Der Tod einer israelischen Studentin wird ausgeschlachtet

Eine israelische Studentin wird ermordet, und die sog. “Israelfreunde” von der rechtsextremen Hetzseite PI-News sind sofort hellhoerig. Nein, es interessiert sie nicht das Leid der Familie und die Tragoedie an sich – denn Mord und Totschlag ist leider allgegenwaertig in DE sowohl an Deutschen, als auch an Auslaendern -, sondern es interessiert sie, wie man diese grausame Tat gemaess ihrem Weltbild ausschlachten kann. Es koennte ja als Taeter evtl. ein ‘Moslem’ in Frage kommen. Was kann es in der PI-Parallelgesellschaft groesseres geben, als wenn ein ‘Musel’ eine israelische Juedin in Deutschland grausam ermordet?

Hier sind die Screenshots aus PI-News (Hervorhebungen von mir):

Quelle: http://www.pi-news.net/2011/12/gottingen-israelische-studentin-ermordet/

Quelle: http://www.pi-news.net/2011/12/judenhass-motiv-fur-mord-an-israel-studentin/

 

Der Journalist Matthias Heinzel vom Goettinger Tageblatt schreibt dazu treffend (Hervorhebungen von mir):

Wenige Tage nach dem Mord an einer 26-jährigen Studentin wird die Gewalttat für religiöse und rassistische Propagandazwecke missbraucht. Mehrere israelische und deutsche Internet-Medien berichten, ein Araber sei der Täter und bereits festgenommen. Nichts davon ist wahr, versichert die Göttinger Polizei.

In der Version der Medienunternehmen Arutz Sheva (Israel), Haolam.de und Eipnews lauten die Hintergründe des Mordes an der Studentin in etwa wie folgt: Die Familie des Opfers lebt in einem arabischen Dorf in Galiläa. Die Mutter der 26-Jährigen ist jedoch Jüdin, was nach jüdischer Überzeugung bedeutet, dass auch die Tochter Jüdin ist. Die Polizei vermute diesen Sachverhalt und damit nationalistisch-ideologische Motive als Anlass für den Mord und habe bereits einen Verdächtigen ermittelt – einen Bürger eines arabischen Nachbarstaates von Israel. Mittlerweile habe die Polizei auch bestätigt, dieser Tatverdächtige sei bereits festgenommen worden. Warum und mit welcher Legitimierung sich der Verdächtige in Deutschland aufgehalten habe, sei bislang noch unbekannt. Ynetnews berichtet hingegen, die Ermittler gingen davon aus, dass die 26-Jährige Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden sei.

Alles frei erfunden und erlogen, sagt Jasmin Kaatz, Sprecherin der Göttinger Polizei. Ein politisches Motiv für den Mord werde derzeit ausgeschlossen. Im übrigen sei die getötete 26-Jährige muslimischen Glaubens gewesen. Außerdem gebe es nach wie vor keine Hinweise auf ein Sexualdelikt. Wichtige Indizien im Zusammenhang mit den Ermittlungen seien die Tatsachen, dass die Wohnung nicht gewaltsam aufgebrochen worden sei und offenbar nichts gestohlen oder geraubt worden sei. Auch die Staatsanwaltschaft Göttingen schließt einen fremdenfeindlichen Hintergrund weiterhin aus.

Eine Tageblatt-Anfrage bei Arutz Sheva zur Herkunft der fraglichen Informationen blieb unbeantwortet. Der wahre Grund der Geschichte von der angeblichen Täterschaft eines Arabers ist wohl eher in dem ideologischen Hintergrund der beteiligten Medien zu suchen. Arutz Sheva beispielsweise ist ein israelisches Medien-Netzwerk, das als religiös-zionistisch und anti-arabisch orientiertes Sprachrohr der isralischen Siedlerbewegung gilt. Eine ganze Reihe verschiedener Internet-Medien, viele von ihnen dezidiert israel-freundlich, übernahmen die dortigen Informationen offenbar ohne jede Gegenrecherche.

PI-News, die sich vermutlich auch angesprochen gefuehlt haben duerften, schreiben dazu – weil passend gemacht werden muss, was nicht passt:

[…]

Quelle: http://www.pi-news.net/2011/12/gottinger-tageblatt-hetzt-gegen-israels-medien/

Die oben im Artikel von Matthias Heinzel erwaehnte Webseite Haolam.de wird von Joerg Fischer-Aharon betrieben. Joerg Fischer, der zuvor bei der NPD, DVU, und bei den LINKEN war, hat irgendwann mal herausgefunden, dass sein Grossvater Jude war. Daraufhin hat ihn das Judentum ploetzlich so fasziniert, dass er konvertieren wollte. Der homosexuelle Fischer nahm den Nachnamen seines damaligen Partners an. Das Paar hat sich schon vor einiger Zeit getrennt, den hebraeisch-klingenden Nachnamen hat er dennoch behalten. Klingt vermutlich authentischer ;-)

Ich kenne Joerg Fischer-Aharon aus vielen Diskussion in Facebook. Er ist kein gewoehnlicher “Israel-Verteidiger”, sondern ein Hardcore-Verteidiger der rechtsgerichteten Politik a la Avigdor Lieberman und der rechtsnationalen Siedlerbewegung. Juden, die sich z.B. gegen die Siedlungspolitik der jetzigen Regierung Israels stellen, und/oder sich fuer ein friedliches Zusammenleben mit den Palaestinensern einsetzen, sind nicht seine Welt. Daher hatte ich den Eindruck, als ob Joerg Fischer-Aharon seine rechte Gesinnung nie so richtig abgelegt, sondern sich nur auf ein anderes Feindbild konzentriert hat: Die Palaestinenser, und ihre Sympathisanten.

Bei der ‘Bestaendigkeit’ von Herrn Fischer-Aharon ist es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis er sich vom Judentum losloest, und Mitglied der Hamas wird…Joerg Fischer-Mustapha vielleicht? ;-)

Hier ist ein guter Artikel ueber Haolam.de und Joerg Fischer-Aharon.

Lesetipp:

Nachtrag 28.12.2011:
Ich habe folgende Email bekommen:

In Ihren Artike ist meine Foto angezeigt und nicht die Foto von Oshrit Hamza.

1) Ich bitte um eine SOFORTIGE ENTFERNUNG meines Fotos.
2) Ich bitte um einen entschuldigenden Artikel, wo es angesagt wird dass ich nicht tot bin und dass das Foto falsch angezeigt wurde.
3) Wo haben Sie mein Foto gefunden? Ist die Foto in andere Zeitungen? Internet Webseiten?

Der Screenshot samt dem Foto der jungen Dame stammt von PI-News (Der Link ist unter dem Screenshot angegeben). Es scheint, als ob PI-News in der Aufregung nicht einmal gecheckt hat, woher das Foto stammt. Bei den Fake-Artikeln, schlampiger Recherche und Uebernahme von dubiosen Artikeln in der Vergangenheit waere auch dieser Fall keine Seltenheit. Inzwischen hat PI-News das Foto aus ihrem Artikel entfernt. Ich habe das Foto der jungen Dame in dem Screenshot gelassen, um auf den Original-Artikel hinzuweisen, habe es aber unkenntlich gemacht. Die Arbeitsmethoden von PI-News sollen hiermit wieder einmal vor Augen gefuehrt werden.