Deutsche Minderheiten, und Minderheiten in Deutschland

In Artikel 32 der KSZE-Deklaration von Kopenhagen (Juni 1990) wird ausdrücklich betont, dass die „Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit Angelegenheit der persönlichen Entscheidung eines Menschen ist und als solche für ihn keinen Nachteil mit sich bringen darf“. Das bedeutet, dass die betroffenen Menschen selbst darüber entscheiden, ob sie in einem bestimmten Kontext als Staatsangehörige des Landes betrachtet werden wollen, in dem sie leben, oder als Angehörige einer (hier: der deutschen) Minderheit in dem Land, in dem sie sich ständig aufhalten.

Nachfolgend sind einige Beispiele, wo es deutsche Minderheiten gibt:

Polen

  • Die Regionen Pommern, Ostbrandenburg, Nieder- und Oberschlesien sowie das nördliche Ostpreußen waren nach der Ostkolonisation überwiegend deutsch besiedelt, während es im südlichen Ostpreußen, in Westpreußen, Posen und dem östlichen Oberschlesien schon immer unterschiedlich große Anteile polnischer Bevölkerung gab.
  • Zur deutschen Nation bekannten sich in der Volkszählung von 2002 152.897 Personen; dies entspricht einem Bevölkerungsanteil von 0,38%. Die meisten von ihnen leben in der oberschlesischen Woiwodschaft Oppeln, wo sie mit 106.855 Menschen 10,033% der Bevölkerung ausmachen. In den übrigen Woiwodschaften liegt der Anteil der deutschen Bevölkerung zwischen 0,005% und 0,672%. Nur etwa 60% (91.934) von ihnen sprechen Deutsch als Muttersprache.

Tschechien und Slowakei

  • Als Sudetendeutsche oder Deutschböhmen bezeichnet man die deutsche Bevölkerung in den Ländern Böhmen und Mähren, dem heutigenTschechien. Diese Bevölkerungsgruppe von rund 3,2 Millionen Menschen, Bürger im Kaisertum Österreich, wurde 1918 nach Gründung derTschechoslowakei bis 1938 zu einer „deutschen Minderheit im Ausland“. Sie wurden nach dem Zweiten Weltkrieg fast vollständig nach Deutschland und Österreich vertrieben.
  • Deutsche in Tschechien, die nach der Vertreibung im Land verbliebenen Sudetendeutschen, heute etwa 40.000 Menschen.
  • Hultschiner Ländchen
  • Karpatendeutsche, die Deutschen in der Slowakei, siedelten dort seit dem 13. Jahrhundert. 1938 gab es knapp 130.000 Deutsche in der Slowakei, heute sind es noch rund 6.000. Ein prominenter Vertreter dieser Volksgruppe ist der frühere slowakische Präsident Rudolf Schuster. (Quelle)

Hier sind einige Beispiele aus der Russischen Foederation, wie das Bundesinnenministerium der dortigen deutschen Minderheit hilft:

