Europa profitiert vom Islam

Die Umstürze in unserer Nachbarschaft werden Rückwirkungen auf die europäischen Gesellschaften haben. Auf längere Sicht entkrampft sich das Zusammenleben. Ein Kommentar von Thomas Hanke im Handelsblatt, welches ich hier ungekuerzt veroeffentlichen moechte.

Der Sturz der Despoten in Nordafrika und Arabien ist für uns viel mehr als eine begeisternde Befreiung von Ländern in der direkten Nachbarschaft. Auf mittlere Sicht hat er heilsame Folgen für die europäischen Gesellschaften selbst.

Die Herrschaft der Despoten hat dazu geführt, dass die Beziehungen zwischen muslimischen Zuwanderern und den europäischen Mehrheitsgesellschaften vergiftet wurden. Das geschah von zwei Seiten her: Bei vielen Zuwanderern bildete sich eine Mischung aus Minderwertigkeitskomplexen und Wut auf den Westen, bei einigen Europäern ein herablassender Blick auf die Muslime wegen ihrer kulturellen Rückständigkeit.

Viele Migranten haben es dem Westen nicht verziehen, dass er die weltweite Gültigkeit der Menschenrechte predigt, zugleich aber in Arabien und Nordafrika eine Kleptokratie von Alleinherrschern hofiert, sie mit Wirtschafts- und Militärhilfe stützt und sogar ihre Geheimdienste ausbildet. Die Freunde des Westens schwelgen in Palästen, ihre Opfer darben. Die einzige Hoffnung war bislang die Auswanderung in die einerseits bewunderten, andererseits verhassten europäischen Länder: keine besonders gute Voraussetzung dafür, sich in der neuen Heimat freudig zu integrieren.

Gleichzeitig ist es in Europa modisch geworden, auf Muslime herabzublicken. Bis ins frühe 20. Jahrhundert achteten westliche Intellektuelle und Politiker den Orient, teils romantisch verklärt. Heute verdient ein Teil dieser Eliten daran, ihn zu dämonisieren. Es ist ja auch einfach: Aus den gefesselten islamischen Ländern ist seit Jahrzehnten kaum ein positiver Anstoß gekommen. Kraft hatte nur die perverse Abkehr von der Moderne, der radikalisierte politische Islam, der den Widerstand gegen die eigenen Despoten zunehmend in eins setzte mit der Ablehnung alles Westlichen. Daraus resultiert ein Steinzeit-Islam als Steilvorlage für alle Panikmacher und Islamophoben in Europa, die mit ihren Büchern teilweise Millionen verdienen.

Die Modernisierung der islamischen Welt wird nicht nur den Migrationsdruck mindern. Sie wird auch die Verkrampfungen auf beiden Seiten lockern. Es gehört Optimismus dazu, daran zu glauben, und es wird dauern. Doch der Aufbau gerechterer und leistungsfähiger Gesellschaften wird den Muslimen das verdiente Selbstbewusstsein zurückgeben. Ohne die islamischen Hochkulturen, die bis Cordoba und Toledo reichten, hätte der Westen, der damals selbst im finsteren Mittelalter versank, nie das Erbe der klassischen Philosophen antreten können. Seine Fortschritte in Medizin, Architektur und Astronomie wären langsamer gewesen. Er hätte nicht einmal rechnen gelernt.

Die Modernisierung ihrer Länder wird die komplexe Lage der Muslime von Grund auf ändern. Das Zusammenleben mit ihnen in Europa wird weniger spannungsgeladen. Eine gute Perspektive.

Bitte schickt euer Feedback an hanke@handelsblatt.com fuer diesen lesenswerten Artikel. Thomas Hanke wurde – wie alle Menschen, die sich positiv ueber den Islam und die Muslime aeussern – von den Hetzern von PI-News zum Abschuss freigegeben. Es ist davon auszugehen, dass der PI-Mob massiv versuchen wird, ihn einzuschuechtern, und dass seine Mailbox mit braunem Mist zuspammen wird.

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