Gefangen in Deutschland

Jahrelang wurde Katja Schneidt von ihrem türkischen Freund geschlagen und gegängelt. Das Buch “Gefangen in Deutschland” ist ihre Geschichte – und der Blick in eine Parallelgesellschaft. Schneidt erklärt trotz allem, warum der Islam keine Schuld hat.

[…]Nichts liegt ihr ferner, als Öl ins Feuer der Islampolemik à la Sarrazin zu gießen: «Der Islam ist eine friedliche Religion, die die Frau in keinster Weise benachteiligt. Ich finde es unfair, etwas zur Verantwortung zu ziehen, was nichts damit zu tun hat. Was da passiert, hat nur einen Hintergrund: gelebte Tradition.» 20 Jahre ist Katja Schneidts Beziehung mit Mahmud inzwischen her, sie hat sich viel mit dem Islam beschäftigt. Davon, dass Männer ihre Frauen züchtigen dürften, stehe in der arabischen Originalfassung des Koran zum Beispiel nichts. Weil es für viele arabische Worte keine deutsche Entsprechung gibt, sind Übersetzungen Interpretationen – und da wird aus «strafen» im weitesten Sinne auch mal «züchtigen».

Warum die Übersetzungen nicht angepasst werden? Da wird die besonnene Katja Schneidt polemisch. «Das will ja eigentlich keiner hören. Der Islam ist zum Buhmann auserkoren für die nicht stattfindende Integration. Wenn sie sagen können, die Integration funktioniert nicht wegen der Religion, die die Frauen unterdrückt und dies und jenes, dann haben sie alles und jeden aus der Verantwortung genommen. Die Politiker und auch die Bürger.»

Ausländer nicht sich selbst überlassen

Ihr ist es wichtig, dass der Koran nicht radikaler ist als die Bibel. Auch dort steht, die Frau sei dem Mann untertan – doch entscheidend ist für sie, wie die Jahrtausende alten Bücher heute gelebt werden. Auch in Deutschland habe es bis ins 20. Jahrhundert hinein ein Züchtigungsrecht des Ehemanns gegeben. «Doch hier ist nach dem Krieg viel in kurzer Zeit passiert, Deutschland war in moderner Kommunikation sehr früh sehr schnell dabei. Auch in Ankara und Istanbul werden Sie kaum verschleierte Frauen sehen. Aber im Hinterland gibt es teilweise nicht mal fließendes Wasser. Große Teile des Landes sind auf einem Stand von vor 70 Jahren. Wenn die nach Deutschland kommen, kriegen sie erst mal einen Schock.»

Ihr Beitrag zur Integrationsdebatte ist klar. Die Menschen dürfen nicht sich selbst überlassen werden. Sonst sei es ganz normal, dass sie sich in eigene Viertel und alte Traditionen zurückziehen. «Und auch die Männer sind Opfer ihrer Tradition. Auch sie werden zwangsverheiratet. Man muss sie stärker rannehmen, Sprach- und Integrationskurse für alle zur Pflicht machen.»

Katja Schneidt lebt heute unter Polizeischutz und gibt monatlich 30.000 Euro für zwei private Sicherheitsleute aus, die sie rund um die Uhr bewachen. Regelmäßig fährt die Polizei zu sämtlichen Familienmitgliedern ihres Exfreundes und weist sie darauf hin, dass Frau Schneidt geschützt werde. Kontakt zu Türken hat sie weiterhin. Auch zu Männern, die sagen, sie schämten sich für ihre Landsleute. «Wenn ich die Hoffnung nicht hätte, hätte ich das Buch nicht geschrieben», sagt sie. (Quelle)

20 Jahre ist ihre Beziehung her, und sie schreibt das Buch erst jetzt? Katja Schneidt scheint einen guten Riecher zu haben, denn es ist jetzt die richtige Zeit dafuer. Auf der einen Seite liebt die westliche Bevoelkerung Buecher wie “Nicht ohne meine Tochter” von Betty Mahmoody, die aufzeigt, wie barbarisch die Orientalen und ihre Religion sind. Und auf der anderen Seite erlebt man inzwischen einen Overkill durch solche Buecher, so dass Viele genug davon haben. Der Verdacht draengt sich auf, dass Frau Schneidt noch schnell etwas dazu verdienen wollte, solange die Kartoffel noch heiss ist.

Der Untertitel des Buches “Wie mich mein tuerkischer Freund in die islamische Parallelwelt entfuehrte” ist sehr reissersich, und hoert sich auch widerspruechlich zu dem an, was sie im o.g. Beitrag sagt. Ich gehe davon es, dass es den Buchabsatz im Sarrazin-Zeitalter foerdern soll. Aber es scheint, als ob Frau Schneidt – trotz alledem, was ihr widerfahren ist – immer noch die Faehigkeit besitzt, zu differenzieren. Dafuer gebuehrt ihr ein bissl Respekt.

Wenn jemand das Buch gelesen hat, dann bitte ich um eine kurze Rezension im Kommentarbereich.