Geert Wilders protestiert gegen Karikatur

Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders hat wieder einmal eine Debatte ausgelöst. Es geht, wieder einmal, um eine Karikatur, die angeblich gegen die guten Sitten verstößt. Allerdings ist diesmal nicht, wie so oft, der Prophet Mohammed Opfer einer Schmähkritik geworden, sondern Wilders selbst.

Kranke Geister bei der Vara: Karikatur auf Website vergleicht Tuigdorpen mit Konzentrationslagern und Gaskammern’: Dieser Eintrag auf Wilders Seite beim Online-Dienst Twitter erschien bereits am Samstagmorgen um 8.14 Uhr. Er richtete sich gegen die öffentlich-rechtliche niederländische Rundfunkanstalt Vara. Deren Meinungsportal joop.nl hatte die strittige Karikatur tags zuvor veröffentlicht. ‘Tuigdorpen’ – auf Deutsch: Gesindeldörfer – nennt Wilders abgesonderte Containerdörfer, in denen er mehrfache Straftäter zwangsumsiedeln würde, wenn er könnte. Am Montag legte er im Telegraaf nach: Vara vergleiche ihn mit den Nazis. Deshalb, so der 47-jährige Vorsitzende der PVV (Partei für die Freiheit), werde er den Sender künftig boykottieren. Als erste Maßnahme werde er einer für diesen Mittwoch geplanten Fernsehdebatte fernbleiben.

Die Karikatur, um die sich alles dreht, ist eher schlicht, mit wenigen groben Strichen gezeichnet, der Mann vorne im Bild ist nur von hinten zu sehen. Trotzdem weiß in den Niederlanden jeder, wer gemeint ist: Wilders. Das liegt zum einen am wallenden hellen Haarschopf, ein Markenzeichen des Politikers. Zum anderen tragen alle anderen Figuren im Bild ein ‘T’ am Revers – ‘T’ wie Tuigdorpen. Aufgereiht warten sie auf Einlass in ein mit Draht umzäuntes Lager. Vorm Eingang mit dem Schild ‘Douche’ (Dusche) steht die Figur, die wie Wilders aussieht. Sie trägt eine Uniform, am Gürtel ein Pistolenhalfter und in der Rechten eine Art Rohrstock. Deutlicher geht es kaum.

‘Das ist eine harsche Karikatur’, gibt Francisco van Jole zu, ‘ich verstehe, dass sie Wilders nicht gefällt.’ Der 50-Jährige ist Chefredakteur der vor zwei Jahren gegründeten Plattform joop.nl. Trotzdem, sagt er im Gespräch mit der SZ, habe es in seiner Redaktion keine Diskussion darüber gegeben, ob man die Zeichnung des Karikaturisten Adriaan Soeterbroek veröffentlichen dürfe. ‘Sie ist ja nicht eindeutig. Sie sagt nicht: Hier ist ein KZ.’ Wenn die Karikatur solche Assoziationen wecke, dann liege das an Wilders Konzept der ‘Gesindeldörfer’ und seinen anderen Vorstellungen, so van Jole. ‘Wir sagen auch nicht, Geert Wilders ist ein Nazi.’ Dennoch sei der Nationalsozialismus Teil der öffentlichen Debatte in den Niederlanden, wenn es um Wilders, seine PVV und deren Sprache gehe.

Bisher beschränkt sich der Streit noch auf Drohungen. Wilders hat den Sender Vara, der die Website joop.nl betreibt, aufgefordert, die Karikatur zu entfernen. Andernfalls will er die Anstalt boykottieren. Für Portal-Chef van Jole ist das Zensur: ‘Statt zu sagen, ich finde die Zeichnung daneben, droht er und versucht, redaktionelle Entscheidungen zu beeinflussen.’ Und die Karikatur, bleibt sie im Netz? ‘Wir sagen niemals nie’, antwortet der Chefredakteur. Als Meinungsseite sollte man stets im Stande sein, seine Haltung zu überdenken. ‘Aber im Momentmachen wir erstmal gar nichts.’

Wilders, sagt der Journalist, sei verlogen. Er spiele sich gerne als Kämpfer für Presse- und Meinungsfreiheit auf. Allerdings nur vor seinen Anhängern. Einladungen von niederländischen Muslimen etwa, die mit ihm debattieren wollten, habe der PVV-Chef schon zigfach abgelehnt. Auch mit dem Chefredakteur habe Wilders kein Wort über die Karikatur gewechselt. ‘Wir würden sofort mit Wilders diskutieren’, sagt van Jole, ‘aber er will ja nicht.’

‘Wenn ich gewusst hätte, was für Reaktionen das herruft, hätte ich diese Zeichnung wahrscheinlich eher gemacht’

Geert Wilders wiederum sieht seine Boykottpläne als normale Reaktion auf eine derartige Darstellung seiner Person: ‘Dass Vara uns nicht in die Nazi-Ecke stellen wolle, weil das Bild nur die Meinung des Karikaturisten wiedergebe, ist Unsinn und auch egal. Wenn dein Nachbar dich einlädt, und du weißt, dass in seinem Wohnzimmer ein Bild hängt, auf dem du mit einem Nazi verglichen wirst, geht du nicht hin.’ (Quelle)

Na sowas! Chucky, die Moerderpuppe Wilders hat ein Problem mit der Meinungsfreiheit. Sein Verstaendnis von Freiheit bezieht sich wohl nur auf das Muslim-Bashing. Gegen die Karikaturen des Propheten der Muslime – durch welches sich Millionen Muslime beleidigt und diffamiert fuehlen – hatte er nichts einzuwenden. Im Gegenteil. Er verteidigte vehement das Recht, so etwas veroeffentlichen zu duerfen.