“Bei den Argumenten von PI werde ich richtig aergerlich!”

Rainer Oechslen ist der Islambeauftragter der evangelischen Kirche. In einem Interview aeussert er sich zu der Hetzseite PI-News:

Was ist verwerflich daran, wenn jemand den Islam kritisiert?

Kritik ist an jeder Religion erlaubt. Aber wenn sich PI selbst als ‘islamkritisch’ bezeichnet, dann ist das eine Irreführung. Für mich ist es Islamfeindschaft, was sich in Äußerungen von PI-Sympathisanten zeigt, manchmal auch Hass. Und das halte ich nicht für legitim.

PI-Vorleute betonen, dass sie sich nur gegen die politisch-extremistischen Auswüchse des Islam richten.

Das halte ich auch für vorgetäuscht. Sie äußern sich sehr oft pauschal gegen den Islam, gegen den Koran, gegen die Muslime.

Als Beleg für die Gefährlichkeit dieser Religion bringen PI-Aktivisten diverse Koranverse vor.

Sie finden in den Heiligen Schriften fast aller Religionen hochproblematische Passagen. In einem Bibel-Psalm etwa ist davon die Rede, dass man die Köpfe kleiner Kinder gegen Felsen schlagen soll. Benediktinermönche beten diesen Psalm jede Woche, aber kein Benediktiner würde dies tun.

PI-Aktivisten glauben, den Islam rein aus der Lektüre des Korans verstehen zu können. Man muss aber bei jeder Religion die Geschichte ihrer Auslegung und Wirkung beachten. Und man muss mit den Gläubigen selbst in Kontakt sein. Es ist nun mal so, dass nur ein verschwindend kleiner Bruchteil der Muslime extremistisch und gefährlich ist.

Islam-’Kritiker’ halten dagegen, dass ein politischer Muslim seine wahren Ziele verleugne, weil ihm das Belügen von Andersgläubigen gestattet sei.

Das Verleugnen der eigenen Religion ist Muslimen nur in Todesgefahr erlaubt, was in der Historie dieser Religion begründet ist. Bei diesen Argumenten von PI werde ich richtig ärgerlich, die stammen aus der Mottenkiste des Antisemitismus. Auch Juden hat man früher das Täuschen der anderen unterstellt.

Sie sehen Parallelen zwischen Islamfeindschaft und Antisemitismus?

Natürlich unterstelle ich PI nicht, dass sie einen Holocaust gegen Muslime anstreben. Aber in den argumentativen Strukturen finden sich Parallelen, zum Beispiel im Vorwurf nach der Weltherrschaft zu streben. Der traf einst die Juden und jetzt die Muslime. Auffällig ist, dass der Antisemitismus im Kaiserreich virulent wurde, als viele Menschen Angst vor Überfremdung hatten. Und diese Angst ist jetzt wieder da.

Begründet denn der islamistische Terrorismus nicht eine gewisse Angst?

Man darf Ursache und Wirkung nicht verwechseln: Ein Terrorist ist zuerst ein Terrorist, der sich dann eine religiöse Begründung für seine Tat sucht. Gerade beobachten wir ja, dass in der islamisch-arabischen Welt eine ungeheure Wut vorhanden ist. Und die äußert sich eben nicht in Terror, sondern in demokratisch motivierten Revolutionen. (Quelle)

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