  • Besondere Bedeutung kommt der Förderung der Jugendarbeit zu. „Nur eine Jugend, die sich ihrer deutschen Wurzeln bewusst ist und dieses Bewusstsein positiv lebt, gewährleistet den Bestand und die Zukunft der deutschen Minderheit in den Herkunftsgebieten. Durch die Jugendarbeit wird der Nachwuchs für den Erhalt und die Weiterentwicklung der kulturellen Identität der deutschen Minderheiten gewonnen und aktiv einbezogen. Deshalb ist es mir ein besonderes Anliegen, gerade die Jugend verstärkt anzusprechen. Überregionale Foren, Seminare und andere Veranstaltungen, die auf die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls und eine bessere Zusammenarbeit abzielen – auch im Austausch mit deutschen Jugendorganisationen – sollten verstärkt projektiert werden. Engagierte Leiter von Jugendclubs und Multiplikatoren gilt es zu identifizieren und einer gezielten Förderung zuzuführen.“
  • Als ein neues und künftig stärker zu berücksichtigendes Element zur dauerhaften Sicherung einer eigenen Identität hat sich die Identifizierung und Förderung von Führungs- und Nachwuchskräften innerhalb der deutschstämmigen Bevölkerung herausgebildet. Hier besteht ein großer Nachholbedarf. Gewiss, es gibt inzwischen Beispiele höchst qualifizierter Russlanddeutscher in hervorgehobenen Positionen, aber damit ist die Frage nach zukünftigen Führungskräften der deutschen Volksgruppe noch nicht beantwortet. Wichtig ist, dass die deutsche Minderheit über fachlich kompetente und persönlich motivierte Führungspersönlichkeiten verfügt, die aktiv und selbstbewusst die Belange der deutschen Minderheit nach außen vertreten und nach innen ihre Selbstorganisation mit gestalten. In erster Linie soll eine verstärkte Förderung befähigter Jugendlicher in den Bereichen Bildung, Kultur, Kunst, Wissenschaft und Management hier weiterhelfen.“
  • „Die Förderung der außerschulischen Deutschkurse stellt einen wichtigen Bereich der Förderung der deutschen Minderheiten dar. Erhalt und Wiedereinführung der deutschen Sprache haben eine zentrale identitätsstiftende Bedeutung für die deutschen Minderheiten. Durch Stärkung und Wiedergewinnung oftmals verschütteter muttersprachlicher Fähigkeiten sowie durch Erlernen der deutschen Sprache werden die deutschen Minderheiten in die Lage versetzt, den mit ihrer Muttersprache verbundenen Kulturkreis zu erschließen und damit ihre Identität zu bewahren. Spracharbeit muss schon bei Kindern und Jugendlichen beginnen. Aufgrund der erhöhten Nachfrage bei dieser Altersgruppe sollen für diese die Sprachförderung ausgeweitet und Kinder- und Jugendsprachlager stärker gefördert werden. Nicht zuletzt sind gute deutsche Sprachkenntnisse eine wesentliche Voraussetzung zur Wahrnehmung einer Brückenfunktion zu vergleichbaren Organisationen in Deutschland“.
  • „Ziel einer nachhaltigen Hilfenpolitik muss heute in dem Wiedererstehen einer stabilen deutschen Minderheit mit eigener kulturellen Identität liegen, die integraler Bestandteil des Staates und der Gesellschaft ist, in der sie lebt. Dabei geht es darum, die deutsche Minderheit in die Lage zu versetzen, ihre Geschicke selbst in die Hand zu nehmen und verantwortungsbewusst an der Gesellschaft ihres Landes mitzuwirken. Das bedeutet: Der deutschen Minderheit muss die Möglichkeit gegeben werden, ihre ethnische und kulturelle Identität wiederzugewinnen, zu erhalten und weiterzuentwickeln. Die Hilfen sollen ihre Eigenverantwortlichkeit stärken und dazu beitragen, sich in ihrer Identität selbst zu organisieren und zu tragen. Zugleich kann die deutsche Minderheit eine Brückenfunktion zu Deutschland wahrnehmen und zur Verständigung der Völker und Kulturen beider Länder beitragen.
  • Die 2007 gegründeten Koordinierungsräte sollen Schlüsselorgane einer wirksamen und demokratischen Selbstorganisation der Russlanddeutschen werden, um zu einem breiteren Ansatz der Autonomie und Selbstverwaltung der Russlanddeutschen zu kommen. Diese Räte sollen die Projektarbeit der Begegnungsstätten und -zentren koordinieren und möglicherweise auch die Finanzierung steuern. Dabei muss aber auch folgendes berücksichtigt werden: Die vom Bundesministerium des Innern finanzierten Fördermaßnahmen zugunsten der deutschen Minderheit in der Russischen Föderation werden von der GTZ als Projektkoordinatorin umgesetzt. Die GTZ gewährleistet eine Projektdurchführung unter Beachtung des deutschen Haushaltsrechts.“ (Quelle)

Und hier ist ein Beispiel dafuer, wie in Deutschland mit anderen Minderheiten umgegangen wird:

  • Wie die Friesen, Sorben, Sinti und Roma genießen die dänischen Südschleswiger als Nationale Minderheitgemäß dem 1997 von Deutschland ratifizierten Rahmenübereinkommen des Europarates zum Schutz nationaler Minderheiten einen besonderen Minderheitenschutz. Bereits in den Bonn-Kopenhagener Erklärungen von 1955 verpflichtete sich die deutsche Regierung, die dänische Minderheit zu schützen; die dänische Regierung garantiert ähnliche Minderheitenrechte für die deutsche Minderheit.
  • Die Fünf-Prozent-Hürde wurde für die Vertretung der dänischen Minderheit im schleswig-holsteinischen Landtag aufgehoben; es gibt Zuschüsse für die dänischsprachigen Schulen, die Pflege der religiösen, kulturellen und fachlichen Beziehungen zu Dänemark wird garantiert.
  • Die im Süden Schleswigs lebenden Dänen sammeln sich heute im Südschleswigschen Verein. Im Landesteil existieren unter anderem dänische Schulen, Bibliotheken und Kirchen. Die dänische Minderheit arbeitet mit einem kleinen Teil (Friisk Foriining) der an der Westküste lebenden friesischen Minderheit zusammen. (Quelle)

Lesetipp: Helfen, die kulturelle Identitaet zu bewahren