21 Hours

Wie lassen sich aktuelle Probleme des 21. Jahrhunderts, wie beispielsweise Arbeitslosigkeit, Umweltzerstörung und soziale Ungleichheit lösen ? Die NEF (The new economics foundation) hat ein interessantes Modell ausgearbeitet, die einen klugen Lösungsansatz bietet.

Die Kernaussagen der Untersuchung sind folgende :

[…]Die NEF-Ökonomen rechneten die Arbeitszeit aller Erwerbstätigen zwischen 16 und 64 Jahren zusammen und verteilten sie auf alle Erwerbsfähigen. So kamen sie auf einen Wert von rund 21 Stunden – gemittelt aus einem Wert von 24,5 Stunden bei den Männern und 15,4 Stunden bei den Frauen. Die seit Jahren schrumpfende Nachfrage an Arbeitskraft in den Industrienationen macht sich bisher als wachsende Arbeitslosigkeit bemerkbar, nicht in Form von kürzeren Wochenarbeitszeiten[…]

[…]Was Frauen weniger an bezahlter Arbeit leisten, gleicht sich durch Haus- und Erziehungsarbeit aus. Rechnet man diese mit ein, arbeiten Frauen im europäischen Durchschnitt in der Woche eineinhalb Stunden (Italien) bis fünfzehn Minuten (Schweden) mehr als Männer. Inklusive reproduktiver und Tätigkeiten wie Kindererziehung und ehrenamtlichen Engagements arbeiten laut Zahlen der Eurostat Datenbank deutsche Männer im Schnitt 5,7 Stunden pro Tag und Frauen sechs Stunden.

Die NEF rechnet weiter: Wenn Männer nicht mehr 40 Stunden die Woche arbeiten, können sie Frauen in der unbezahlten Arbeit entlasten. Frauen bliebe die Entscheidung zwischen Kind und Karriere erspart, denn bei 21 Stunden bezahlter Arbeit bliebe genug Zeit in der Woche für Kindererziehung – zumal der Mann ebendiese Zeit auch für Verfügung hätte. Das hat für beide Geschlechter Vorteile, so Anna Coote: „Viele Männer fühlen sich in einer Falle von immer mehr Arbeitsstunden, in denen sie immer mehr Geld verdienen sollen, um der Familie mehr Konsum zu ermöglichen. Ein Leben, in dem Zeit für die Familie, Freunde, Kultur oder Weiterbildung bliebe, könnte viel glücklicher sein.“[…]

[…]Es ist nett, ein neues iPad in den Händen zu halten. Aber es ist noch netter, ein erfülltes Privatleben zu haben, meinen die NEF-Ökonomen. „Der Konnex zwischen Konsum und Glück wird uns von Verkäufern aufgeschwätzt – der ist sehr fragwürdig“ glaubt auch Peter H. Mettler, Zukunftsforscher an der Freien Universität Berlin. Trotzdem gehört die Bereitschaft zu verzichten sicherlich zu den heikelsten Voraussetzungen des 21-Stunden-Konzepts. Abgemildert wird sie allerdings durch das Wissen, dass Ressourcen endlich sind und unser derzeitiger Lebensstandard nicht mehr lange durchgehalten werden kann – zumal wenn zum Beispiel die Bevölkerung Chinas auf einmal gleichen Konsumgenuss fordert.[…]

[…]Wer mehr Zeit hat, kann es sich leisten,weniger schnell zu sein. Billigflieger würden an Attraktivität verlieren und wer im Alltag genug Freizeit hat, braucht keine Power-Erholungswoche auf Bali. Bei mehr Bescheidenheit der westlichen Konsumgesellschaft bliebe mehr intakte Natur für alle. Denn die Auswirkungen des Klimawandels könnten auch den Norden hart treffen – etwa in Form von Migrationswellen aus Dürregebieten Nordafrikas und Südspaniens[…] (Quelle)

Wir befinden uns in einer schnelllebigen Zeit. Eigentlich reicht die Zeit nicht aus, um all das zu tun oder zu erledigen, was man meint tun oder erledigen zu müssen. Soweit die gefühlte Wahrnehmung. Mir scheint, dass die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts an Werten festhält, die wertlos sind. Die Zeit wird beherrscht von Egoismus, Materialismus, Missgunst und Vorurteilen. Äußerlichkeiten werden überschätzt und innere Werte immer mehr unterschätzt.

Wir sind ferngesteuert. Die Glotze sagt uns wer/was gut und wer/was böse ist. Die Modezeitschriften bestimmen wer/was schön und wer/was hässlich ist. Playstation & Web übernehmen die Kindererziehung. Warum lassen wir das zu ? Uns scheint schlichtweg die Lust und die Zeit zu fehlen, um gegen den Strom zu schwimmen. Es ist nun mal einfacher ferngesteuert zu werden – so sparen wir Zeit.

Wir sparen sie an falscher Stelle.

Es ist zu bequem auf dem Sofa, das sich Egoismus nennt. Aber wir sollten aufstehen. Wir sollten denken, handeln, Verantwortung übernehmen. Das 21 Hours Konzept macht Hoffnung – auf mehr Zeit, und sie sinnvoll nutzen zu können, für Dinge und Menschen, die wir sonst vernachlässigen.

Die Lösung liegt aber letztendlich bei uns, und nicht bei derartigen Konzepten, deren Umsetzung nicht unmöglich, aber derzeit utopisch sind. Ganz klar – wir sollten dringend unsere Prioritäten überdenken.

Vielen Dank an Wahrtraeumer fuer diesen Gastbeitrag