jetzt wollen Sie auch noch Deutscher werden?

46-griechenland-flagge

Die Hetze der Medien und einiger Politiker gegenueber Griechenland bleicht nicht ohne Auswirkungen fuer die in Deutschland lebenden Griechen.

Ob im Bürgeramt, in der Kita oder im Internet: Griechen in der Bundesrepublik beklagen, dass die Deutschen sie wegen der Euro-Krise immer respektloser behandeln. Häme und Vorurteile machen sich breit.

Einige saßen an den Tischen, die Kerzen brannten, andere tanzten, da kam ein Mann herein und rief: “Ihr feiert, und wir zahlen dafür!”

“Die Griechen verdienen das nicht”, sagt Kostas Papanastasiou. Er sitzt in seinem Restaurant “Terzo Mondo” in Berlin und wägt ab, bevor er ausspricht, was er denkt. Er sagt, dass er solche Momente wie damals auf der Feier häufiger erlebt.

Dass Leute hereinkommen, Deutsche, und gegen ihn und seine griechischen Landsleute pöbeln. Wegen der Griechenland-Krise.[…]

[…]”Die Hemmschwelle, gegen Griechen zu wettern, ist stark gesunken”, sagt Vassiliou, nimmt einen Schluck von seinem Cappuccino und möchte das mit ein paar persönlichen Beispielen belegen. Also erzählt er.

Davon, wie bei einer Fortbildung die Kaffeekasse herumgegangen sei und einer gesagt habe: Gebt sie nicht dem Griechen, sonst wird das Geld veruntreut. “Hinterher”, sagt Vassiliou, “hat er dann zu mir gesagt, dass es nicht so gemeint war.” Aber, fragt Vassiliou, wie dann?

Davon, wie der Bruder seiner deutschen Frau vor dem Fußball-EM-Spiel zwischen Deutschland und Griechenland im Internet gepostet habe: “Die Scheißgriechen hauen wir weg.”[…]

[…]Für Vassiliou passen dazu auch die Erlebnisse mit seinem Einbürgerungsantrag, den er im November 2011 gestellt habe. Normalerweise sollten solche Anträge nach maximal sechs Monaten mit einem Urteil beantwortet werden, mit Ja oder mit Nein, sagt Vassiliou, aber er habe bis heute nichts gehört.

“Kein Zufall”, sagt er. “Als ich den Antrag damals gestellt habe, hat der Beamte gesagt: So, jetzt, wo Sie aus dem Euro fliegen, wollen Sie Deutscher werden, was?”[…]

Wenn man sich die Zeilen oben durchliest, dann kann man sich in etwa im Zeitalter der sog. ‘Islamkritik’ die Reaktionen der Politik und der Bevoelkerung ausmalen, wenn es nicht Griechenland mit diesen erheblichen finanziellen Problemen waere, sondern die Tuerkei als ein Mitglied der EU.

Es ist schade, dass man das eigene Leiden so schnell vergisst. Das Ende des 2. Weltkrieges ist gerade mal weniger als 70 Jahre her. Das Land steht auf eigenen Fuessen durch die Hilfe der Allierten und vieler Laender, darunter auch den Griechen, die DE Schulden erlassen, und auch die Untaten des ersten und zweiten Weltkrieges vergeben haben. Im Osten der Republik ist man erst ‘frei’ und demokratisch seit Ende der 80er, und zieht heute schon ueber die ‘Auslaender’, Muslime etc. her, die teilweise noch laenger in der Bundesrepublik leben, und mit ihrer Arbeit und Steuern das Land mitaufgebaut haben. Noch heute zahlen sie ihren Solidaritaetszuschlag.

Aber das alles scheint man schnell zu vergessen, wenn es einem selber besser geht. Oder man sucht nach Schuldigen, wenn es einem schlecht geht. Was ist da naheliegender als der ‘Fremde’, der nicht mal ein Fremder ist?

Den vollstaendigen Artikel koennt ihr hier lesen.

Lesetipps: