Unruhen sind im bevoelkerungsreichsten Land Afrikas keine Seltenheit. Muslime gegen Christen, Christen gegen Naturreligionen, die Armen gegen die Reichen, die verschiedenen Staemme bekaempfen sich untereinander etc. etc. Die Religion ist, obwohl man durch die schrecklichen Geschehnisse waehrend des Weihnachtsfestes darauf kommen koennte, nicht immer die Hauptursache fuer die Konflikte. Oft ist es nur ein Vorwand, und die Geschichte hat schon sehr oft gezeigt, dass die Religion fuer politische Zwecke missbraucht wurde.
Eigentlich ist Nigeria ein reiches Land. Es ist gesegnet mit Erdoel, allerdings sieht die Bevoelkerung kaum etwas von den ca. 600 Mrd. USD Einnahmen jaehrlich. Das Geld kommt bei den Armen aufgrund der Korruptheit des Staatsapparates nicht an, und dem Land fehlt es an der notwendigen Infrastruktur.
Aber fuer die Islamophoben, und denjenigen, die den sog. Clash of Civilizations herbeibeschwoeren, ist eine komplizierte Begebenheit wieder auf eine simple Formel gebracht: Der Islam ist an allem Schuld. Der Islam fuehrt Krieg gegen den Rest der Welt. Der Islam ist gewalttaetig. Es interessiert sie nicht, dass die Terrororganisation Boko Haram, die fuer die Anschlaege verantwortlich war, eine kleine extreme Splittergruppe ist, und kaum Rueckhalt in der Bevoelkerung hat.
Nigeria scheint sowieso ein Spielplatz der religioesen Extremisten zu sein:
Reinhard Bonnke (* 19. April 1940 in Königsberg / Ostpreußen), in der Presse mitunter auch als Mähdrescher Gottes bezeichnet, ist ein Evangelist aus dem Bereich der Pfingstbewegung.[...]
[...]Seine Massenveranstaltungen enden regelmäßig mit einem öffentlichem Bekehrungsaufruf und Gebeten für übernatürliche Heilung sowie Befreiung von dämonischen Geistern (Exorzismus) und auf der Stadt oder der Region lastenden Flüchen. Anschließend wird Besuchern Gelegenheit gegeben, ein sog. Zeugnis von empfangenen Heilungen zu geben. Besonders spektakulär war die angebliche Totenauferweckung des nigerianischen Pastors Daniel Ekechukwu im Jahre 2001, die u. a. durch ein TV-Interview des berühmten US-amerikanischen Fernsehpredigers Pat Robertson mit Bonnke weltweites Aufsehen erregte. Solche Ereignisse werden in der nigerianischen Gesellschaft kontrovers aufgenommen.]Spektakuläres Bühnenwirken nimmt eine zentrale Rolle in der Dramaturgie der Veranstaltungen ein.[...]
[...]Anhänger verehren Bonnke als „Prophet“ und heben seine Missionserfolge hervor. Gegner kritisieren Evangelisierungsmethoden, mit denen in Afrika Konflikte zwischen Christen und Muslimen entstehen würden, um die Kerngebiete des Islam zwischen dem 10. und 40. Breitengrad zu erobern: „Die katholische Kirche hat sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil von der aggressiven Bekehrungsidee verabschiedet. Die neuen Scharfmacher praktizieren hingegen Mission pur. Sie führen einen Heiligen Krieg im Namen des Kreuzes, einen christlichen Dschihad.“ So führte im Jahre 1991 eine Missionsveranstaltung in Kano, einer Hochburg des militanten Islamismus in Nordnigeria, zu schweren Ausschreitungen. Zeitweilig wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. Es soll nach offiziellen Quellen mehrere Hundert Todesopfer gegeben haben. Daraufhin wurde Bonnke in Nigeria bis 1999 zur unerwünschten Person erklärt. [...]
Europa ist fuer die religioesen Fanatiker schon so gut wie verloren, und in Afrika findet die Schlacht um die verlorenen Seelen statt. Sie nutzen die Armut, das Chaos, und die Zerrissenheit der Menschen fuer ihre eigenen Ziele aus. Es geht mal wieder nicht um den Menschen und um die Religion, sondern alleine um Politik und Macht.
