Heuchelei par excellence

Auszuege aus einem Interview mit Christean Wagner, dem Fraktionsvorsitzenden der CDU im Hessischen Landtag:

Herr Wagner, Sie waren gerade in Königsberg, Ihrer Geburtsstadt. Was bedeutet Ihnen Ostpreußen?

>Die Familie meines Vaters kommt seit vielen Generationen aus Königsberg. Das Land bildete für mich schon eine emotionale Grundlage, bevor ich es überhaupt kannte – ich bin so erzogen. Meine Eltern haben sich dort trauen lassen, ich bin dort getauft, ich habe auch meinen jüngsten Sohn im Königsberger Dom taufen lassen. Meine Heimat ist Hessen, aber meine Herkunft ist Ostpreußen.

[…]

Geht die Bindung zu Ostpreußen so weit, dass Sie sagen würden, das Gebiet wollen wir wieder haben?

Die Heimatvertriebenen sind Realisten genug, um zu wissen, dass die Entscheidung der Weltgeschichte nicht revidierbar ist. Außerdem wollen die meisten von ihnen nicht mehr in die alte Heimat zurückziehen. Sie wünschen sich aber, dass das ihnen zugefügte Unrecht wenigstens anerkannt würde. Für mich persönlich geht es um meine Bindung an die Herkunft.

Apropos Bindung an die Herkunft: Gehört der Islam denn nun zu Deutschland oder nicht?

Kultur und Herkunft des Islam gehören nicht zu Deutschland, aber die Muslime gehören zu Deutschland. Wir sind ein christlich geprägtes Land. Wir haben 3,5 Millionen Muslime hier. Diejenigen, die bleiben wollen, werden mit offenen Armen aufgenommen, wenn sie bereit sind, unser Grundgesetz anzuerkennen, und wenn sie unsere Kultur akzeptieren. Ich will den Deutschen türkischer Herkunft, nicht den Türken mit deutschem Pass.

Aber wenn Muslime willkommen sind, brauchen sie auch ihre Moscheen. Dann gehört der Islam doch zu Deutschland.

Radikale Islamisten, zum Beispiel Salafisten, gehören nicht zu Deutschland. Die, die bei uns dauerhaft leben und einen wichtigen Beitrag zu unserer Geschichte leisten, gehören als Personen zu unserer deutschen Gegenwart und sind uns willkommen.

Auch mit Salafisten muss man irgendwie umgehen, wenn sie nun mal hier sind.

Ja, natürlich, man muss sie an ihrem staatsfeindlichen Agieren hindern. Sie gehören aber nicht zu Deutschland.

Das christliche C ist Ihnen wichtig. Hessen hält an einem Tanzverbot an Feiertagen fest, das selbst in den Kirchen viele veraltet fin-den, erlaubt aber Sonntagsarbeit in einem Maß, das Kirchenvertreter kritisieren. Entscheiden Sie selbst, was christlich ist und was nicht?

Wir machen Politik aus der Sicht des christlichen Menschenbildes. Der Feiertagsschutz in Hessen kam vor wenigen Jahren auf Wunsch der Kirchen zustande. Ich habe nicht den Eindruck, dass sie drängen, dies zu ändern; die Frage ist, wie weit sich die Kirchen nun von anderen drängen lassen. Ich glaube, man ist nicht gut beraten, wenn man in so grundsätzlichen Fragen dem flüchtigen Zeitgeist hinterherläuft.

Viele konservative Christen würden sagen, die Unauflöslichkeit der Ehe gehöre zum christlichen Menschenbild. Sie haben selbst zwei Scheidungen hinter sich. Legt man dann andere Maßstäbe an Vorstellungen wie „bis dass der Tod Euch scheide“?

Ich bin nicht glücklich darüber, dass zwei gescheiterte Ehen zu meiner persönlichen Biografie gehören. Darüber gehe ich nicht leichtfertig hinweg. Aus diesem Grunde trete ich aber dafür ein, dass Geschiedene in der katholischen Kirche zur Kommunion gehen dürfen.

Ihr Koalitionspartner will, dass homosexuelle Gemeinschaften gleiche Rechte und Pflichten wie Ehepartner bekommen.

Es ist Ausdruck politischer und kirchlicher Toleranz, zu akzeptieren, wie jeder leben will. Allein aber die Familie steht unter besonderem Schutz des Staates. Das steht im Grundgesetz. Und Familie, das ist nach allgemeinem Verständnis die Ehe zwischen Mann und Frau, wenn möglich mit Kindern.

[…]

Heuchelei und Doppelmoral par excellene, wie es leider allzuoft in der Politik – besonders in den Unionsparteien – zu finden ist.