Antisemiten ueberall

Auch mich hat man schon mehrfach versucht, mit dem Totschlagsargument –  der sog. ‘Antisemitismus-Keule’ – zu erschlagen…in diversen Diskussionsforen, per email, etc. Der Grund war naheliegend: Ich habe es in meinen Artikeln oder bei diversen Diskussionsforen gewagt, z.B. die Siedungspolitik der jetzigen Regierung Israels zu kritisieren, oder mich fuer einen Palaestinenserstaat einzusetzen. Fuer viele sog. ‘Israelfreunde’ ist das eine Zumutung. Kritik an Israel wird bei ihnen zuoft gleichgesetzt mit ‘Hamas-Lover’You are either unconditionally with us, or with the enemy.

Bei dem dumpfen Populisten Henryk M. Broder zum Beispiel brechen schon bei dem kleinsten Anschein von Israelkritik saemtliche Daemme, und er geraet in Trance, in einen psychischen Ausnahmezustand. Was hatte es diesmal ausgeloest? Es war dieser Artikel von Jakob Augstein ueber die Gaza-Offensive.

Der folgende Kommentar von Herrn Augstein ist als direkte Antwort auf Dirty Henryk’s unkontrollierbaren Blutrausch zu sehen. Unbedingter Lesebefehl!!

Jeder Kritiker Israels muss damit rechnen, als Antisemit beschimpft zu werden. Das ist ein gefährlicher Missbrauch des Begriffs. Im Schatten solch falscher Debatten blüht der echte Antisemitismus.

“Augstein, du bist und bleibst eine antisemitische Dreckschleuder.
PS: immer schön aufpassen, wenn du über die Straße gehst. “

Diese Nachricht erreichte den Autor vor kurzem über Facebook. Das Netz ist voller Wut und Wahnsinn. Aber dieser Angriff ist typisch für eine gefährliche Tendenz: Der Antisemitismus-Vorwurf wird inflationär gebraucht. Und er wird missbraucht. Immer häufiger wird Israels Besatzungspolitik mit dem Antisemitismus-Argument gegen jede Kritik in Schutz genommen. Dadurch verliert der Begriff seine Bedeutung und das Thema seine Würde. All das nützt den wirklichen Judenfeinden – und es schadet Israel.

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Nach dem Angriff der Israelischen Armee auf die Gaza-Flotilla war auch der schwedische Autor Henning Mankell, der daran teilgenommen hatte, dem Antisemitisen-Shitstorm ausgesetzt. Schon damals schrieb ich:

[…]Dadurch dass der Antisemitismus-Vorwurf nahezu bei jeder Gelegenheit erfolgt wenn Israel’s Politik kritisiert wird, wirkt es inzwischen inflationaer und immer mehr Menschen reagieren nicht mehr darauf. Das koennte evtl. zur Folge haben, dass man die wirklichen Antisemiten von den israelkritischen Stimmen nicht mehr unterscheiden kann. Das waere schade.[…]

Danke, Jakob Augstein, fuer die klaren Worte.

Zum Schluss habe ich noch eine Filmempfehlung: Der israelisch-juedische Regisseurs Yoav Shamir geht dem Begriff ‘Antisemitismus’ und des heutigen Gebrauchs dessen in seinem Dokumentarfilm “Defamation – Spurensuche einer Verleumdung” nach. Sehr sehenswert.