Broders ‘Ruf zum Islam’

Dass Henryk M. Broder nach Norwegen nichts dazu gelernt hat, und populistisch mit seinen Halbwahrheiten und Verzerrungen so weitermacht wie immer, war zu erwarten. Er schreibt u.a.:

[…]Eine islamische Organisation in Dänemark, die sich “Ruf zum Islam” nennt, hat die Einführung von “Scharia-Zonen” in von Muslimen bewohnten Gebieten des Landes gefordert. Zuerst in Tingbjerk, einem Vorort von Kopenhagen, dann in Nörrebro, mitten in der Hauptstadt, und später in weiteren Vierteln mit muslimischer Bevölkerung. In diesen Enklaven sollte eine Art “Moralpolizei” rund um die Uhr darauf achten, dass kein Alkohol konsumiert wird, keine Glücksspiele stattfinden und Diskotheken nicht besucht werden.[…] (Quelle)

Natuerlich erwaehnt er – ich gehe davon aus, dass es mit Absicht geschieht – die folgende Kleinigkeit nicht (Hervorhebungen von mir):

[…]Dieses islamische Recht, dass u. a. Alkohol und Musik verbietet und, nach der Interpretation etlicher Muslime, Frauen zum Kopftuchtragen zwingt, soll jetzt nach den Vorstellungen einer kleinen, von England inspirierten salafistischen Gruppe, die sich „Ruf zum Islam“ nennt, auch in Teilen des hiesigen Königreichs eingeführt werden.
Hier ist Dänemark. Hier gelten dänische Gesetze. Hier gibt es Gleichberechtigung, Rechtsstaatlichkeit, Homo-Ehen und Frauen, die arbeiten. Daran kann und darf keinen Deut gerüttelt werden. Die allermeisten Muslime, die hier leben, sind sich darüber im Klaren und lehnen die Ideen dieser extremistischen Gruppe ab. Das ist richtig und gut so.[…] (Quelle)

Herr Broder, fordern darf jeder alles. Auch die Extremsten der Gesellschaft. Das ist in einem Rechtsstaat so. Die Frage ist, ob es im gesetzlichen Rahmen geschieht, und wieviel Rueckhalt man in der Bevoelkerung hat. Ein Beispiel: Die NPD fordert die Rueckfuehrung der ‘Auslaender’ in ihre ‘Heimatlaender’. Sie haben sogar einen Auslaenderrueckfuehrungsbeauftragten (Thilo Sarrazin wurde fuer dieses Amt von der NPD hofiert), und stellen in ihren Werbekampagnen sogar Fake-OneWay-Flugtickets aus. Was soll ich nun daraus schliessen? Dass eine rechtsradikale Gruppe, die sich im unteren Prozentbereich in der deutschen Parteienlandschaft bewegt, und vom Verfassungsschutz beobachtet wird, fuer die gesamte deutsche Gesellschaft spricht, diese sozusagen repraesentiert?

Genau das machen Sie mit Ihren pauschalisierenden Aussagen. Sie wollen den Menschen Angst machen, eine Gefahr  herbeibeschwoeren, die es so akut nicht gibt, unter dem Motto “Seht her, die Muselmanen fordern und fordern und fordern, und wenn wir uns heute nicht dagegen wehren, dann haben wir morgen iranische Verhaeltnisse in Europa”.

Laecherlich.

Unter den Muslimen sind die Salafisten eine sehr sehr kleine Minderheit, und auch unbeliebt. Die ueberwiegende Mehrheit der Muslime wehrt sich gegen deren Einfluss, und tut es wahrscheinlich sogar mehr als Sie. Aus einem einfachen Grund: Weil sie unter ihnen, und den negativen Schlagzeilen mehr leiden, als Sie es tun.

Und mit Ihren pauschalisierenden, populistischen Beitraegen tragen Sie genau zu dieser Stimmung, Stigmatisierung aller Muslime bei. Hinterher wundern Sie sich, dass ein Anders Breivik handelt, und mit Waffengewalt diese angebliche Gefahr stoppen moechte – und lehnen dann jegliche Verantwortung dafuer ab…denn Sie haben ja nur geschrieben, und nicht zur Gewalt aufgerufen.

Sie scheinen Ihrer Verantwortung als oeffentliche Person nicht bewusst zu sein. Die rechten Hetzer in den Hassblogs haengen foermlich an ihren gewichtigen Lippen. So auch Anders Breivik, der sich u.a. auch von Ihnen inspiriert gefuehlt hat.

Nachtrag: Hier ist ein guter Artikel, welches die Verzerrungen von Broder aufzeigt.

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