Durch Sprache symbolisch ausgebuergert

Ein guter Kommentar im Tagesspiegel:

[…]Was da geschieht, ist eine symbolische Ausbürgerung. Die „Döner“-Toten gehören nicht „zu uns“. Sie sind die Anderen, die Fremden. Und hinter diesem behaupteten Fremdsein wird  alles unwichtig, was die Toten voneinander unterscheidet. Ein ermordeter Grieche ist so fremd wie die ermordeten Türken, der Blumenhändler, der Internetcafé-Betreiber, der Schneider, der Gemüsehändler: Döner oder nicht, ist eh alles Döner.

Dass dies nach so vielen Tagen endlich aufgefallen ist, ist wieder einmal dem Zentralrat der Juden in Deutschland zu verdanken. Schließlich haben Deutschlands Juden ihre eigenen Erfahrungen mit symbolischen Ausgrenzungen gemacht, die dann nicht im Serien-, sondern im Massenmord endeten. Und es ist ihren Repräsentanten, hier dem Vorsitzenden Dieter Graumann, zu danken, dass sie auch für die heutigen Opfer von Ausgrenzung immer wieder Stellung beziehen – wobei die der Juden ja nicht aufgehört hat. Und sie tun es meist früher als die übrige sogenannte Mehrheitsgesellschaft.[…]

Auch in der FAZ setzt man sich kritisch mit der Sprache, die Ausgrenzung erst moeglich macht, auseinander:

[…]Wie Verdrängung funktionieren kann, konnte man Mitte dieser Woche auch im Deutschlandfunk erleben. Der türkischstämmige Schriftsteller Zafer Senocak wurde dort morgens zu den jüngsten Ereignissen interviewt. Die Sprache sei etwas sehr Verräterisches, sagte er und kritisierte ganz richtig, dass in den Medien noch immer von „Döner-Morden“ die Rede sei. Das sei nicht nur eine Ohrfeige für die Angehörigen der Opfer, sondern für alle Deutschtürken. Dann sagte er kluge Sätze über ein mögliches NPD-Verbot und über rechte Gewalt. Der Moderator aber wollte plötzlich lieber etwas zum Thema Zwangsheirat hören: Das sei ja schließlich auch ein Teil der Gegenwart. Doch ändert das etwas an den anderen Tatsachen?[…]