Wie Seehofer die Verfassung ändert..

…oder..

Wir wollen doch nur spielen

Drängende Probleme sollte man bei der Wurzel packen. Deshalb muss die bayerische Verfassung geändert werden, sie passt nicht zur Leitkultur. Schuld ist, wie könnte es anders sein, der Muslim. Der werde nicht genügend gefordert, wie es am Aschermittwoch aus Passau schallte. Durch die Änderung will ein Fürst der Narren staatliche Behörden verpflichten, von Migranten Integration einzufordern. Die Lage ist ernst, der Revolver geladen: “Bis zur letzten Patrone” werde man sich gegen Zuwanderung aus fremden Kulturkreisen wehren. (Quelle)

Denn unaufhörlich droht die Nacht über das Abendland hereinzubrechen. Horst Seehofer ist nicht der Erste, der weiß, was zu tun ist. Schon vor einigen Jahrzehnten herrschte Gewissheit, wie man sich der Zuwanderung zu erwehren habe: “Die Armee muss bis zur letzten Patrone Widerstand leisten”. Bei Stalingrad ging die Sache bekanntlich in die Hose, “Sie starben, damit Deutschland lebe”, titelte der “Völkische Beobachter” am 4. Februar 1943. Einmal ist keinmal, dachte sich der GröFaZ und verkündete zwei Jahre darauf – am 9. März, kein Zufall will es – “Die Reichshauptstadt wird bis zum letzten Mann und bis zur letzten Patrone verteidigt.” Dies sollte Geschichte gewesen sein.

Und aus der darf man ja lernen, wie schon Martin Lichtmesz wusste, der gern auf rechten Online-Postillen schwadroniert: Eine Minderheit wird keine Mehrheit, selbst falls ihr viele angehören sollten. Unbesorgt kann man den Colt ziehen. Insbesondere, wenn man ihn in all den Jahren nicht benötigte. Also schrieb er in einer Kritik über das “Manifest der Vielen”: “Nach der Lektüre fühlte er sich [ein angeblicher Freund, der das Buch gelesen haben soll, bevor es im Handel war] unter Spannung wie eine geladene Waffe. Mit jedem Beitrag, den er las, war es ihm, als würde mit einem leisen Klicken eine weitere Patrone ins Magazin gedrückt.” (Quelle)

Wie man eine Verfassung ändert, will Seehofer vom ehemaligen Innenminister Rudolf Seiters lernen. Dem gelang es immerhin, das im Grundgesetz verankerte Asylrecht de facto abzuschaffen. Laut Seiters war die Lage dramatisch: “Wir müssen handeln gegen den Missbrauch des Asylrechts, der dazu geführt hat, dass wir einen unkontrollierten Zustrom in unser Land bekommen haben […]” (Quelle)

Da strömte es mal wieder. Und die Lage wurde dramatischer. Im August 1992 attackierten mehrere hundert Menschen, Anwohner und Rechtsextreme aus der ganzen Bundesrepublik, das Asylantenwohnheim in Rostock-Lichtenhagen. Zum “Widerstand gegen die Ausländerflut” war auf Flugblättern aufgerufen worden. Dann geht es, endlich, zur Sache. Mollies fliegen, Flammen schlagen aus den Fenstern. “Die johlende Masse hindert die Feuerwehr am Löschen.” Konnte sie auch, denn die Polizei griff nicht ein. Mit Gründen.

Jochen Schmidt, als Teammitglied des ZDF-Magazins “Kennzeichen D” vor Ort, berichtete: “… die Polizei hatte sich zurückgezogen, offizielle Version, bis heute: Man habe sich neu organisieren müssen, man sei zerrieben gewesen und man habe erstmal wieder die Truppe sammeln müssen. Wir haben allerdings in der Nacht damals noch mit Kennzeichen D Interviews gemacht mit Einsatzleitern von Hundertschaften, die uns bestätigt haben, das sie die ganze Nacht in der Nachbarschaft standen und zusehen mussten. Und keinen Einsatzbefehl bekamen. Auch auf Nachfrage keinen Einsatzbefehl bekamen. Man hat sie nicht angefordert, sie haben zugesehen. Warum auch immer.”

Und weiter: “Das waren ganz prominente Leute, das war der Bundesinnenminister Seiters, der extra eingeflogen kam. Das war der Ministerpräsident Seite, der damalige, das war der damalige Landesinnenminister Kupfer. Das war der Polizeichef von Rostock, Kordus, und das war der Chef des LKA. Frick. Die haben alle zusammengesessen an diesem Nachmittag und beraten, wie man denn da jetzt mit umgehen könne, dass da diese Krawalle da auf der Wiese immer heftiger werden, und in dieser Zeit werden Hundertschaften abgezogen, neue werden nicht genehmigt, Informationsstränge brechen plötzlich zusammen, dem Einsatzleiter vor Ort wird sein Beamter, der für ihn als rechte Hand fungiert, abgezogen … Jede Menge Dinge passieren dort plötzlich, genau zu dieser Zeit, als die Herren dort zusammensitzen. Und da ist die Frage schon erlaubt, ob’s denn da wohl einen Zusammenhang gibt. Es gibt viele Indizien dafür, dass es einen Zusammenhang gibt.”

Kurz darauf wurde das Grundgesetz kastriert.

Als Treppenwitz darf erachtet werden, dass die bis zur Sturmreife Belagerten Vietnamesen waren. Menschen, die man inzwischen als Premium-Integrierte vorzeigt, um sie gegen Muslime in Stellung bringen zu können. Nicht der Spielplan, die Besetzung wurde geändert.

Seehofer wird mit seinem Friedrich das Kind schon schaukeln. Schließlich sind Wahlen. Nur die NPD ist nicht zufrieden. Aber die haben immer was zu maulen: “Wirkliche Lösungsansätze gegen die grassierende Ausländerkriminalität, gegen die entstehenden Parallelgesellschaften, gegen die Einwanderung in unseren Sozialstaat, gegen die kulturelle Verdrängung der Deutschen durch immer dominanter auftretende Orientalen […] haben die etablierten Parteien nicht zu bieten.”

Wenn sich Herr Voigt von der NPD da mal nicht täuscht.

Lesetipps:

Vielen Dank an Claus fuer diesen Gastbeitrag. Laut eigenen Angaben ist er ein “Fachmann für Migrations- und Gossenfragen mit Neukölln-Diplom”. :)