Lesetipps:
- Nigeria – Der Fluch des Schwarzen Goldes
- Religion ist nicht die Ursache des Blutvergiessens
- Oase im Hassland


selbst die SZ titelte heute mit “die Sprengkraft des Glaubens” und beschreibt einen religiösen Krieg zwischen dem christlichen Präsidenten Jonathan und der Terrorgruppe Boko Haram. Außer der Erwähnung, dass es dort 160 Millionen ganz überwiegend friedliche und sehr gläubige Menschen gibt, ist von der eigentlichen Ausbeutung dieser kein Wort. Da bin ich doch etwas enttäuscht.
Nigeria ist der bevölkerungsreichste Staat Afrikas und der größte Erdölproduzent des Kontinents, aber auch eines der ärmsten Länder der Welt.
Die Hintermänner der benannten Terrorgruppe liegen im Dunkeln. Doch das interessiert wenig. Hauptsache sie bewirkt in der Berichterstattung eine weitere Nennung von “islamisch” motiviertemTerrorakt, was nun die Welt in Atem halten soll. Dass die eigentliche Bevölkerung mitten im Reichtum Armut erlebt, interessiert wieder wenig. Die über Jahrzehnte hinweg christliche Missionierung und Kolonialisierung gilt weit weniger angsterregend als so eine mickrige Terrorgruppe mit großem Nachrichtenwert.
Nicht die SZ hält die Welt in Atem, sondern der Terror! So viel Realitätssinn sollte schon sein, @adimi !
ich bin mir nicht so sicher ob Europa für religiöse Fanatiker verloren ist, die Namen Abu Nagie und Pierre Vogel sollten hier nicht unerwähnt bleiben, immerhin haben die schon mehrere Tausend Personen “bekehrt”…
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Dybth: Koennten Sie die ‘mehreren Tausend” prozentual ausdruecken? Gruss
Prozentual sind es nicht mehr als rechtsradikale Kameradschaften…schauen sie selbst nach.
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Dybth: Ich hatte nicht um einen Vergleich mit den Rechtsradikalen gebeten. Aus Ihrer Nicht-Antwort schließe ich, dass Sie keine Zahl haben, und sich jetzt um eine Ablenkung bemuehen. Auch gut. Gruss
@DYBTH
sie sind wirklich ein komischer Kasper
Erst erklären Sie dass, die Anschläge von Boko dingsbums nichts mit Religion zu tun haben. Dann bringen sie einen Hinwies auf Herrn Bonnke, der natürlich genauso religiös ist wie die Terroristen. Aber haben jetzt Herr Bohnke oder seine Anhänger in Nigeria irgendwelche Leute umgebracht?
Ansonsten haben sich die Christen im Süden schon mal versucht von ihren muslimischen Mitbürgern zu trennen (Biafra-Krieg). Die Muslime und die von ihnen dominierte Militär-Dikatur wollten das allerdings nicht.
Christen und Muslime haben sich ein Land zu teilen.Das soll vorkommen!
Wer in der Mission erfolgreicher sei, versuchen radikale Gruppierungen sehr wahrscheinlich bis zum Abwinken für sich zu entscheiden.Tatsache ist: an Weihnachten fielen Christen denen zum Opfer, denen der Gedanke an ein friedliches Mit- oder Nebeneinander unterschiedlicher Glaubensrichtungen ein Greuel ist.Es gibt Täter und es gibt Opfer, die klar zu identifizieren sind und auch als solche benannt werden müssen.Es gibt immer einen “größeren Kontext”. Das ändert aber nichts an den gegenwärtigen Konstellationen.
Natürlich ist die Gewalt religiös motiviert. Wie kommt ihr darauf, dass es anders ist?
Weil die “eigentlich” wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage aufgestachelt werden? Ja, war bei den Nazis auch so. Man wird oft aus ökonomischen Gründen zum Rassisten. Die NPD-Wähler sind meistens arm und arbeitslos:
http://www.welt.de/politik/deutschland/article13754021/Rechtsextreme-Waehler-sind-maennlich-arm-arbeitslos.html
Wenn jemand eine Kirche angreift, dann weil er Christen hasst. Dasselbe gilt, wenn ein NPDler eine Moschee angreift. Wieso müsst ihr immer wieder die Gewalt von Islamisten verharmlosen? Was sollen diese ausreden?
Das hat doch auch nichts mit den Kampf der Kulturen zu tun, es gibt keinen Kampf der Kulturen, nur einen Kampf zwischen Demokratie und Diktatur. Die USA und Europa haben keine Probleme mit Japan, Südkorea oder Indien, dafür aber mit Russland, Kuba und Venezuela.