Doppelstandards bei Terroristen?

Einige europaeische Regierungen, die nach der Gefangennahme des kurdischen PKK Terror-Fuehrers Abdullah Öcalan die Umwandlung der verhaengten Todesstrafe in lebenslange Haft gefordert haben – die Strafumwandlung wurde als Voraussetzung fuer jeglichen kuenftigen Ausbau der Beziehungen zwischen der EU und der Tuerkei betrachtet – freuen sich heute ueber die Toetung des Al-Qaida Fuehrers Osama Bin Laden, und senden Glueckwuensche an die US-Regierung.

Mir ist bewusst, dass man die beiden Faelle nicht 1:1 vergleichen kann. Abdullah Öcalan war schon in Haft, waehrend OBL vermutlich beim Gefangennehmen getoetet wurde. Aber ich bin mir relativ sicher, dass es eine breite Zustimmung fuer die Todesstrafe von OBL gegeben haette, wenn er durch ein ordentliches US-Gericht dazu verurteilt worden waere. Keine europaeische Regierung haette im Falle der Hinrichtung von OBL den USA mit Konsequenzen gedroht. Man haette mit Verstaendnis darauf reagiert.

Mir waere es lieber gewesen, man haette den Al-Qaida Chef gefangen, und ihn vor ein ordentliches Gericht gestellt. In einem Rechtstaat hat jeder das Recht auf Verteidigung. Auch ein Osama Bin Laden. Mir ist jedoch auch bewusst, dass es nicht immer moeglich ist, gefaehrliche Terroristen lebendig zu fassen.

Ich kenne die Umstaende der Toetung von OBL nicht, und kann mir deswegen kein entgueltiges Urteil erlauben. Hat er sich z.B. verteidigt und mit seiner Kalashnikov wild um sich geschossen, so dass die US-Soldaten keine anderre Wahl hatten, als ihn zu erschiessen? Hat man ihn im Schlaf erwischt, und dann hingerichtet? Wollte man ihn ueberhaupt lebendig fassen? usw. usf.

Um nicht missverstanden zu werden: Ich fordere die Todesstrafe fuer niemanden. Weder fuer Öcalan, noch fuer Bin Laden. Schon gar nicht geht es mir darum, OBL zu verteidigen, oder seine Taten zu relativieren. Mir geht es darum, die Doppelstandards bei der Behandlung von Terroristen und Terrororganisationen aufzuzeigen.

Hier freut sich die Bundeskanzlerin ueber die Toetung:

Hier ist ein guter Kommentar von Joerg Schoenenborn: