Das Gespenst des Islam

„Ein Gespenst geht um in Europa: das Gespenst des Islam“: Dieses Zitat stammt aus dem neuen Buch „Himmelsreise“ der Sozialwissenschaftlerin Necla Kelek.

Dass dieses „Gespenst“ inzwischen hohe Aufmerksamkeit genießt, das war jetzt am Dienstag im Villinger Franziskaner Kulturzentrum zu sehen, wo sich bei Keleks Auftritt im Rahmen der neuen Veranstaltungsreihe „Autor im Gespräch“ an die 120 Zuhörer einfanden.

Kein Wunder: Gerade erst wurde das 50. Jubliäum des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens gefeiert, mit dem die türkische Einwanderung in die Bundesrepublik begann. Doch bist heute ist die mangelnde Integration vieler Muslime in Deutschland ein Problem. Dieses wird inzwischen offen diskutiert, auch in der Mitte und im linken Spektrum der bürgerlichen Gesellschaft.

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Wenn man solche Artikel liest, dann koennte man meinen, dass bereits vor 50 Jahren geplant wurde, Deutschland zu ‘islamisieren’: Man hat die Bundesrepublik getaeuscht, und die Muslime als Gastarbeiter getarnt nach Deutschland eingeschleust. Es ist interessant, wie man in dem obigen Artikel die Kurve von den tuerkischen Gastarbeitern, die vor 50 Jahren deutschen Boden betreten haben, zu den ‘Muslimen’ gekriegt hat. Erstaunlich ist, dass ‘damals’ niemand von den ‘Muslimen’ sprach, sondern von ‘billigen Arbeitskraeften’. Die Religion spielte keine Rolle.

Wo war das ‘Gespenst’ des Islam in den 60ern, 70ern, als die Muslime noch in ihren Hinterhofmoscheen beteten? Als die heutige ‘Mehrheitsgesellschaft’ nicht mit den vom Grundgesetz garantierten Forderungen ‘bedraengt’ wurde, angemessene Staetten der Religionsausuebung zu bauen, und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben – mit allen Rechten und Pflichten?

Vieles hat sich in den letzten 50 Jahren geaendert. Einiges nicht. Zum Beispiel die Namensgebung fuer ‘das Fremde’: Gastarbeiter, Kuemmeltuerken, Auslaender, auslaendische Mitbuerger, Menschen mit Migrationshintergrund. Heute werden die meisten dieser Menschen als ein Einheitsbrei – Muslime – klassifiziert. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Menschen Muslime sein moechten, ob sie nicht praktizieren, oder sich total vom Glauben abgewandt haben.

Mit dieser Verallgemeinerung kann man dann besser argumentieren, dass eigentlich deren Religion – der Islam – die Wurzel allen Uebels ist, und nicht Traditionen und soziale Probleme. Wenn man die gleichen Standards z.B. in den USA anwenden, und alle Lateinamerikaner unter ‘Katholiken’ zusammenfassen wuerde, dann waere die katholische Konfession das Grundproblem. Denn die meisten Probleme hat man dort mit den mexikanischen Einwanderern.

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