Israels 200 Atombomben koennten den Iran wegpusten

Der deutsch-iranische Publizist und Regimekritiker Bahman Nirumand musste zwei Mal aus seinem Land fliehen: zuerst vor dem Schah und dann vor den Mullahs. In einem Interview steht er einem moeglichen Angriff Israels auf den Iran aeusserst kritisch gegenueber, und hat konstruktive Vorschlaege, wie man die Krise in den Griff bekommen kann. Hier sind einige Auszuege:

[…]Es gibt bestimmte Gruppen im Iran, die einen Militärschlag geradezu herbeisehnen, weil sie die Rettung des Regimes darin sehen. Schon einmal, 1980, hat der Angriff Saddam Husseins auf den Iran das Regime gefestigt. Ayatollah Ruhollah Khomeini nannte den Angriff später ein „Geschenk des Himmels“: Denn 1980 war noch nicht klar, wohin die Revolution steuert. Es gab damals viele oppositionelle Gruppen, die eine Islamisierung der Gesellschaft nicht wollten und sich dagegen zur Wehr setzten. Ich selbst habe damals im Iran die Nationaldemokratische Front (eine linke, laizistische Partei, Anm.)mitbegründet. Zur Gründungsversammlung am Grab des ehemaligen Premiers Mohammad Mossadegh (auf den sich die Vertreter dieser Partei beriefen, Anm.) kamen eine Million Menschen. Nach dem Angriff des Irak auf den Iran hat sich dann das Volk hinter das Regime gestellt, Millionen sind an die Front gegangen. Das Schlimmste war: die Islamisten und Khomeini konnten ihre Ideologie propagieren und die Opposition ausschalten. Jeder Kritiker wurde als Kollaborateur mit dem Ausland bezeichnet und sofort an die Wand gestellt. Wenn der Iran morgen angegriffen würde, dann wäre mit einer sehr ähnlichen Situation zu rechnen.[…]

[…]Anstatt ständig über das Atomprogramm zu reden, muss der Westen den Druck wegen der flagranten Verletzung der Menschenrechte erhöhen. Dann hätte der Westen einen großen Teil des iranischen Volkes als Bündnispartner. Die Mehrheit, die im Iran nach Veränderungen dürstet, würde sagen: „Na guck mal! Der Westen unterstützt uns!“[…]

[…]Man muss dem Regime die Angst nehmen: Ein Nichtangriffspakt würde Vertrauen schaffen. Die zweite Möglichkeit wäre eine atomwaffenfreie Zone im Nahen Osten. Aber da ist Israel, das selbst Atombomben besitzt, dagegen. Doch selbst wenn der Iran Atombomben hätte: Für den Iran wäre es absoluter Selbstmord, Israel anzugreifen. Israel könnte den Iran mit seinen 200 Sprengköpfen einfach wegpusten.[…]

[…]Ich habe in den letzten 30 Jahren nicht den Eindruck gewonnen, dass die Machthaber  dort irrational sind. Das sind gewiefte Schachspieler und kühle Rechner, die interessiert einzig und allein der Machterhalt.[…]