Goethe, Kant, Hegel…Buschkowsky

Der  Spaeteinsteiger in die durchaus ueberstrapazierte, aber immer noch lukrative Geschaeftsbranche der Integrationsindustrie, Heinz Buschkowsky, schreibt in der Bild-Zeitung:

[…]Egal welche tiefgründige Botschaft in den Worten von Herrn Erdogan steckt. Ich halte seinen unmissverständlichen Auftrag zur Integration an alle türkischstämmigen Bürger für ein Signal, das dort auch gehört werden sollte. Und bevor sich unsere Eleven an Kant und Hegel machen, beginnen wir erst einmal mit der Sprache, dem Kindergarten, dem Einmaleins und der Fibel.[…]

Es wird weiterhin der Eindruck erweckt, als gaebe es Sprachprobleme unter den meisten Einwanderern der 2., 3. und 4. Generation (siehe auch hier). Und wenn alle so gut Deutsch sprechen wuerden, wie es der Tagesschau-Sprecher tut, dann gaebe es so gut wie keine Probleme mehr, wie z.B. die Diskriminierungen bei der Job- und Wohnungssuche..gell, Herr Buschkowsky?

Ich wuerde mal behaupten, dass die meisten Menschen mit Migrationshintergrund der 2. bis 4. Generation kaum schlechter Deutsch sprechen, als die Deutschen ohne Migrationshintergrund aus dem selben sozialen Umfeld. Trotzdem haben sie schlechtere Chancen z.B. auf dem Arbeitsmarkt (siehe auch hier und hier). Sprache ist sehr wichtig, aber es scheint nicht das Allheilmittel gegen Diskriminierungen zu sein. Deswegen halte ich es fuer eine Scheindebatte unter so Vielen.

Zugutehalten sollte man Buschkowsky, dass er in seinem Artikel relativiert:

[…]Nach Agenturmeldungen hat er (Anm. von Dybth: Erdogan)  im Gespräch mit der Bundeskanzlerin die Forderung erhoben, dass sich alle Türken in die deutsche Gesellschaft integrieren sollen. Er hatte auch noch einen praktischen Ratschlag parat. Die türkischstämmigen Einwanderer sollten nicht nur türkische Dichter lesen, sondern auch deutsche Literaten und Philosophen wie Kant, Hegel und Goethe verstehen können.

Das ist fürwahr ein hoher Anspruch. Ich will niemandem zu nahe treten, aber ich glaube, der Anteil der deutschstämmigen Bevölkerung, die diese drei Größen verinnerlicht haben, liegt im einstelligen Prozentbereich. Ich gebe freimütig zu, jeder der diese drei auf der Pfanne hat, ist mir über.[…] (Quelle)

Wenn man bedenkt, dass Herr Buschkowsky in der Bild-Zeitung schreibt, dann ist das eine ziemlich gewagte Aussage. Ich behaupte einfach mal, dass man schon ‘ueber’ Buschkowsky ist, wenn man sich nicht von dem Springer-Schmierblatt kaufen laesst.

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