[...]Gertrud* war 50 Jahre alt, als sie zufällig ein Bild ihrer Mutter in der Zeitung entdeckte. Das Foto zeigte die Frau in einer Gruppe fröhlich lachender SS-Helferinnen in einem Erholungsheim in der Nähe von Auschwitz. „Der Fotobeweis war ein blitzartiger Schock“, sagt Gertrud. Aber so schmerzhaft sich dieser auch anfühlte, wenigstens hatte sie nun endgültig Gewissheit[...]
[...]Dass es ein dunkles Geheimnis in ihrer Familie gab, hatte sie schon lange geahnt. Als sie noch ein Kind war, hatte die Mutter – eine gefühlskalte Frau – sie Tag für Tag schikaniert und geschlagen. Und kurz bevor Gertrud das Bild in der Presse sah, spürte sie bei einem Besuch in der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen, dass die Mutter in die Verbrechen der Nazis verstrickt sein musste[...] (Quelle)
Wie fühlen sich Menschen, deren Verwandte Nazi-Verbrecher waren? Viele Nachkommen dieser Massenmörder und Kriegsverbrecher können sehr schwer mit dieser Tatsache leben bzw. umgehen, fühlen sich schuldig und verantwortlich für die Taten ihrer Verwandten und empfinden sicherlich eine Art Hassliebe zu ihren Vätern, Müttern, Großvätern usw..um so beeindruckender, dass sie sich damit auseinandersetzen und offen darüber sprechen.
Vergangenheitsbewältigung
Der israelische Filmemacher Chanoch Ze’evi konfrontiert in seinem Dokumentarfilm “Hitler`s Children” die Nachkommen von Opfern und Tätern des Holocaust. In dem Film kommen u. a. die Nachkommen von Heinrich Himmler, Hermann Goering, Claus Schenk von Stauffenberg, Hans Frank und Amon Goeth zu Wort.
Lesetipp:
Vielen Dank an Wahrträumer für diesen Gastbeitrag.


Ein schwieriges Thema. Mein Vater sprach über seine persönliche Schuld als Soldat der Wehrmacht. Altersgerecht klärte er mich auf. Er entschuldigte nichts, das tat in Leningrad 1977 ein Veteran des “Gegners”. Beide kämpften am Wolchow im September 1942 gegeneinander (ohne es zu wissen natürlich) und wir kamen ins Gespräch. Erst dieser alte Herr konnte mir den “Schock” lösen und in mir ein gewisses “Verständnis” wecken, welches nötig ist, wenn man mit der Vergangenheit der Väter oder Mütter vernünftig umgehen will – ohne in der einen oder anderen Form “traumatisiert” zu sein und zu bleiben. Schuldzuweisungen helfen nicht, vor allem nicht von den Generationen danach, nur ein ehrliches Gespräch.
Zu glauben die eigenen Verwandten die in dieser Zeit gelebt haben, hätten damals lediglich Däumchen gedreht halte ich für recht naiv. Ohne meine eigene Familiengeschichte zu kennen tippe ich, dass auch meine Vorfahren Dreck am Steck hatten.