Wir buchen, Sie fluchen – Wenn Behoerden Leben zerstoeren

Ein freundlicher und fröhlicher Mann tötet sich selbst – mit 23 Jahren. Wie es dazu kam, zeigt die NDR-Doku “Wadim” in allen erschütternden Details. Die gnadenlose Abschiebepraxis deutscher Behörden hat den in Deutschland aufgewachsenen Letten in die Verzweiflung getrieben.

[…]Als die Filmemacher Carsten Rau und Hauke Wendler beginnen, ihre Dokumentation über Wadims kurzes Leben zu drehen, ist sein Freitod gerade mal zwei Wochen her. “Wir wussten zu diesem Zeitpunkt nicht einmal, dass es private Aufnahmen gibt, die wir für den Film verwenden können”, sagt Wendler. “Aber uns war nach dem Gespräch mit den Eltern klar, dass wir den Film machen müssen.”[…]

[…]Die Stärke des Films ist es, die Brutalität solcher Maßnahmen sachlich für sich sprechen zu lassen. Keine schrille Moderatorenstimme skandalisiert die Behördenpraxis. Stattdessen lassen die Filmemacher den eher spröden Rechtsanwalt der Familie aus den amtlichen Vermerken zur Abschiebenacht zitieren. “Die Kinder wurden zunächst selektiert und unter Kontrolle gehalten”, liest der Anwalt aus den Akten vor. Nur ein paar feine Stirnfalten verraten die Verwunderung darüber, dass deutsche Bürokraten unbefangen das Verb “selektieren” zu Protokoll geben.[…]

[…]Die Beamten, die seit Ende der Neunziger die Abschiebung der Familie vorangetrieben haben, äußern sich in “Wadim” nicht – was wohl an einem anderen Film liegt: 2005 hatte der Filmemacher Michael Richter für seine Dokumentation “Abschiebung im Morgengrauen” in der Hamburger Ausländerbehörde gedreht. Die Kamera hatte auch den Arbeitsplatz einer Sachbearbeiterin dokumentiert, wo zwischen Diddl-Maus- und Kleinkinderfoto-Deko ein Bildschirmschoner über den Monitor flimmerte: “Wir buchen, Sie fluchen – mit freundlicher Unterstützung des Reisebüros Never-Come-Back-Airlines.”[…] (Quelle)