Es ist keine fleischgefuellte Teigtasche zu Tode gekommen

Einige Zeitschriften/Magazine zeigen Einsicht bezuegl. der herablassenden Berichterstattung ueber die sog. “Doener-Morde”:

[…]Die Gewalttaten sind dringender Anlass, die Frage zu stellen, wie rassistisch unsere Gesellschaft ist – im alltäglichen Leben. Denn es ist Alltag in Deutschland, dass Job-Bewerber mit nicht-deutschen Namen aussortiert werden. Es ist Alltag, dass Vermieter ihre Wohnungen gerne mit einer “rein deutschen Nachbarschaft” anpreisen und gar offen sagen, dass sie keine “Ausländer” haben wollen. Diese Liste ließe sich noch lange fortführen.

Erst vor kurzem feierte Deutschland mit viel Tamtam das 50-jährige Jubiläum des Anwerbeabkommens mit der Türkei. Nachdem wenig später das Jenaer Rechtsextremisten-Trio entdeckt wurde, machte schnell wieder der völlig unangemessene Begriff der “Döner-Morde” die Runde. Er ist längst Teil der Alltagssprache, wurde von etlichen Medien kritiklos übernommen, auch von ZEIT ONLINE. Dabei hätte vielleicht schon ein kurzes Nachdenken zu der Erkenntnis geführt, dass durch die Attentate keine fleischgefüllten Teigtaschen zu Tode gekommen sind, sondern niemand anderes als Bürger dieses Landes. Es gilt, sie endlich als solche anzuerkennen, uneingeschränkt.[…] (DIE ZEIT)

[…]Der Begriff “Döner-Morde” ist ein trauriger Beweis für den latenten Rassismus der deutschen Gesellschaft – auf drei Ebenen. Zunächst bedeuten “Döner-Morde” eine herablassende Gleichsetzung und Entmenschlichung: Die Opfer werden allesamt zum “Döner” gemacht, als hätten sie keine Namen, als hätten sie keine Berufe. Man stelle sich eine ähnliche Mordserie mit vornehmlich italienischen Opfern vor – würden wir sie dann “Spaghetti-Morde” nennen? Und welch Aufschrei ginge durch Politik und Presse, würden in der Türkei serienmäßig deutsche Staatsbürger ermordet und man spräche dort von “Kartoffel-” oder “Sauerkraut-Morden”? Kaum auszudenken.[…] (Der Spiegel)

[…]Weshalb habe ich nicht bemerkt, dass niemand auch nur auf die Idee kam, öffentlich rechtsextremistische Gründe hinter den Morden zu vermuten? Weshalb haben andere, auch ausländisch-stämmige, Autoren nicht gegen Schlagzeilen wie „Döner-Morde“ angeschrieben? Sarrazin und seine Käufer waren zur Stelle, als es galt, Transferleistungsgenießer und Gemüsehändler zu diffamieren. Doch wo waren wir, Deutsche wie ich, die eine Sensibilität dafür haben könnten? Zu beschäftigt damit, integriert zu sein, nicht den nölenden (Ex-)Ausländer zu geben, der sich der von Kristina Schröder so beklagten Deutschenfeindlichkeit schuldig macht? (Frankfurter Rundschau)

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