Widerspruechliche Aussagen zu Necla Keleks Schulbesuch

In dem vor einigen Tagen erschienenen Artikel Keleks Kampf gegen die Fesseln der Islam-Tradition erzaehlt Necla Kelek dem Journalisten Alan Posener ueber ihr Verhaeltnis zu ihrem Vater (Hervorhebungen von mir):

[…]Kelek fühlt sich aber bewusst missverstanden. Denn Bahners habe aus ihrem Kampf um Emanzipation ein Psychodrama zwischen Vater und Tochter gemacht. „Das hat mich sehr getroffen. Ich habe mich immer als einen politischen Menschen gesehen. Und da wird man Seite für Seite entpolitisiert. Das hat mir wehgetan.

Er sagt, mein Vater stehe für den Islam, wie er uns unterdrückt hat, und und und. Das heißt, wenn ich einen guten Vater gehabt hätte, hätte ich den Islam ganz toll gefunden. Das ist so banal. Er kann meine Politik kritisieren, aber so ein Psychologisieren, Pathologisieren der Islamkritiker, das ist unmöglich. Gerade Bahners als Feuilletonchef der „FAZ“, wo ich so viel veröffentlicht habe… Nö.“

Kelek hat sich ein wenig in Rage geredet. Zum Glück kommt der Kaffee. Wir schweigen eine Weile, dann sagt sie: „Bahners will ja, dass die Religion eine größere Rolle im Alltag spielt, dass wir wieder religiöser werden. Bitte sehr. Mir ist die Religionsfreiheit wichtig, das heißt, dass der Staat die Religion schützt, mir ermöglicht, religiös zu sein, aber mich auch vor der Religion schützt.

Das alles hat mit meinem Vater aber nichts zu tun, denn mein Vater war nicht so religiös, nicht so hörig, und gerade deshalb bin ich Vaters Tochter. Er wollte ja, dass ich lerne, er hat mich gezwungen, zur Schule zu gehen, als ich ein Jahr lang als Teenagerin die Schule schwänzte und stattdessen im Bett ‚Vom Winde verweht’ las.

Er sagte: Du glaubst, dass du einen Mann findest, der dich durchfüttert? Kein Mann will eine ungebildete Frau. Du endest an der Kasse bei Aldi. Und ich dachte: An der Kasse? Wie unromantisch! Da findet mich Rhett Butler nie.“ Sie lacht wieder. „Also ging ich wieder zur Schule. Dass ich hier sitzen und mittags Wein trinken kann, das hat also viel mit meinem Vater zu tun, weil ich sagen kann: Ich treffe diese Entscheidung für mich und nicht Allah.“ […]

In 2005 berichtet die Sueddeutsche Zeitung in dem Artikel “Warum nur schauen so viele weg?” ueber Necla Keleks Kampf gegen die Unterdrückung tuerkischer Frauen in Deutschland. Auch hier kommt ihr Verhaeltnis zu ihrem Vater zur Sprache:

[…]Also hat die studierte Soziologin Kelek “aus dem Inneren des türkischen Lebens in Deutschland” erzählt. […] Vom Vater, der ihr, der zweiten Tochter, erst die Teilnahme am Turnunterricht verbot und später jeden Schulbesuch. Von sich selbst erzählt sie, wie sie aufbegehrte und wieder zur Schule durfte, wie sie schließlich die Autorität des Vaters in Frage stellte: Als er nach Hause kam und alle Kinder, wie es Tradition war, im Flur der kleinen Wohnung in einer niedersächsischen Kleinstadt antreten mussten, da schloss sie sich ein.[…]

Also, was denn nu Frau Kelek? Hat Ihr Vater Sie zum Schulbesuch gezwungen, oder es verboten?

Danke an Engin fuer den Hinweis