Die Ethno-Unternehmerin Necla Kelek

Warum ärgert sich Frau Kelek so sehr, wenn Studien positive Ergebnisse zu Migration und Integration in Deutschland liefern? Liegt es vielleicht daran, dass Frau Kelek möglicherweise eine ethnische Unternehmerin ist, für die Integrationsfortschritte und Nicht-Ethnisierung von Problemen eher einen Nachteil darstellen?

Ein herrlicher Artikel von Coskun Canan aus dem Migazin:

Neulich ist in der FAZ wieder ein erfrischender Beitrag zum Thema Integration erschienen. Der Titel: „Professor Bade gibt den Anti-Sarrazin“, die Autorin: Necla Kelek. Darin geht es um Professor Klaus Bade, den Vorsitzenden des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration und seine angebliche Macht, neue Bilder zu schaffen – Bilder von Menschen mit Migrationshintergrund die nicht in das Bild anderer z.B. Necla Kelek passen.

Frau Kelek zufolge, arbeitet Herr Bade nicht wissenschaftlich, er sei Mitglied in einem einflussreichen Netzwerk, das Professoren, Doktoranden und Studenten diskriminiere. Und das alles nur, weil Herr Bade ein anderes Bild von Migration und Integration in Deutschland zeichnet als Frau Kelek selbst. Natürlich kann sie das alles nicht belegen, sie nimmt es bloß so wahr, weil Betroffene das so erzählt hätten oder weil sie die Repräsentativität der Studie des Sachverständigenrats Migrationsland 2011 anzweifelt.

Nun habe ich mich unweigerlich gefragt, warum ärgert sich Frau Kelek so sehr, wenn Studien positive Ergebnisse zu Migration und Integration in Deutschland liefern und warum sie auf solche absurde Gedanken kommt, dass ein einzelner Professor den ganzen Wissenschaftsbetrieb zum Thema Integration und Migration beherrscht und manipuliert? Der Sachverständigenrat, dem Bade vorsteht sammelt und analysiert das Wissen in Deutschland zum Thema Integration und Migration. Kelek hat keinen Zugang zu diesem Wissen – ihre Basis und ihr Erfolg ist die anekdotische Evidenz – nach dem Motto: „Neulich ging ich in Neukölln über die Straße, da kam mir eine Gruppe von Importbräuten entgegen …“

Hier nun meine „verschwörungstheoretischen“ Gedanken:Liegt es vielleicht daran, dass Frau Kelek möglicherweise eine ethnische Unternehmerin ist, für die Integrationsfortschritte und Nicht-Ethnisierung von Problemen eher einen Nachteil darstellen, weil sie sonst kein Thema mehr hätte, an dem sie sich abarbeiten könnte, was wiederum zu mangelnder Aufmerksamkeit und Anerkennung führen würde? Wäre dem so, so müsste sie als ethnische Unternehmerin ein Interesse daran haben, dass bestimmte Bilder von Menschen mit Migrationshintergrund weiterhin bestehen und in die dritte Generation getragen werden, obwohl hier die Welt ganz anders aussieht. Das würde auch erklären, warum sie Herrn Sarrazin, der offenkundig unwissenschaftlich und mit ähnlichen Bildern arbeitet, zur Seite steht.

Situative Verhaltensänderungen sind bei Frau Kelek natürlich auch möglich, nämlich immer dann, wenn sie sieht, dass an den Bildern der Anderen auch etwas Wahres dran ist. Dann nämlich kann sie die Integrationserfolge für sich beanspruchen, indem sie behauptet, sie habe schließlich die Debatten angestoßen, wodurch sie wieder mit Aufmerksamkeit und Anerkennung rechnen könnte. Und das, obwohl sich Integrationserfolge quantitativ schon vorher -unabhängig von Frau Kelek – abgezeichnet hatten und mittlerweile immer mehr zutage treten – das wäre also eine Art vonFreeridertum.

Nun ja, Herr Bade scheint ihr doch ein Dorn im Auge zu sein, da er ihre ethnischen Unternehmungen anscheinend stört und ihre anekdotische Evidenz sich in „früher-war-doch-alles-anders-Erzählungen“ verflüchtigen. Entsprechend reagiert sie missmutig. Aber ganz ehrlich: Würden wir es anders machen, wenn unsere Bilder, mit denen wir uns so sehr identifizieren und die sich jahrelang gut verkauft haben, plötzlich out wären und immer blasser würden?

PS: Die Studie des Sachverständigenrats ist repräsentativ, weil es sich um eine disproportional geschichtete Zufallsstichprobe handelt: Kleine Gruppen werden überproportional in die Stichprobe aufgenommen. Durch dieses Oversampling soll zunächst eine größere Varianz gewährleistet werden. Danach wird das Oversample durch Gewichtung so aufgehoben, dass die überproportional in die Stichprobe eingegangenen Gruppen ihren eigentlichen Anteilen in der Bevölkerung entsprechen. Diese Vorgehensweise ist in der empirischen Sozialforschung eine gängige Methode (z.B. ALLBUS), um detailliertere und aussagekräftigere Daten über kleine Gruppen zu erhalten. Aber als Soziologin müssten Sie das wissen Frau Kelek, wenn nicht, dann schlagen Sie es nach.

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