Krieg gegen Weihnachten

Christliche Fundamentalisten, die ich Christaleban nenne, sehen die Gefahren gegen das ihrer Meinung nach ‘christliche Amerika’ ueberall. Keine Scheindebatte ist ihnen zu schade, um Angst und Schrecken zu verbreiten, und ihre Gegner einzuschuechtern. Nun wittern Sie einen “Krieg gegen Weihnachten”:

Alle Jahre wieder geschieht in Amerika Folgendes: Irgendein Linksliberaler, der ein öffentliches Amt bekleidet, tut oder sagt etwas gegen Weihnachten – und die christlichen Rechten rufen daraufhin traditionsgemäß das Zeitalter des Antichrists aus. Dieses Jahr war es an Lincoln Chafee, dem Gouverneur des Bundesstaates Rhode Island, das alljährliche Ritual einzuleiten.

Lincoln Chafee ist etwas sehr Seltenes, ein liberaler Republikaner nämlich – und das heißt, dass er seinen linksliberalen Freunden gelegentlich beweisen muss, dass er es mit seinen Überzeugungen ernst meint. Und so bezeichnete der Gouverneur eine gut fünf Meter hohe und prächtig geschmückte Fichte, die in seinem Amtssitz aufgestellt wurde, nicht als Weihnachtsbaum, sondern als „holiday tree“.

Das ist zwar nicht ganz so schön wie „Jahresendfestflügelfigur“ – wir erinnern uns: So soll in der DDR einst der Weihnachtsengel bezeichnet worden sein (ob von Bürokraten oder Satirikern ist unklar) –, aber es reichte aus, um den rechten Sender Fox News auf den Plan zu rufen: Hier werde ein „Krieg gegen Weihnachten“ geführt.

Christliche Rechte wütet über “Krieg gegen Weihnachten”

Hinter dem „Krieg gegen Weihnachten“ stehen nach Meinung der christlichen Rechten die Linken und die Intellektuellen: dem gemeinen Volk entfremdete Eliten, die am liebsten eine säkulare Erziehungsdiktatur errichten wollten.

Ihr Ziel sei es, Amerika von seinen christlichen Wurzeln zu entfremden und im Namen des Multikulturalismus von innen her auszuhöhlen. Ja, eigentlich gehe es womöglich darum, Amerika für den radikalen Islam sturmreif zu machen – erst werde Weihnachten verboten, und was dann?

weiterlesen

Der Autor des obigen Artikels, Hannes Stein, ist eine Ausnahme im Broder-Blog AchGut. Mich wundert es, warum er dort ueberhaupt schreibt. Hoffen wir, dass er – wie bereits Alan Posener – den Absprung schafft.

Vor einigen Wochen gab es bei den Rechten in Amerika, und ihrem Sprachrohr Fox-News, schon eine aehnliche Debatte uber das Erntedankfest. Obama hatte in seiner Ansprache versaeumt, Gott zu erwaehnen. Eine Steilvorlage fuer den Comedian Jon Stewart:

Lesetipps: 

 *Foto oben: Ein Waffenclub in Arizona bietet ihren Mitgliedern ein Weihnachtsfoto der etwas anderen Art an.