Necla Kelek und Patrick Bahners im Streitgespraech

Der Spiegel hat die sog. Islamkritikerin Necla Kelek, und den Chef des Feuilletons der FAZ, Patrick Bahners, zu einem Streitgespraech eingeladen.

Hier sind einige Kernaussagen:

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Bahners: Es gibt eine Panik in diesem Land, eine verbreitete Angst vor Terroranschlägen, die handfeste Gründe hat. Darüber hinaus gibt es aber eine Angst, dass es sich eigentlich bei jedem Muslim, der nach dem Koran lebt, um einen potentiellen Terroristen handelt. Diese Panik schüren Buchautoren und Journalisten, und Sie, Frau Kelek, erzielen die stärkste Wirkung und haben die größte Autorität erworben.

Kelek: Ich spreche und schreibe über den Islam als politisches System, in dem Menschen leben und das von Menschen getragen und gesteuert wird. Sie aber, Herr Bahners, haben immer nur den einzelnen Muslim im Blick und verteidigen sein Recht, religiös leben zu dürfen. Ich streite niemandem das Recht auf seine Religion ab.

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Bahners: Was Sarrazin angeht, halte ich es mit der Bundeskanzlerin: Sein Buch ist nicht hilfreich. Und was die Kritik an muslimischen Migranten angeht, macht er sich die Thesen von Frau Kelek zu eigen. Mit ihrem Buch “Die fremde Braut” hat Frau Kelek die große Öffentlichkeit mobilisiert – aus guten Gründen, weil sie Bräuche wie Zwangsheiraten und Ehrenmorde anprangert. Allerdings haben weite Teile der Öffentlichkeit, inklusive etlicher Politiker, die maßlos überzogene These übernommen, wonach diese barbarischen Unsitten Folgerungen aus den religiösen Geboten des Islam sind. Zu diesem Phantombild hat Frau Kelek wesentliche Beiträge geliefert.

Kelek: Was Sie ein Phantom nennen, hat dazu beigetragen, dass sich die Islam-Konferenz, vom damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble einberufen, damit beschäftigt hat. Gesetze sind geändert worden, die Öffentlichkeit hat angefangen, über Schulen mit hohem Migrantenanteil zu reden. Wir haben viel erreicht, das ist kein Phantom, sondern Wirklichkeit, islamische Wirklichkeit.

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Bahners: Das sind hochpauschale Beschreibungen, denn die scheinbare Empirie in Ihren Büchern, Frau Kelek, besteht aus Anekdoten, die dann mit einer radikalen Religionskritik aufgeblasen werden. Sie behaupten seit Jahren, es gebe eine zunehmende Zahl von Gerichtsstreitigkeiten darüber, ob muslimische Mädchen am Schwimmunterricht teilnehmen müssen oder nicht. Das ist eine Erfindung, das stimmt einfach nicht. Die Zahl solcher Rechtsstreitigkeiten ist verschwindend gering. Die Probleme werden in aller Regel im Einzelgespräch mit den Eltern gelöst.

Kelek: Wie viele Muslime kennen Sie? Wie kommen Sie dazu zu sagen, ich hätte keine Ahnung von der Praxis?

Bahners: Sie haben 2006 im Auftrag der Islam-Konferenz eine Expertise über das Problem der Abmeldungen vom Sportund Schwimmunterricht eingereicht. Es stellte sich heraus, dass sich daraus gar keine belastbaren Daten ableiten lassen. Es handelt sich um Gerüchte.

Kelek: Haben Sie in irgendeiner Schule nachgefragt?

Bahners: Der Kollege Martin Spiewak von der “Zeit” hat bei den Schulen nachgefragt und Ihre Darstellung widerlegt. Alle Kultusministerien geben übereinstimmend an, das Problem sei nicht erheblich. An die Stelle der Empirie treten bei Ihnen Verschwörungstheorien, wonach ein Kartell der Gutmenschen dafür sorgt, dass über die Probleme nicht geredet werden darf.

SPIEGEL: Frau Kelek, ist Ihre Empirie nur gefühlt?

Kelek: Für meine Expertise war ich in mehreren Schulen und habe festgestellt, dass sie überhaupt keinen Schwimmunterricht mehr anbieten. Die Lehrer sagten mir: Die Schülerinnen kommen ja sowieso nicht. Herr Bahners, ich werfe Ihnen vor, dass Sie nie mit Muslimen gesprochen haben. Sie haben ja nicht einmal mit mir Kontakt aufgenommen. Seit fünf Jahren schreibe ich im Feuilleton der “Frankfurter Allgemeinen”. Sie sind deren Feuilletonchef und haben den Kontakt mit mir vermieden.

Bahners: Das stimmt ja gar nicht. Ich bin keiner Diskussion mit Ihnen ausgewichen. Verbreiten Sie bitte nicht, ich wollte Ihnen nicht die Hand geben!

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Es ist ein hoechst lesenswerter Artikel. Bitte die gesamte Diskussion hier lesen.

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