Necla Keleks Gedanken ueber Ägypten

Ich lese gerade äußerst spannende Frauengeschichten aus drei Jahrhunderten, und gleichzeitig höre ich aus Ägypten den Ruf nach al hurriya, der Freiheit. Die Freiheit in einer Gesellschaft misst sich an der Lage der Frauen. Mir hilft dieses Buch angesichts der aktuellen Geschehnisse, andere Fragen zu stellen, zum Beispiel warum bis jetzt keine Frau zu hören ist, die nach Gleichberechtigung oder der Ächtung der Genitalverstümmelung ruft. Vielmehr scheint man sich darauf verständigt zu haben, Demokratie als die Herrschaft der Mehrheit und nicht auch als Menschenrecht auf Selbstbestimmung zu interpretieren.[…] (Quelle)

Frau Kelek sieht den Wald vor lauter Baeumen nicht. Waehrend sich die Aegypter von einer 30-jaehrigen Diktatur befreien, Tote zu beklagen haben, schaut sie schon durch das Mikroskop auf die Detailebene. Es gibt viele Dinge, die wir in dem momentanen Chaos nicht hoeren. Das heisst sicher nicht, dass diese Probleme die Menschen dort nicht interessieren. Wenn sich die Lage dort ein bissl beruhigt hat, werden sicher viele Themen nach und nach besprochen werden.

Aus meiner eigenen Erfahrung in Aegypten kann ich sagen, dass es schon zu Zeiten Mubaraks viele Initiativen von diversen Gruppierungen gegen die Genitalverstuemmelung und fuer die Gleichberechtigung der Frauen gab (z.B. siehe hier und hier). Die Zeitungen waren taeglich gefuellt mit Berichten und Aufrufen.

Vielleicht haette Frau Kelek – so wie es Hamed Abdel-Samed getan hat – sich mit diesen aegyptischen Frauen solidarisieren, und gemeinsam mit ihnen auf der Strasse protestieren sollen. Sie haette sicher einige ihrer Forderungen und Bedenken gehoert.

Mehrere tausend Kilometer vom Geschehen entfernt, gemuetlich vom Schreibtisch im Arbeitszimmer hoert man nicht immer alles, liebe Frau Kelek.