Kein Mensch passt in eine Schublade

Die Antidiskrimierungsstelle hat eine neue Plakatkampagne mit dem Titel “Kein Mensch passt in eine Schublade” gestartet. Damit sollen die Buerger auf Diskriminierungen im Alltag aufgrund von Ethnie, Religion, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Behinderung etc. sensiblisiert werden. Hier sind 2 Beispiele:

 

 Und hier ist eine naiv-duemmliche Analyse der Kampagne eines Pathologisch Ignoranten (PI):

Mit seiner neuesten Schubladen-Kampagne bewirkt der Staat genau das, was er angeblich zu bekämpfen vorgibt: Er schafft ein Bewusstsein für Schubladendenken. Mit dieser Kampagne werden trennende Mauern zwischen den Menschen erst wirklich hochgezogen, Deutsche und Gastarbeiter nehmen ihre ethnischen Unterschiede bewusster wahr und werden so gegeneinander aufgehetzt. Die Schubladen-Kampagne steht daher in einer jahrzehntelangen Tradition staatlicher Maßnahmen, ethnische Unterschiede zu betonen und insbesondere die nationalen Gegensätze zwischen Deutschen und Türken zu verfestigen.

Es ist noch gar nicht lange her, da war das Zusammenleben zwischen Deutschen und türkischen Gastarbeitern ziemlich unbeschwert. Natürlich: Die Türken waren nie beliebt, sie grenzten sich schon immer ab und erwarben sich durch ihre ständigen Forderungen nach Sonderrechten schon früh einen schlechten Ruf. Aber man glaubte den staatlichen Versprechungen, dass sich auch die Türken eines Tages einfügen würden „wie die Polen“ und begegnete ihnen mit freundlicher Lockerheit. Dass der Kenan aus der Nachbarklasse Türke war, war eher ein Nebenthema, wenn er als Kumpel in Ordnung war und man mit ihm gut Billard spielen konnte. Und die Sebnem von der Realschule war vor allem ein hübsches Mädchen. Für die Aufnahme von Kenan und Sebnem in den persönlichen Freundeskreis galten genau die gleichen Kriterien wie für deutsche Freunde: Man mochte sich auf der persönlichen Ebene oder eben nicht.

Dann tauchten die politischen Funktionäre auf. In der türkischen Szene begann die Phase der nationalen Verbandsgründungen. In den Teestuben übernahmen ultrarechte Hardliner das Ruder und fingen an, gegen Deutsche zu hetzen. Kenan ging zwar weiter mit uns Billard spielen und Sebnem war immer noch hübsch, aber deren türkische Freunde waren bereits im „deutsch-türkischen Freundschaftsverein“, der ohne deutsche Freunde auskam, weil man Türkisch zur Vereinssprache erklärte. Irgendwann hatten Kenan und Sebnem von ihren Freunden im Freundschaftsverein gelernt, dass man auch in Deutschland die Pflicht habe, der Türkei zu dienen und die nationale Sache des Türkentums voranzubringen. Und eines Tages ging Kenan nur noch in der türkischen Kneipe Billard spielen, wo das Foto von den siegreichen Soldaten aus der Schlacht von Gallipolli an der Wand hing, und die hübsche Sebnem machte Schluss mit ihrem Thorsten und lief nur noch mit Kopftuch durch die Stadt.

Das war etwa die Zeit, als die Lehrer in der Schule immer öfter mit uns über „Toleranz“ und „Islam“ diskutierten und über „Ethnizität“: was also den Kenan und die Sebnem erst zu richtigen Türken machte, welche Unterschiede es zwischen uns gab, wieso wir anders waren, welche Gegensätze zwischen uns bestanden und welche „Kulturen“ uns trennten – all das lernten wir in Deutsch, Geschichte, Religion, Geographie und Sozialkunde, jeden Tag aufs neue. Wir schrieben lange Aufsätze darüber, warum wir es tolerieren müssten, dass Kenan mit uns kein Bier mehr trank und Sebnem keinen deutschen Freund haben durfte. Wir schrieben aber keine Aufsätze darüber, warum die Funktionäre aus dem Freundschaftsverein tolerieren müssten, dass Kenan mit uns Bier trank und Sebnem mit Thorsten ins Kino ging.

