Der skurille Weg der Emanzipation: Fussball Ja, Kopftuch Nein

Während hierzulande Vorbereitungen getroffen werden, und alle sich auf die Frauenfussball WM, die am 26. Juni beginnt und bis zum 17. Juli dauern wird, freuen, passiert bei der FIFA selbst Eigenartiges bis Skurriles.

Im Vorfeld der WM wurde zu Recht heiß diskutiert, dass Frauenfussball weniger Ansehen genießt, als Männerfussball. Dass dabei die Bezahlung der Spielerinnen auch unterschiedlich fällt und in Relation fast an die Armutsgrenze reicht, werden die Meisten nicht überraschen.

Und während der Hype um die Frauenfussball WM aus allen Ecken anhält, die politische Elf mit Angela Merkel „alle Schichten der Gesellschaft und nahezu alle Altersgruppen anzusprechen“ versucht, die großangelegte *Gender Kicks 2011* – Kampagne der Heinrich-Böll Stiftung mit dem emanzipatorischen Ansatz aufklärt, der Özil unter den Frauen, Fatmire Bajramaj, sogar von einem kleinen Sommermärchen schwärmt, und dabei mit ihrem männlichem Pendant im Nike-Werbespot zu bewundern ist, sich der DFB-Vorstand bereits Gedanken macht, wie man nach dieser WM Frauenfussball attraktiver und populärer gestalten kann, passiert bei der FIFA selbst scheinbar gar nichts. Zumindest nichts, was zur Förderung der Gleichstellung beitragen könnte.

Denn anders ist das, was erst kürzlich bei einem Turnier in Jordanien passierte, nicht zu erklären.

Als sich die iranische Frauenmannschaft sich weigert auf dem Spielfeld ihre Kopftücher abzulegen, wird das Spiel von der FIFA 0:3 für die gegnerische Mannschaft Jordanien bewertet. Das Kopftuch verstösst gegen die Regeln der FIFA, wo Hals und Ohren freigehalten werden müssen und seit 2007 religiöse Symbole untersagt sind. Die Frage, die sich nun alle stellen, ist, ob die FIFA diese Regeln überdenken soll oder nicht. Stimmen ertönen: Das Kopftuch hat beim Fussball nichts verloren! Und Regeln müssen von allen eingehalten werden! Warum aber? Warum werden Frauen, die ein Kopftuch tragen, von einer Sportart, die männlich dominiert ist, und deswegen Frauen, die diese Sportart betreiben als emanzipiert angesehen werden, schlicht und einfach missbilligt? Wenn man bedenkt, dass der Sport für Frauen vor allem in Ländern, wie dem Iran, einer der wenigsten Selbstverwirklichungsmöglichkeiten darstellt, erscheint es mir mehr als heuchlerisch mit einem Gleichstellungsgedanken den Frauenfussball zu fördern! Die FIFA soll und muss seine Regeln überdenken! Hieraus ein Politikum zu machen ist ebenfalls fehl am Platz. Diese Frauen haben es mehr als verdient, sich in der Weltöffentlichkeit als Kämpferinnen und Sportlerinnen mit Teamgeist zu zeigen, statt nur als unterdrückte Opfer! In dem man an den Verbotsregeln beharrt, bestraft man nicht das Regime im Iran, sondern die Frauen, die mit sportlichem Ehrgeiz am Frauenfussball teilhaben wollen. Und wie viel ihnen diese Sportart bedeutet, zeigten sie mit ihrer emotionalen Reaktion auf das Spielverbot: Während die Nationalhymne spielte, saßen sie weinend auf dem Rasen und beteten.

Derweil kündigte Irans Verbandspräsident Ali Kaffashian einen Protest bei der Fifa an. Ob daraus tatsächlich eine politische Schlammschlacht auf Kosten der Frauen bzw. des Kopftuchs ausgeübt wird, wird sich zeigen. Bei dem Argument, dass die Kopfbedeckung die Bewegungsfreiheit einschränken und somit ein Hindernis darstellen würde, gibt es bereits eine Alternative: Capsters.com heißt die Seite von einer niederländischen Jungdesignerin, die sich zur Aufgabe gemacht hat, sportliche Kopftücher zu gestalten.

In der asiatischen Fussball-Konföderation ist übrigens das Kopftuch erstattet. Somit erscheint sie mir was Diversity Management und Gleichberechtigung betrifft der FIFA um Meilen voraus zu sein.

Das ist übrigens nicht das erste Mal, dass die FIFA ihren eigenen ‚Emanzipationsgedanken‘ aufzwingen will. Bei den olympischen Jugendspielen 2010 gab es wieder ein ‚Kopftuchstreit auf dem Rasen‘, der in letzter Sekunde mit einem ‚Kappen‘-Kompromiss geschlichtet werden konnte.

Vielleicht sollte die FIFA den unproblematischen und gleichberechtigten, emanzipatorischen Weg gehen und von der kleinen Schwester AFC lernen!

Wie wichtig und verbindend Fussball sein kann, zeigt übrigens der Dokumentarfilm *Football Under Cover*.

Vielen Dank an Slh Kbly fuer diesen Gastbeitrag.