Ich will kein Rechter mehr sein

Der Rechtsaussen des deutschen Feuilletons, Lorenz Jaeger, moechte nicht mehr Rechts sein. Die Frankfurter Rundschau schreibt:

[…]Nun ist ihm das rechte Milieu, von dem er sich allzu gern ans Herz drücken ließ, aber wohl zu schmuddelig geworden. Das Feuilleton der FAZ gewährt ihm den Platz für eine demonstrative Austrittserklärung aus rechten Gesinnungsmitgliedschaften. „Nein, ich bin nicht mehr dabei, please count me out.“ Ein bisschen Wehmut scheint aber mit von der Partie zu sein. „Es war eine schöne Zeit, diese vergangenen zehn Jahre unter Rechten, ich gestehe es. Vor allem aber war sie bequem. Allein schon gegen den Stachel der Political Correctness zu löcken konnte für den Journalisten die halbe Miete zu bedeuten.“ Jäger, so kann man daraus schließen, hat den Rechtsintellektuellen gewissermaßen als verdeckter Ermittler gegeben.[…]

In der Printausgabe der FAZ, die noch nicht online verfuegbar ist, erklaerte sich zuvor Lorenz Jaeger selber zum Gutmenschen. Er schrieb u.a.:

[…]Mir leuchtet die ganze Richtung nicht mehr ein. Ich verstehe nicht, warum der Konservative, zum Beispiel, den menschengemachten Klimawandel für Panikmache von Gutmenschen und die Umweltauflagen gegenüber der Industrie für eine sozialistische Erfindung halten muss. Warum das Bekenntnis zu Atomkraftwerken den rechten Rechten ausmachen soll. Ich verstehe auch nicht, was an Barack Obamas Reform der Krankenversicherung so übel sein sollte – wenn man den einen wirklich problematischen Punkt der staatlichen Abtreibungsfinanzierung einmal ausnimmt.[…]

Ueber die sog. ‘Islamkritik’:

[…]Vor allem will ich nicht verstehen dass ‘lslamkritik‘ in allen Spielarten, bis hinunter zur offenen Demagogie, fast das einzige Prunk- und Ehrenzeichen konservativer Politik geworden ist. Natürlich verstehe ich es doch. Denn es scheint die einzige Chance neuer rechter, populistischer Parteien und Bewegungen in Europa zu sein, mit diesem Thema einen Wahlerfolg zu landen. Das hat nicht funktioniert – die Partei ‚Die Freiheit’ von René Stadtkewitz kam bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus gerade einmal auf ein Prozent. Die ähnlich ausgerichtete Konkurrenz ‚Pro Deutschland’ erreichte 1,2 Prozent. Aber nicht der Nüsserfolg auf FDP-Niveau ist das Entscheidende, sondern die Sache selbst. Diese Sache ist der Pseudokonservativismus, den man auch Neokonservativismus nennen kann. Einerseits ist man superpatriotisch, andererseits weltpolitisch-missionarisch.[…]

Ueber Geert Wilders:

[…]Aus den Niederlanden kommen die praktischen Rezepte des Populismus. Geert Wilders, der Mann mit dem echt blondierten Haar, ist das Idol von Stadtkewitz; so wie dieser glaubte der Berliner triumphieren zu können… Wilders war es, der den Islam – nicht den Islamismus! – mit Faschismus und Kommunismus gleichsetzte, der ein Verbot des Korans forderte, analog zum Verbot von Hitlers ‚Mein Kampf’.[…]

Ueber die Hetzer von PI-News:

[…]Am unteren Ende des Niveaus stehen die Blogger von ‘Politically Incorrect’, einer hauptsächlich islamkritischen Internetseite. Wenn sie sich schon im Titel ‚proisraelisch’ und ‚proamerikanisch’ nennen, dann bedeutet das nur: Sie klinken sich in Strategien ein, an deren Planung und Formulierung sie keinen Anteil haben. Sie sind so etwas wie eingeborene Hilfstruppen, Askaris, Fremdenlegionäre. Sie beziehen ihre Ideologie aus zweiter Hand – und setzen ihren ganzen Stolz darein. Insofern sind sie wirklich so dumpf und stumpf, wie man es von der Rechten immer behauptet hat. Der eigentliche Witz dabei ist, dass ‚PI’ vorgibt, eine Haltung jenseits des ‚Mainstreams’ einzunehmen – just in dem Augenblick, da ein ehemaliger Verteidigungsminister der Bundesrepublik beim ‚Center for Strategic and International Studies’ in Washingten anheuert.[…]

Auch die TAZ kommentierte die Wandlung von Lorenz Jaeger.

Nachtrag, 13.10.2011: Der Artikel von Lorenz Jaeger ist online.