Sarrazin, die Alibi-Migranten & die dauerbeleidigten Muslime

Zum Jahrestag von “Deutschland schafft sich ab” wollte das ZDF mit dem Autor des Buches Thilo Sarrazin eine Sendung in Kreuzberg aufnehmen. Dabei stiess er auf heftigen Widerstand von den dort Ansaessigen:

Gemaess der alten Rassisten-Regel “Lass Migranten Kritisches ueber Migranten sagen, dann kann es die Mehrheitsgesellschaft nicht mehr so anstoessig finden” stellte sich die “Alibi-Tuerkin” Guener Balci als Begleiterin von Thilo Sarrazin gerne zur Verfuegung (Wie es eine andere Alibi-Tuerkin schon bei der Buchvorstellung vor einem Jahr schon tat). Sie schrieb in DIE WELT zu den Vorkommnissen:

[…]Ich hatte mich nach Erscheinen des Buches zurückgehalten, habe bewusst kein Statement abgegeben, schlicht, weil ich zu wenig wusste. Seither hat mich “Deutschland schafft sich ab” immer wieder beschäftigt. Ich habe das Buch gelesen, habe viel mit anderen Menschen darüber diskutiert und mir alle Rezensionen, Interviews und Feuilleton-Korrespondenzen über Thilo Sarrazin und sein Buch zu Gemüte geführt. Doch eines habe ich in der öffentlichen Auseinandersetzung vermisst: den Kontakt zur Basis. Was mich interessierte, war eine Begegnung Thilo Sarrazins mit den Menschen, um die es geht, wenn von gescheiterter Integration die Rede ist. Deshalb habe ich ihn eingeladen, mit mir einen kleinen Rundgang durch Kreuzberg zu machen.

Einseitige Bilder von Menschen und Vorurteile lassen sich nur abbauen, wenn man sich trifft und miteinander redet. Man darf sich streiten und auch laut werden, man darf seine Befürchtungen und Vorwürfe äußern und seinen Vorurteilen Luft machen. Doch wenn man als Individuum wahrgenommen werden möchte, man sich falsch dargestellt fühlt oder sich einfach mehr Akzeptanz und Toleranz wünscht, dann muss man in den Dialog, es gibt keine Alternative für ein friedliches Miteinander.[…]

Wie soll Kommunikation moeglich sein, wenn sich der Autor bisher keinen Millimeter von seinen Aussagen distanziert hat, und auf jede Kritik mit “Sie haben mein Buch nicht gelesen..” reagiert? Es ist fuer mich durchaus verstaendlich, dass die Betroffenen emotional reagieren. Waehrend Sarrazin seine Taler zaehlt, sind es die “Migranten”, die von der Mehrheitsgesellschaft skeptischer betrachtet werden. Weitere Vorurteile wurden durch Herrn Sarrazin salonfaehig gemacht. Selbst die NPD hat sich bei ihm quasi bedankt.

Nun wurde – ebenfalls in DIE WELT – auch Thilo Sarrazin die Moeglichkeit gegeben, sich ueber den Spaziergang in Kreuzberg zu aeussern. Und genau zu den emotionalen Reaktionen der Betroffenen nimmt Sarrazin – mit Bezug auf eine ander “Alibi-Migrantin” – u.a. Stellung:

[…]Über diese Tendenz bei Vertretern muslimischer Migranten, auf unbequeme Tatsachen beleidigt zu reagieren, und den Versuch, bei denen Schuldgefühle zu wecken, die unangenehme Tatsachen aussprechen, unterhielt ich mich bei einem gemeinsamen Aufenthalt in Istanbul im September 2010 mit Necla Kelek. Sie beruhigte mich, das müsse ich nicht so ernst nehmen.

Die Tendenz, beleidigt zu reagieren, und der Versuch, beim Gegenüber Schuldgefühle zu wecken, seien in der orientalischen Mentalität und dem islamischen Glauben tief verankert. Das sei eine gezielte Strategie, um in einer Diskussion Vorteile zu gewinnen. Ich wunderte mich ein wenig über diese robuste Antwort. Aber sie passte zu dem, was schon Walter Laqueur über das ewige Beleidigtsein der Araber in Frankreich geschrieben hatte.[…]

Auch ein zufaellig anwesender “Pole”, der Sarrazin recht gibt, muss als Beweis fuer die Richtigkeit seiner Thesen herhalten. Und wie immer gefaellt sich Thilo in der Opferrolle, der NUR ein Buch geschrieben haben soll, den entweder die Menschen nicht gelesen, oder nicht verstanden haben:

[…]Ein verdienter ehemaliger Berliner Senator, der sich nichts hat zuschulden kommen lassen, außer ein Buch mit unwillkommenen Zahlen und deren Analyse zu schreiben, wird aus einem zentralen Berliner Stadtteil, der nach eigenem Selbstverständnis die Speerspitze der Integration in Deutschland darstellt, förmlich herausgemobbt.

Wehe uns, wenn, wie viele hoffen, Kreuzberger Zustände die Werkstatt des künftigen Deutschland sind.[…]