Geert Wilders ist ein Antisemit

Ein hervorragender Artikel von Alan Posener auf Starke-Meinungen:

Am 28. Juni stimmte das holländische Parlament für ein Verbot des rituellen Schächtens. Binyomin Jacobs, Oberrabbiner der Niederlande, verglich den Beschluss des Parlaments mit der antisemitischen Gesetzgebung der Nazis: „Eine der ersten Maßnahmen nach der Besatzung war die Schließung koscherer Schlachthöfe“, sagte Jacobs.

Pinchas Goldschmidt, Präsident der Konferenz europäischer Rabbiner, meinte, Holland habe damit „Jahrhunderte des Liberalismus, der Menschenrechte, der Offenheit und Toleranz gegenüber Juden weggeworfen“. Juden seien „in den Niederlanden nicht mehr willkommen“.

Recht haben die Rabbiner. Ich persönlich finde das Schächten abscheulich, hauptsächlich, weil ich meine Steaks blutig mag; aber wenn die Torah nun einmal vorschreibt, dass nur geschächtetes Fleisch koscher ist, dann ist das ein Problem der gesetzestreuen Juden, nicht der Nichtjuden. Das holländische Parlament hat ein eindeutig antisemitisches Gesetz verabschiedet.

Das Interessante daran ist, dass auch Geert Wilders und seine „Freiheitspartei“ für das Verbot gestimmt haben. Wilders hat das natürlich getan, weil das Verbot nicht nur die 40.000 Juden betrifft, die heute in den Niederlanden wohnen, sondern auch die eine Million Muslime. Wilders versteht ja „Freiheit“ nicht als Freiheit der Andersdenkenden (der Juden und Muslime etwa), sondern – ganz im Geist der holländischen antikatholischen Bilderstürmer des 16. Jahrhunderts – als Freiheit von den Andersdenkenden und ihren Zumutungen.

Ich habe immer wieder gesagt – zum Beispiel hier: http://starke-meinungen.de/blog/2010/10/26/warum-juden-nicht-das-geschaft-der-rassisten-besorgen-sollten/ , dass diejenigen Juden, die in Geert Wilders und seinesgleichen wegen deren Gegnerschaft zum Islam und deren angeblicher Liebe zu Israel einen Freund oder wenigstens Verbündeten erblicken, sich furchtbar irren.

Wer glaubt, den Tiger reiten zu können, wird früher oder später von ihm gefressen. Wilders hat mit seiner Unterstützung für dieses antisemitische Gesetz nun früher, als ich es erwartet habe, mir Recht gegeben. Mir ist allerdings nicht bekannt, dass auf irgendeiner der einschlägig bekannten Websites, die hierzulande Wilders als einen Verteidiger des Westens gefeiert haben, sein Verhalten in Sachen Schächtungsverbot kritisiert hätte.

Freunde, hier seid ihr gefordert!

Was übrigens Wilders’ angebliche Israel-Freundschaft betrifft: Er unterstützt die „Hatikva“-Partei, eine Gruppierung der radikalen nichtreligiösen israelischen Rechten, die für die ethnische Säuberung der Länder „zwischen dem Jordan und dem Meer“ von allen Gojim, also Nichtjuden, eintritt, womit „alle Probleme Israels zu lösen“ seien. Die Unterstützung einer Partei, deren Losungen von über 90 Prozent der Israelis für gefährlichen Irrsinn gehalten werden, kann kaum als Unterstützung Israels ausgelegt werden. Im Gegenteil: der Versuch, eine solche rassistische – also zutiefst unjüdische – Politik umzusetzen, würde zweifellos zur Zerstörung des jüdischen Staats führen. So erweist sich Wilders auch hier in der Praxis als Antisemit. Es ist Zeit, dass nicht nur Europas Rabbiner, sondern auch jene nichtreligiösen europäischen Juden, die bisher diesem gefährlichen Irren die Stange gehalten haben, endlich klare Worte der Verurteilung finden. Noch einmal, Freunde: Ihr seid gefordert!

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