Jenseits von Gut und Boese

Es ist nichts Neues, daß zwischen die Fronten gerät, wer sich einsetzt für einen friedlichen Dialog. Es ist nichts Neues, daß in Kritik gerät, wer sich einsetzt für die Aussöhnung zwischen Kulturen und Religionen. Es ist nichts Neues, daß in die Schußlinie gerät, wer versucht, verhärtete Fronten aufzubrechen. Eine neue Qualität hat aber die derzeitige Auseinandersetzung um die Lyrikerin Irena Wachendorff erreicht, eine „Qualität“, die an Gestapo-Methoden und Freisler’sche Inquisition erinnert, nicht an persönlichen Beleidigungen, Verleumdungen, üblen Nachreden und sogar tätlicher Bedrohung durch die „Jewish Defense League“ spart und in deren Verlauf einer der traurigen Höhepunkt die Forderung nach einem „Judennachweis“ an Frau Wachendorff ist.

Die Vorgeschichte: Irena Wachendorff engagiert sich seit Jahren für den jüdisch-arabisch-bilingualen Waldorfkindergarten „Ein Bustan“ in der Nähe von Kiryat Tivon/Israel. Neben ehrenamtlichen Übersetzungen spendete sie Honorare aus Vorträgen, Lesungen und musikalischen Darbietungen. Anfang des Jahres 2011 gründete Frau Wachendorff mit einigen Gleichgesinnten den Verein „Ein Bustan Deutschland“, um zukünftig leichter Veranstaltungen organisieren und noch mehr Spenden sammeln zu können, die das mehrfach ausgezeichnete Kindergartenprojekt dringend benötigt.

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Dieses Wort Friedrich von Schillers erhält wieder einmal Aktualität, insbesondere in Hinblick auf die Machenschaften einer bestimmten Gruppe um den Frankfurter Arzt Herr A.D.P., der seit einigen Wochen einer virtuellen Treibjagd auf Irena Wachendorff vorsteht. Ausgehend von einem Konflikt auf der Facebook-Seite des MdB Ruprecht Polenz, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses und vehementer Verfechter eines EU-Beitrittes der Türkei, um die vermeintlich-schleichende Islamisierung Europas und der gesamten „westlichen Welt“ durch genetisch-bedingt nicht integrierbare Muslimas und Muslime entwickelte sich ein wahrer Feldzug Dr. A.D.P’s., in dem er Frau Wachendorff – neben Nähe zu Hamas und der Partei „Die Linke“ – Spendenbetrug, „Kostümjudentum“ und jede erdenkliche Schlechtigkeit bis hin zum Willen der Ausrottung aller Juden und des Staates Israel vorwirft.

Was hat Frau Wachendorff getan? Anfang Oktober 2011 stellte sie im Rahmen des „Rheinischen Frauenmahles“ in ihrer Rede den bilingualen Kindergarten „Ein Bustan“ (arabisch für „eine Quelle im Garten“) vor. In diesem Kindergarten werden arabische und jüdische Kinder bilingual und interkulturell nach modifizierter Waldorfpädagogik erzogen. Verständigung beginnt bei den Jüngsten, so das Credo des Projektes, und der, dessen Sprache ich verstehe und spreche und dessen Kultur ich kenne, wird nicht länger mein Feind sein.

Nun scheint aber ebendieser Beitrag zu Frieden und Völkerverständigung im Nahen Osten eine immense Bedrohung zu sein für diejenigen, die, wie Herr Dr. A.D.P., nicht Neo- und Alt-Nazis für eine Bedrohung der Juden in Deutschland und überall auf der Welt halten, sondern Muslime. Verstärkung erhalten der Frankfurter Arzt und seine Mitstreiter/Innen aus den Reihen der Antideutschen, Neocons und deren Dunstkreis.

Unmittelbar nach der Veröffentlichung eines Videos mit der Rede Frau Wachendorffs bei youtube brach der Sturm los – zunächst in Form unflätiger Beschimpfungen, Unterstellungen, der Verein „Ein Bustan Deutschland“ existiere nicht und sei lediglich ein Zusammenschluß krimineller Subjekte, um Spendengelder zu veruntreuen. Wenig später schon begannen Dr. A.D.P’s. Adlaten, unter anderem J.N.P., deren Blog „Ahnungslosigkeit trifft Größenwahn“ sich zwar nicht durch Recherche und guten Stil, wohl aber durch Verleumdung und Beleidigung auszeichnet, die Facebook-Seite des Kindergartens mit bösartigen Kommentaren zu bedenken. Dank Screenshots-PDfs vor Gericht verwertbares Material. Auch Herr Dr. A.D.P. schritt zur Tat und veröffentlichte einen „Steckbrief“ mit dem Konterfei Irena Wachendorffs, in dem er die „Juden Deutschlands“ dazu aufrief, ihm behilflich zu sein, die nichtjüdische Herkunft der Lyrikerin zu beweisen.

Traurigster Höhepunkt allerdings war bislang der Versuch, ein Benefiz-Konzert von Musiker/Innen des WDR-Sinfonieorchesters Köln zugunsten Ein Bustans zu verhindern oder wenigstens massiv zu stören. Bei diesem Konzert, das unter dem Titel „Schubert für den Frieden“ und der Schirmherrschaft von Monika Wulf-Matthies und Rudolf Dressler, ehemaliger deutscher Botschafter in Israel, am 27.11.2011 in der evangelischen Trinitatis-Kirche in Bonn stattfand, war Polizeischutz vonnöten, um die Sicherheit der Musiker/Innen und der Besucher/Innen zu gewährleisten, nachdem diverse Drohungen eingegangen waren.

Bereits im Vorfeld hatte ein Freundin von Dr. A.D.P. aus München versucht, über eine vemeintlich wohlmeinenden Email einer „Frau von Langenhagen“ den Verantwortlichen des WDR vor den „kriminellen Machenschaften“ der Irena Wachendorff zu warnen. Dummerweise vergaß die Freundin G. P. dabei, ihren realen Namen aus dem Header der Mail zu entfernen. Nachdem diese „Warnung“ nicht fruchtete, legte Frau G.P. in Form eines Anrufes einer wohlwollenden „Frau Mahltzahn“ aus München nach. Dummerweise meldete sie sich bei Rückruf über die hinterlegte Telfonnummer wiederum mit ihrem wirklichen Namen. Sämtliche Einschüchterungsversuche fruchteten nicht. Das Konzert fand statt und geriet zum vollen Erfolg. Diese Tatsache allerdings ließ Herrn Dr. A.D.P. zu neuen Hochformen auflaufen. Mittlerweile droht er mit dem Eingreifen der „Jewish Defense League“, einer nicht nur vom FBI als terroristische Vereinigung eingestuften jüdischen Organisation.

Danke an Christiane fuer diesen Gastbeitrag.

Mehr zum Thema: Irena Wachendorf hat meine Unterstuetzung