Er hat 20 Jahre lang die Schnauze gehalten..

…und hat jetzt etwas Nachholbedarf.

Ein interessantes Interview mit Mehmet Daimagüler, den Autor des Buches “Kein schönes Land in dieser Zeit – Das Märchen von der gescheiterten Integration”. Hier sind einige Kernaussagen:

[…]Ich habe versucht, die Deutschen in Anführungsstrichen so zu beschreiben, wie tagtäglich Türken oder Muslime oder Migrationshintergrunddeutsche beschrieben werden. Da stehen dann Sachen, die man auch von Deutschen selbst hört oder liest. Aber wenn ein Türke daherkommt und das schreibt, dann kommt das gar nicht gut an. Das wollen die Leute nicht. Wenn das son Türke macht, ist es eben wirklich ärgerlich. Lustig ist, dass ich von vielen anderen Deutschen mit Migrationshintergrund dazu höre: “Endlich sagt es mal einer.” Genau die Reaktion vieler Deutscher auf das Sarrazin-Buch. […]

[…]Ja, das verstehe ich überhaupt nicht. Zum einen sagt man den Türken, jetzt orientiert euch mal an Deutschland, Deutschland ist jetzt eure Heimat, und wenn man sich dann mit seiner Heimat auseinandersetzt, heißt es plötzlich: Ja, dann musst du jetzt auch die Türkei kritisieren. Ich verstehe mich als Mensch in diesem Land, in dem ich vieles super finde, manches aber eben auch nicht. So geht es doch jedem Bürger dieses Landes! Und da will ich nicht mehr und nicht weniger dürfen als jeder andere. Aber Heimat ist ja geradezu prädestiniert dafür, dass man so eine Art Hassliebe für sie entwickelt. Das Siegerland, wo ich herkomme, ist noch nie eine weltoffene Gegend gewesen. Das ist ein Mittelgebirge, wo Sie nie weiter als drei Kilometer gucken können, dann fängt der nächste Berg an. Natürlich schlägt sich das irgendwann nieder auf die Psyche der Menschen. […]

[…]Schmähungen kamen vor allem von Leuten, die gar nicht das ganze Buch gelesen haben, sondern nur den Titel und den Namen des Autors. Die reagieren wie die Hunde von Pawlow, die gesabbert haben, sobald sie ein Glöckchen hörten, weil sie dachten, es gebe was zu fressen. Und diese Leute sabbern, sobald sie Türke, Türkei oder so was hören. Was sie ärgert, ist im Grunde doch, dass da ein Türke kommt, der sich artikulieren kann, der nicht einer ist, auf den sie herabblicken können, der sich nicht leicht in eine Schublade stecken lässt. Denen passt es nicht, wenn einer wie ich das ritualisierte Gedenken an den Holocaust kritisiert, das den deutschen Antisemitismus für den Rest des Jahres völlig ignoriert. Als ob es den nicht gäbe. Und wenn man darüber redet, dann nur über den Antisemitismus von jungen Muslimen. Da sage ich: Wenn 20 oder 30 Prozent der jungen Muslime in diesem Land antisemitisch denken, dann ist das, zynisch ausgedrückt, wahrscheinlich ein Fall erfolgreicher Integration. Denn ungefähr die gleiche Anzahl der jungen Deutschen tickt ja genauso. […]

Das vollstaendige Interview koennt ihr hier lesen.