Wir sind wieder wer

Laut einer BBC-Umfrage in 27 Ländern, “darunter die USA und Russland, ist Deutschland das Land mit dem besten Image, gelten die Deutschen als ausgesprochen sympathisch”. Henryk M. Broder kann sein Glück kaum fassen, will man als Deutscher doch von jeher der Beste sein. So interpoliert er die Zahlen auf den Rest der Welt und resümiert: Wir genießen “weltweit das höchste Ansehen”. (Quelle)

Gleichwohl wären wir Deutschen nicht wir Deutschen, wären wir nicht auch die besten Selbstkritiker. So schließt sich an die überschäumende Freude sogleich die besorgte Frage an: “Haben wir das verdient?”

Klar haben wir! Weil der hässliche Deutsche auszusterben droht wie der Tasmanische Teufel. Sagt Broder. Denn früher habe “man Klappstullen am Wegesrand gegessen”, während man heute zwischen zwei Dutzend Burgern bei McDonald’s wählen könne. Habe man sich früher in die Büsche geschlagen, wisse man heute Toiletten zu bedienen. Habe man einst “hinterm Lenkrad geschwitzt oder gefroren”, so habe man endlich den Knopf für die Heizung gefunden, wenn nicht gar den der “Klimaanlage”. Alles ward gut.

Alles? Wären wir Deutsche Deutsche, wenn wir nichts zu nölen hätten? Genau! Kaum auf Wolke Sieben angelangt, beklagt Broder ob der Marginalisierung des Hässlichen den “soziokulturellen Verlust, den man nicht unterschätzen sollte”. Schon fließen Tränen der Rührung, stolperte er in ländlicher Einöde über eine Kneipe mit “deutscher Küche”, über Eisbein mit Sauerkraut. Dank klimatisierter Automobile mit Navigationssystem wird Broder auch immer seltener von Busfahrern angeraunzt, sobald er vergisst, wo er ein-, aus- oder “umsteigen” muss. Schrecklich!

Schrecklich? Zeit für die German Angst, herrjemine? Mitnichten! Denn seit dem großen Gekicke 2006 sind wir zwar “Weltmeister der Herzen”, berühmt für unsere Gastfreundschaft und Herzenswärme, unsere Lockerheit und Weltoffenheit – aber die No-go-Areas, die Islamfeinde, Kopftuchgrapscher, Moscheenzündler und Publizisten, die die Intoleranz zur Tugend erklären, sie alle bleiben uns erhalten. Gewiss habe man “die letzten Spezies einer aussterbenden Gattung zu pflegen”, aber glücklicherweise ist “an manchen Stammtischen mehr Sachverstand versammelt […] als in den Feuilletons der großen Zeitungen”. So bleibe gewährleistet, dass bei Maischberger und Illner jederzeit die modestesten Geister zum bierseeligen Worte kommen. Aber diese “Abgründe des Fernsehens” seien “Randgruppen-Formate, die im Ausland nicht beachtet werden. Und deswegen müssen wir nicht fürchten, dass unser guter Ruf Schaden nehmen könnte.”

Und so darf der Weltmeister der Herzen, Henryk M. Broder, jubilieren: “Wir sind Heidi Klum.”

Alles ward gut!

Alles?

Heidi Klum als Botschafterin Deutschlands? Okay, Sie war schon Botschafterin für McDonald’s und rettete uns vor den Klappstullen. Aber reicht das?

Reicht das, wenn Henryk M. Broder die Klum ist? Der Mann mit Vollbart und Stoppeln auf der Brust? Wie mag Frau Klum zu diesem heiklen Thema Stellung beziehen?

Frage: “In Worten – wie lautet die Botschaft Ihres Busens?”
Heidi Klum: “Er muss in den BH reinpassen. Das war’s auch schon.”
Frage: “Manchmal traurig darüber, dass Männer keinen Busen haben?”
Heidi Klum: “Der gehört da nicht hin. Einen haarigen Busen – fände ich, glaube ich, nicht so gut.” (Quelle)

Hallo! Kein Anlass zur Sorge? Schauen Sie dem Mann ins Gesicht: Glauben Sie, dass Henryk M. Broder sich regelmäßig die Brust rasiert? Oder dass sein Busen in Heidis BH passt? Mir German wird nicht nur Angst. Auch bang!

Denn kaum sind wir endlich die Besten, muss Broder ausgerechnet die Russen verschrecken, die wegen der Größe des Landes eine gewichtige Rolle in der BBC-Umfrage spielen. Schon ist jeder Fünfte verärgert, es wackelt der Thron: “Laut der SuperJob.ru-Umfrage gaben 19 Prozent der befragten Russinnen und Russen an, sie finden die Deutschen unsympathisch, weil diese “viel trinken”, “rüde” seien, “in den Bars laut brüllen” …

sowie

… ihre “unschönen Körper topless bräunen lassen”.

So nicht, lieber Henryk M. Broder. So nicht!

Vielen Dank an Claus fuer diesen Gastbeitrag. Laut eigenen Angaben ist er ein “Fachmann für Migrations- und Gossenfragen mit Neukölln-Diplom”. :)