Später dann, als die türkische Regierung ihre erste Moschee in unserer Stadt errichtete, rief uns der Bürgermeister mittels Postwurfsendung zur Demonstration gegen „Rassismus“ auf. Ich lernte, dass ich ein „Rassist“ war, wenn ich mich darüber ärgerte, dass Kenan nicht mehr mit uns Billard spielte und Sebnem sich nicht mehr mit unserer Clique traf. Ich lernte auch, dass es mich mit dem Gesetz in Konflikt bringen konnte, wenn ich mich überhaupt über Kenan und Sebnem ärgerte. Und ich lernte, dass ich Konflikten mit dem Gesetz am besten dadurch aus dem Weg ging, indem ich Kenan und Sebnem aus dem Weg ging.

Heute lerne ich, dass Kenan und Sebnem in die Schublade „Türken“ und „Muslime“ gehören, dass man überhaupt in Schubladen denken kann, dass ich selbst in die Schubladen „Christen“ und „Deutsche“ einzuordnen bin, denn auf all diese Ideen bringen mich erst die Plakate der Antidiskriminierungsstelle. Und Kenan lernt, dass er die Regale im Supermarkt nicht deshalb auffüllt, weil er aus reiner Faulheit trotz halbwegs guter Noten die Schule geschmissen hat, sondern weil er „diskriminiert“ wird, denn genau das ist die Botschaft der Plakate an Kenan. Kenan hat auch gelernt, dass er nur die Telefonnummer auf den Plakaten zu wählen braucht, falls er mir mit einem einzigen Telefonat die Karriere zerstören möchte. Und ich weiß, dass Kenan das tatsächlich tun kann und achte deshalb auf meinen Sicherheitsabstand. Wenn ich Kenan heute sehe, denke ich: Aha, da ist der „Türke“, der „Muslim“, der kann mich fertigmachen. Und wenn Kenan mich heute sieht, denkt er: Aha, da ist der „Deutsche“, der „Christ“, der „diskriminiert“ mich. Wir nicken uns im Vorübergehen zwar manchmal zu, aber wir haben uns nichts mehr zu sagen.

Sebnem sehe ich auch noch in der Stadt. Sie ist nicht mehr hübsch und trägt jetzt außer dem Kopftuch einen langen Mantel, sogar im Hochsommer. Fünf Meter vor ihr geht ihr Mann, ein stadtbekannter arbeitsloser Nichtsnutz, der vor fünf Jahren aus Mittelanatolien zugeheiratet wurde, kein Wort Deutsch spricht und immer wieder in der Spielothek randaliert. Thorsten wohnt ebenfalls noch in der Stadt, manchmal begegnet er Sebnem. Aber sie nicken sich nicht einmal mehr zu. Jeder von uns hat seine Lektion gelernt.

Die Lehrer von der Schule damals sind längst pensioniert, es geht ihnen gut, wie man so hört. Und die Funktionäre aus dem Freundschaftsverein arbeiten heute im Rathaus, in der Antidiskriminierungsstelle, gleich neben dem Büro des Bürgermeisters. Dort verdienen sie ungefähr doppelt so viel wie Kenan und etwas mehr als ich. Wie schön für sie. Denn eins ist klar: Wenn Kenan immer noch mit uns Billard spielen würde und Sebnem den Thorsten geheiratet hätte, dann wäre das Zusammenleben zwischen uns immer noch so unbeschwert wie früher. Aber dann hätten die Funktionäre aus dem Freundschaftsverein keine Stelle, denn dann bräuchte kein Mensch im Land eine Antidiskriminierungsstelle.

Quelle: http://www.pi-news.net/2011/12/wie-der-staat-uns-aufeinander-hetzt/

Man koennte ja eigentlich darueber lachen, wenn soviel Dummheit nicht traurig waere..