Entschuldigung, sind Sie eine Islamistin?

Es ist nur eine kleine Anekdote, die Herr Mohagheghi aus Hannover da erzählt. Aber sie lässt tief blicken. Seine Frau – Teilnehmerin der Islamkonferenz im Bundesinnenministerium – war zu einer Podiumsdiskussion geladen. Ein Dialog zwischen den christlichen Kirchen und einer Muslimin, die sich die Völkerverständigung auf die Fahnen schreibt. Doch was steht auf dem Tagungsprogramm? Nicht Muslimin, sondern Islamistin – selbst die einladende Kirche hat die Begriffe durcheinandergebracht. Die Panne zeigt das Dilemma im ganzen Ausmaß. Wie soll ein Dialog entstehen, wenn die einfachen Vokabeln nicht klar sind? Wer Muslime mit Islamisten gleichsetzt, könnte genauso gut alle Deutschen zu Rechtsextremisten erklären.

Was sind Muslime?

Muslime sind zunächst einmal alle diejenigen, die an den Islam glauben. Unter ihnen gibt es zig Strömungen und zig Arten, die Religion zu leben – so wie im Christentum auch. Manche tragen Kopftuch, andere trinken Alkohol. In der Öffentlichkeit kam diese Vielfalt allerdings jahrzehntelang wenig zum Ausdruck. Als nach dem 11. September 2001 das Wort “Islamisten” in die Nachrichten Einzug erhielt, war es mit einem Schlag so weit verbreitet wie das Wort “Muslime” in Jahrzehnten des Miteinanders nicht.[…] (Quelle)

Wenn christliche Fundis einen Gottesstaat etablieren moechten, dann redet keiner von Christisten, Christanisten, Chirstianer. Auch bei den Juden schafft man sich einen Begriff, was nicht an das Wort “Jude” wie Judisten, Judianer oder aehnliches angelehnt ist: Die nennt man dann evtl. Zionisten (was ja eigentlich keine religioese, sondern eine politische Bewegung ist). Nur bei den Muslimen schafft man sich den “Islamisten”.

Man versucht eine Verbindung dieser Extremisten mit dem Islam herzustellen, was man bei den anderen Religionen nicht tut. Diese -ismen sind meistens negativ konnotiert, wie z.B. Terror-ist, Fasch-ist, Kommun-ist etc. Und wenn man es oft genug wiederholt hat, und dann das Wort “Islam” hoert, verbindet man im Unterbewusstsein automatisch nur alles Negative (z.B. baertige Maenner mit Maschinengewehren, unterdrueckte Frauen in Burka) mit dieser Religion. Dabei werden die anderen Facetten dieser Religion voellig ausser Acht gelassen. Hinterher versucht man dann scheinheilig der Bevoelkerung zu erklaeren, dass es einen Unterschied zwischen islamisch und islamistisch gibt.

Wem kann man es veruebeln, dass er/sie diese Begriffe nicht auseinanderhalten kann?

Lesetipp: Eine Frage zur Deutschenfeindlichkeit