Schweigen gegen das Schweigen

Gestern wurde geschwiegen. In mehreren Staedten – bundesweit. Mit einem sog. Flashmob wollten die Schweigenden ein Zeichen gegen rechtsextreme Gewalt setzen, und der schweigenden Mehrheit die Augen ueber den Alltagsrassismus oeffnen.

Gegen 13 Uhr ist es so ruhig wie fast nie am Bahnhofsvorplatz der Rheinmetropole Köln. Eine bedrückende Stille erhebt sich über den stark frequentierten Platz. Passanten bleiben stehen und beobachten die vielen Menschen, wie sie schweigend mit Plakaten und Rosen auf den Domtreppen stehen und anschließend Rosen und Plakate auf dem Boden ablegen.

Kaum ein Auge bleibt heute trocken. Man merkt, wie tief der Schock über die grausamen Taten den Menschen in den Gliedern steckt. Spontan schließen sich Passanten an, Touristen fragen „what is going on?“ – und sind entsetzt als sie den Grund für die Traueraktion erfahren. Viele Familien sind da. Aber auch junge und alte Menschen mit unterschiedlichsten Lebensbiografien und in unterschiedlichen Lebenssituationen. Sie alle zeigen in diesem Moment Bestürzung und Trauer. Manche beten, andere diskutieren leise mit Freunden. Der erlebten Gewalt wollen sie „nicht mit Gegengewalt sondern [mit] Liebe begegnen“, heißt es in dem Aufruf zu der Aktion Internet.

Wie auch in 15 anderen Städten haben sich am Samstag in Köln Menschen versammelt, um der Opfer der rechtsterroristischen Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) zu gedenken. Viele der etwa einhundert Teilnehmer führten neben Schildern mit dem Namen der Opfer auch weiße und rote Rosen mit sich. Während die weißen Rosen für Frieden stehen und an die Widerstandsgruppe um Hans und Sophie Scholl im Nationalsozialismus erinnern sollen, sind die roten Rosen als Ausdruck der Trauer zu gedacht. Auch nach dem rechten Terroranschlag bekundeten norwegische Bürger so, vor etwa vier Monaten, ihre Trauer um die Opfer des rechten Attentäters Anders Behring Breivik.

Schweigen gegen das Schweigen

Die Teilnehmer schweigen nicht nur um „der Opfer des rechten Terrors [zu] gedenken“, sondern auch, damit „die schweigende Mehrheit endlich ihre Augen öffnet und in den Spiegel sieht.“ Schließlich solle auch eine Auseinandersetzung mit Alltagsrassismen angestoßen werden. Bezeichnungen, wie „Dönermorde“ offenbarten schließlich „wie sehr ein alltäglicher Rassismus in den Köpfen der gesamten Gesellschaft“ vorherrsche. Konträr hierzu wollen die so genannten „Silentmobs“ ein Zeichen setzen für Respekt und Demokratie – kurz: für ein friedliches Zusammenleben. Dazu gehöre es auch sich solidarisch mit den Angehörigen der Opfer zu zeigen. „Wir schweigen, damit Du Dein Schweigen brichst!“, appellieren die Organisatoren an die Gesellschaft.

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