Wie lange bleibt ein Migrant ein Migrant?

Deutsche Immigranten, Kanada, 1911

Wie lange ist ein Migrant ein Migrant? Diese Frage stellt sich gerade bei vielen Menschen mit türkischen Wurzeln, die zum Teil bereits in der dritten und vierten Generation in Deutschland leben. Diese sind hier geboren, aufgewachsen, viele von ihnen sind gut integriert und beruflich erfolgreich: Sie nutzen die Chancen, die unser Land bietet. Damit noch mehr von ihnen Ja zu Deutschland sagen können, ist es notwendig, dass sie der türkische Staat loslässt! Hier hätte ich von Ministerpräsident Erdogan ein deutliches Zeichen erwartet. Es geht darum, die türkischstämmigen Migranten in unserem Land vollständig ankommen zu lassen”, betonte Staatsministerin Böhmer. […] (Quelle)

Ein Migrant bleibt auf ewig ein Migrant, solange man von ‘Wir’ und ‘Ihr’ redet. Solange man Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion, ihres Aussehens diskriminiert. Solange man ihnen das Gefuehl gibt, dass sie Fremdkoeper sind, und sie sich deswegen nicht dazugehoerig fuehlen. In all diesen Punkten ist die CDU/CSU fuehrend in der deutschen Parteienlandschaft.

Die Frage, warum die Rede von Ministerpraesident Erdogan bei vielen tuerkischstaemmige Menschen so gut ankommen ist zeigt doch, was in den letzten 50 Jahren in der nicht-existierenden Integrationspolitk falsch gelaufen ist: Es geht nicht darum, dass die Tuerkei ihre Landsleute nicht loslaesst, sondern eher darum, dass die Bundesrepublik sie nicht willkommen heisst. Einen gluecklichen Menschen, der sich wohlfuehlt, kann ein Staat gar nicht festhalten. Dieser Mensch wird sich von ganz alleine losloesen. Viele Migranten fuehlen sich jedoch in Deutschland nicht sehr wohl, denn es wird ihnen das Gefuehl gegeben, dass sie Buerger zweiter Klasse sind.

Bei der Evolution vom Gastarbeiter, ueber Auslaender, Migranten bis zum Muslim hat sich zwar etwas an der Namensgebung geaendert, aber die Mentalitaet ist dieselbe geblieben. Ich nenne diese Mentalitaet die ‘Gastarbeitermentalitaet’. Es ist die Erwartungshaltung, dass diese Menschen wieder zurueckgehen moegen, dass sie nicht zu ‘uns’ passen. Das sie anders sind. Und sobald etwas falsch laeuft in Deutschland, findet man den Suendenbock, und zeigt mit dem Finger gerne auf diese ewigen ‘Gaeste’, die teilweise in Deutschland geboren sind und einen deutschen Pass besitzen. Man findet zig Gruende, warum sie nicht dazupassen, warum sie nicht integrierbar sind etc etc. Und dann wundert man sich, dass viele Migranten sich, trotz deutscher Staatsbuergerschaft, immer noch nicht mit dem deutschen Staat identifizieren koennen. Diskriminierungen bei der Job-/Wohnungssuche zum Beispiel sind der Alltag fuer viele Migranten. Gerade bei den gut-ausgebildeten Migranten und Akademikern ist das mit ein Grund, warum so viele in das Land ihrer Eltern abwandern.

Ich behaupte einfach mal, dass die Rede Erdogans bei den Auslandstuerken in den USA nicht so gefruchtet haette. Denn nach kurzer Zeit nennen sich die Menschen dort stolz ‘Amerikaner’. Die Bundesregierung sollte mal der Frage auf den Grund gehen, warum das so ist.