Kanadas Einwanderungspolitik

In dem folgenden Artikel beschreibt der Soziologe Gunnar Heinsohn anhand von Beispielen die Einwanderungspolitik Kanadas. Mit ihrem Punktesystem fuer bestimmte Kriterien (Alter, Bildung, Sprachkenntnisse, etc.) erlaubt man grundsaetzlich Menschen mit hohem Bildungsgrad die Einwanderung, auch wenn dafuer momentan kein Bedarf herrscht, da man eher auf einen langfristigen Nutzen setzt. Es kommt auch durchaus vor, dass dringend gebrauchten Fachkraeften die Einwanderung verweigert werden, da man langfristig eher mit Nachteilen rechnet.

Wie Einwanderungspolitik wirklich funktioniert, kann man bei den Kanadiern besichtigen. Hierzulande werden immer noch die falschen Weichen gestellt. Man sucht nur Leute, die der Arbeitsmarkt akut braucht. Doch Innovation und neue Arbeitsplätze entstehen so nicht.

Ein Unternehmer in Toronto sucht einen Schweißer und weiß zufällig, dass aus Frankreich jemand einwandern will. Ungehalten erfährt er, dass der junge Mann draußen bleiben muss. Bei einer Taxifahrt kurz danach chauffiert ihn ein 30-jähriger deutscher Assyriologe. Der spricht besser Englisch als er selbst, findet aber als Keilschriftdeuter keine Anstellung. Empört wendet sich der Unternehmer an das Ministerium für “Citizenship, Immigration and Multiculturalism” in Ottawa. Dort ist man auf Beschwerden gut vorbereitet. Man habe seinen Schweißer genau angeschaut. Er habe aber nur die zehn Punkte für das Stellenangebot sowie noch einmal zehn Punkte für sein Alter bekommen. Es stimme schon, dass Schweißer ein Mangelberuf sei, aber dafür gebe es nun einmal seit Jahren ganz bewusst keine Punkte mehr. Mit seinen 20 Punkten schaffe er nicht einmal ein Drittel der für die Einwanderung notwendigen 67. Der Mann könne leider nur schweißen und habe keine Kompetenz für anspruchsvollere Qualifikationen. Überdies pflege Kanada keinen Sozialdarwinismus. Man könne den Franzosen nicht einfach wieder hinauswerfen, wenn – gottbewahre! – die Firma in Toronto bankrottgehe oder neue Technologien das Schweißen ersetzten. Auch dann sei dieser Einwanderer immer noch ein Mensch mit seiner Würde und müsse von den Mitbürgern Hilfe fordern. Das habe man vermieden und damit zugleich Wichtiges gegen Ausländerfeindlichkeit getan. Die richte sich fast immer gegen Kosten und keineswegs gegen Tüchtige, welcher Religion oder Haarfarbe auch immer. Deshalb brauche Kanada trotz unschlagbarer Buntheit keine Milliarden für nationale Aktionspläne und Integrationsgipfel.

Warum denn der Assyriologe hereingelassen worden sei, legt der Unternehmer nach. Dem ständen ja nicht einmal die zehn Punkte für ein vorhandenes Stellenangebot zu. Das räumt man ein. Aber der hat allein für Sprachkenntnisse und die Höhe seines Ausbildungsabschlusses 49 Punkte sicher sowie zehn Punkte für seine Jugend. Schließlich gewinnt er noch einmal zehn Punkte für die gute Ausbildung der Ehefrau, der man ihrerseits für ihn zehn Punkte anrechnet. Damit soll nicht nur die Geschlechterparität sichergestellt, sondern auch die Familiengründung in Kanada animiert werden. All das zusammen schiebt den Assyriologen zwei Punkte über das Limit.

Aber der fahre doch nur Taxi, murrt der Unternehmer. Schon, konzediert man. Aber das werde er nach aller Erfahrung nur kurze Zeit tun. Spätestens seine Kinder würden zu den besten Köpfen Kanadas gehören…

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Obwohl ich der Arbeit von Gunnar Heinsohn eher kritisch gegenueberstehe – u.a. auch wegen seiner Taetigkeit beim Broder-Blog AchGut – teile ich diesen Artikel mit euch, weil ich es interessant finde, und es gute Denkanstoesse liefert. Man sollte allerdings bei solchen Kosten-Nutzen Analysen nicht das Menschliche ausser Acht lassen. Eine gute und faire Asylpolitik muss eine gute Einwanderungspolitik ergaenzen.

In unserer globalisierten Welt muss man sich auch ueberlegen, wie man mit den Menschen umgeht, die weder ueber eine gute Qualifikation verfuegen, noch politisch verfolgt werden. Hier ist eine wirkungsvolle Aussen- und Entwicklungspolitik gefragt, die dafuer sorgt, dass in die Wirtschaft und Infrastruktur der Herkunftslaender investiert werden. Durchdachte und kluge Massnahmen entlasten die Industrielaender langfristig, da die Anzahl der sog. Wirtschaftsfluechtlinge deutlich sinkt.