Hate Radio

Ein sehr interessantes Projekt, welches am Beispiel des Ruanda-Konfliktes aufzeigt,  wie der Hass entsteht, der Menschen zu unmenschliche Taten veranlasst:

Wie funktioniert Propaganda heute? Der Regisseur Milo Rau lässt in seinem Theaterprojekt “Hate Radio” eine Rundfunksendung aus der Zeit des Genozids in Ruanda 1994 originalgetreu nachspielen. Hier kann jeder die Mechanismen rassistischer Hetze selbst erleben.

Wie entsteht der unmenschliche Hass, der Menschen zu so etwas fähig werden lässt? In der Vergangenheit, der Gegenwart, in der Zukunft? Das ist die Frage, die hinter dem international koproduzierten Theaterprojekt “Hate Radio” von Milo Rau und seinem “International Institute of Political Murder” steht, das jetzt noch einmal am Berliner HAU zu sehen ist. Sie ist in neunzig Minuten sicher nicht erschöpfend zu beantworten, und das ist auch nicht der Anspruch von “Hate Radio”. Aber es gelingt dem Regisseur und Autor Rau, eine Spur zu legen, die Frage im Kopf der Zuschauer zu verankern, dringlicher als alle Theateradaptionen griechischer Tragödien das vermögen.

Raus Konzept erscheint simpel: In einem gläsernen Studio lässt er eine Sendung des ruandischen Senders RTLM nachspielen, so originalgetreu wie möglich aus Protokollen, Zeitzeugenberichten und Gerichtsakten rekonstruiert – ein “Re-Enactment”. Die Show vom Juni 1994, auf Französisch und Kinyarwanda gespielt (und mit deutschen Übertiteln versehen), wirkt zunächst ganz harmlos. Sie ist Propaganda der perfidesten Sorte.

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