Meine lieben Landsleute im Ausland…

Es ist ein haeufig benutztes Argument der sog. Islamkritiker, dass es mit der Integration der anderen Religionen/Ethnien in Deutschland keine Probleme gaebe. Man hoert nichts von Problemen mit den Japanern, Vietnamesen, Amerikanern, Koreanern etc. etc. Probleme gaebe es nur mit den Muslimen. Damit meint man hauptsaechlich die Tuerken und Araber.

Ueber welche Groessenordnungen reden wir eigentlich? Wieviele Koreaner gibt es in Deutschland? Wieviele Japaner? Unter welchen Voraussetzungen sind z.B. die Japaner nach Deutschland gekommen? Aus welchen Gesellschaftschichten? Aus welchen Gruenden wurden die tuerkischen Gastarbeiter nach Deutschland geholt?

Um die Wahrnehmung der deutschen Gesellschaft auf die verschiedenen ethnischen Gruppen aufzuzeigen, hat Martin Hyun – der Sohn koreanischer Gastarbeiter – einen hervorragenden Artikel geschrieben. Er bezieht sich auf den vor kurzem stattfindenden Besuch des suedkoreanischen Praesidenten in Deutschland:

Die geladenen Gäste waren größtenteils ehemalige koreanische Bergarbeiter und Krankenschwester. Das erste Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und Korea kam im Dezember 1963 zustande. Doch in gesellschaftlicher Erinnerung ist gerade dieses Abkommen nicht geblieben. Man erinnert sich an die Türken, an die Italiener und Spanier, doch bei den Gastarbeitern aus dem Land der Morgenstille besteht eine Gedächtnislücke.

Es sind nicht nur die vollen Sportarenen, die sich unterscheiden von einem Staatsbesuch Erdo?ans und des koreanischen Präsidenten Lee, sondern auch das mediale Interesse. Wenn ein Erdo?an seine türkischstämmigen Mitbürger auffordert, sich zu integrieren, aber nicht zu assimilieren oder das die Kinder zuerst türkisch und dann Deutsch lernen müssen, dann ist der mediale Sturm der Entrüstung groß. Vielleicht hat es seine guten Seiten, wenn man in der Gesellschaft nicht so wahrgenommen wird. Denn ähnlich wie der türkische Präsident Erdo?an sprach sich auch der koreanische Präsident Lee Myung-bak in einer Diskussionsrunde mit den ehemaligen Bergarbeitern und Krankenschwestern dafür aus, dass die koreanischen Kinder zur deutschen Sprache auch die koreanische Sprache fließend beherrschen sollten. Der Präsident beklagte, dass die meisten Koreaner der zweiten Generation die im Ausland leben kaum noch koreanisch sprechen können. Das sei ein Problem, äußerte sich der Präsident. Auch sprach sich der koreanische Präsident für eine Kräftebündelung aller im Ausland lebenden Koreaner aus, um Korea noch stärker zu machen.[…]

[…]Nachdem der Film zu Ende gezeigt war, fing der Präsident seine Rede an, die er frei und ohne Merkzettel vortrug. Er sprach sie mit „meine im Ausland lebenden Landsleute“ an, obwohl viele bereits in Deutschland heimisch geworden sind. Der Präsident sprach davon, dass er zur Zeit des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und Korea, Student der Korea-Universität war.[…] (Quelle)

In Polen zum Beispiel hat man eher Integrationsproblem mit den Vietnamesen und in den USA eher mit den Mexikanern. In den USA gehoeren die tuerkischen Einwanderer zu den gut Integrierten, und zaehlen sich zu der Mittel- und Oberschicht, weil eher qualifizierte Menschen und Akademiker aus der mittleren und oberen Gesellschaftsschicht eingewandert sind (Als Beispiel sei hier der Vorstandsvorsitzende von Coca-Cola, Muhtar Kent (der Sohn von Necdet Kent), genannt). In Polen ist die Anzahl der tuerkischen Einwanderer kaum nennenswert, daher hoert man auch nichts von Integrationsproblemen. Die Koreaner sind die groesste Minderheiten in Japan, und auch dort gibt es gelegentliche Probleme.

Es ist selbstverstaendlich, dass eine Minderheit, die zahlenmaessig am groessten vertreten ist, mit all ihren Facetten eher wahrgenommen wird, als einige Exoten. Auch spielt, wie bereits erwaehnt, natuerlich die soziale Herkunft und Bildung eine wesentliche Rolle.

Lesetipp: Ein Stueck Deutschland in Paraguay