Online-Studie zum Rechtspopulismus

Sie sind vorwiegend jung, rechtsgesinnt und männlich – und sie eint das Feindbild Islam: Britische Forscher haben für eine großangelegte Online-Studie mehr als 10.000 Anhänger rechter Gruppierungen quer durch Europa befragt. Ihre Teilnehmer suchten und fanden sie mit Hilfe des sozialen Netzwerks Facebook – über die Fanseiten der jeweiligen Gruppen.[…]

[….]Schon der Pool an potentiellen Teilnehmern war erschreckend groß: Zusammen kamen die untersuchten Bewegungen auf gut 440.000 Facebook-Anhänger – knapp eine halbe Million nationalistisch Gesinnte, verteilt auf halb Europa. 12.000 Bögen wurden am Ende beantwortet, die meisten davon brauchbar für die Auswertung.

Die einzelnen Gruppierungen unterscheiden sich zum Teil stark: Unter ihnen sind etablierte Parteien wie Frankreichs Front National, dem gegenüber stehen Bewegungen wie die britische English Defence League, deren Straßenproteste nur wenige hundert Leute anziehen. Doch in der Auswertung wurden Gemeinsamkeiten und Muster sichtbar:

  • Demnach sind Facebook-Unterstützer der rechtspopulistischen Parteien vor allem junge Männer: 63 Prozent sind laut Studie unter 30 Jahre alt, drei Viertel der Anhänger männlich.
  • Bei keiner der untersuchten Gruppen war der Frauenanteil höher als 36 Prozent. Allerdings, so legt die Studie nahe, zeigten Frauen, die mit Rechten sympathisieren, eine erhöhte Bereitschaft, ihre Gesinnung auch außerhalb der Netzwerke zu festigen – etwa in der Wahlkabine oder mit einer aktiven Mitgliedschaft.
  • Über zwei Drittel gaben an, sie hätten zuletzt eine rechte Partei gewählt.
  • Die braunen Facebook-Nutzer eint eine stark ablehnende, teilweise sogar hasserfüllte Haltung gegenüber Einwanderern und Multikulturalismus – immer wieder wurden der angebliche Verlust von nationalen Werten und das “Zerstören der Landeskultur” angeführt. “Ausländer erobern unser Land”, schreibt etwa ein Anhänger der Dänischen Peoples Party. “Sie haben so viele Kinder, und sie erziehen sie furchtbar.”
  • Das Feindbild Islam ist laut Studie umso stärker ausgeprägt, je jünger ein Studienteilnehmer ist. Während rechte Parteien früher auf Antisemitismus gesetzt hätten, sei heute “Islamhass der verbindende Faktor”, kommentierte Thomas Klau vom European Council on Foreign Relations im “Guardian” – Tendenz steigend.
  • Ökonomische Faktoren, wie etwa die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust, spielten bei den Beweggründen hingegen eine untergeordnete Rolle, schreiben die Studienmacher. 14 Prozent der Befragten gaben an, arbeitslos zu sein; 30 Prozent zählten sich zu Studenten.
  • Mit den gewählten Volksvertretern können die meisten Anhänger der Rechten nichts anfangen: Nur 14 Prozent sagten, sie vertrauten den Institutionen der EU, 20 Prozent bringen ihrer jeweiligen Landesregierung Vertrauen entgegen. In vergleichbaren Umfragen unter der europäischen Gesamtbevölkerung ist der jeweilige Vertrauensvorschuss deutlich höher. “Für die meisten Rechtsgesinnten ist die EU weit weg, ineffizient und eine Geldverschwendung”, sagt Studienleiter Bartlett.
  • Zwei Drittel der Befragten glaubten nicht daran, dass die aktuelle Politik ihre Probleme angehe. Am unzufriedensten mit den gewählten Volksvertretern waren dabei die Anhänger der Rechts-Truppe “Die Freiheit” um den Berliner René Stadtkewitz.
  • Ein Viertel betrachtete Gewalt als akzeptabel, wenn es “dem Ergebnis diene”. Die Autoren weisen in ihrer Studie aber darauf hin, dass man daraus nicht automatisch schließen könne, diese Menschen seien selbst gewaltbereit.

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Den vollstaendigen Artikel ueber die Braunen Pappkameraden koennt ihr hier lesen.