Kelek ganz unten

Necla Kelek – Allroundtalent, Brastwurtmigrantin und Islamkritikerin von eigenen Gnaden – ist in ihrer Karriere da angekommen, wo sie meiner Meinung nach schon immer hingehoert hat: Ganz unten. Selbst ihr Stammblatt DIE WELT, wo sie regelmaessig mit ihren kruden Thesen und Analysen zum Islam und den Migranten zur Wort kommt, hat es inzwischen verstanden. Die Zeiten der Lobeshymnen scheinen vorbei zu sein. So eine deutliche Kritik habe ich im sog. intellektuellen Flagschiff der Springer-Presse bisher noch nicht gelesen:

[…]”Hurriya heißt Freiheit. Die arabische Revolution und die Frauen” heißt das neue Buch der Publizistin Necla Kelek, das am Montag erscheint. Zwei Monate lang ist die deutsch-türkische Soziologin durch die Zentren des Arabischen Frühlings, Ägypten, Tunesien und Marokko, gereist, begleitet von ihrem Lebensgefährten, dem Lektor Peter Mathews.[…]

[…]Keleks Buch, eher detailversessene Reisebeschreibung denn profunde intellektuelle Analyse, lässt diese landeseigenen Spezifika vor und nach der Revolution fast gänzlich außen vor. Die mangelnde Aktualität, ja Brisanz des Buches, die daraus folgt, ist nicht die einzige Schwäche: Es hält schlicht nicht, was der Titel verspricht. Eine provokant überraschende Bestandsaufnahme des arabischen Feminismus, die man bei der sonst so pointierten Islamkritikerin Kelek erwarten könnte, sucht man hier vergeblich.

Keleks Grundthese ist so erwartbar wie verkürzt: Die Revolutionen, so könnte man die 240 Seiten zusammenfassen, haben den Frauen in Nordafrika wenig bis gar nichts gebracht. Standen sie während der Proteste noch in einer Reihe mit ihren Männern, hat der wachsende Einfluss der Islamisten, ihre öffentliche Präsenz, sie nahezu stumm gemacht. Die Bestätigung dafür findet Kelek bei Frauenrechtlerinnen und Sprechern ausländischer Organisationen, die sie in Kairo, Tunis und Marrakesch besucht und die etwa davon berichten, wie Frauen in Wahlversammlungen als Huren beschimpft würden, wie die Islamisten von einem künftigen Kalifat schwärmten oder wie die Salafisten Universitäten besetzten, um ihren Frauen das Recht zu erkämpfen, im Hijab studieren zu können. “Hurriya”, der Schlachtruf der Revolte, werde in diesen patriarchalischen Systemen, in denen die Frauen bloße Verfügungsmasse des Mannes seien, längst wieder in seiner eigentlichen Bedeutung verstanden, schreibt Kelek resigniert: In einer Gesellschaft, die ohne Religion nicht auskomme, gehe es einzig um die Freiheit, Allah zu dienen. Demokratie? Fehlanzeige.

Und so flüchtet sich Kelek in Alltagsgeschichten, erzählt auf vielen Seiten von aufdringlichen Händlern und verhüllten Frauen, von den Betenden, die mit ihrem Kopf den Boden berühren. Ihr fehle der Aufschrei der Muslima, schreibt Kelek am Schluss, damit sie als “al-Hurra”, als freie Frau, leben könne. Der Appell ist berechtigt. Vielleicht aber hat der Aufbruch längst begonnen. In Bengasi zum Beispiel. (Quelle)

Auch hatte Necla Kelek neulich bei Maischberger eine Vorstellung abgegeben, die selbst fuer ihre Verhaeltnisse sehr peinlich war. Als ich mir die Talk-Show im Internet angeschaut habe, tat sie mir sogar fast ein bissl leid…fast. Aber mehr ueberkam mich das Gefuehl des Fremdschaemens. :)

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