Buchtipp: Allein unter Türken


Was sich wie eine RTL Show à la “Dschungelcamp – Hilfe holt mich hier raus, ich bin ein Star” anhört, ist ein Buch von Werner Felten. Er ist Jounalist und Medienfachmann. Werner Felten leitete in Berlin, ab 1999 Metropol FM, den ersten türkischsprachigen Radiosender in Deutschland, als einziger Deutscher alleine unter Türken.

Auf eine symphatische, humorvolle Art und Weise schreibt er über die herrschenden Klischees und Vorurteile der “Deutschen” rund um den “Türken”. Von “Warum die Türken kamen und warum sie geblieben sind” bis “Unser Zwang andere zu integrieren” erklärt er wie Politiker und Medien sich dieser Klischees bedienen. Die einen der Einschaltquoten und die anderen der Wählerstimmen wegen oder der Ablenkung von anderen politischen Themen, die das Volk nicht gerade erfreuen.

“Mittendrin statt von oben herab” lautet der Untertitel des Buches. In der Integrationsdebatte von Ausländern ist es ein Beitrag aus einem anderen Blickwinkel – ja praktisch ein “Anti-Sarrazin”, wie Felten selber betont.

Hier ein paar Auszüge aus dem “Türken-ABC” :

  • …werden die Türken in Schubladen gesteckt. In welche genau, ist ganz davon abhängig, wie die erste Begegnung eines Deutschen mit seine Türken stattfindet. Für manche Polizisten sind Türken grundsätzlich kriminell, sie kennen sie nur als Straftäter. Für viele Lehrer sind Türken notorische Schulverweigerer und Unruhestifter. Politiker finden sie schlichtweg integrationsunwillig. Der Feinschmecker dagegen schätzt ihre Küche und für die Gutmenschen waren sie bis vor Kurzem einfach wunderbar bunte Kleckse im tristen Teutonengrau. ….
  • …Nun hat ja die Integrationspolitik immer gefordert, dass die Menschen aus anderen Ländern und Kulturen – nicht nur die Türken – nicht unter sich bleiben sollen. Das haben diese auch gemacht, allerdings ein bisschen anders, als es sich die Politiker vorgestellt haben. Sie sind zu Kulturhybriden geworden. Das klingt ein wenig nach Aliens aus dem All. Wie unbekannte Wesen, die von einem fremden Planeten anreisen, um sich mit der Bevölkerung der Erde zu vermischen. Menschen mit bikulturellem Hintergrund werden in der amerikanischen Soziologie so genannt. Bitte nicht verwechseln mit den Menschen, die bisexuell sind ! Diese werden auch nicht automatisch Sexhybrid genannt. …
  • …Eine Hauptforderung der Vorreiter der Integration ist, dass jeder Migrant, der einen deutschen Pass haben will, die deutsche Sprache aus dem Effeff beherrschen müsse. Auweia. Die Forderung an andere, Deutsch zu lernen, impliziert, dass man es selber kann, ansonsten wäre sie schon recht dreist. Wie sieht es dann aber mit den vielen hier lebenden deutschen Deutschen aus, die fließend Platt, Schwäbeln oder Sächseln können, aber eben nicht “Deutsch” ? Sollen etwa die Menschen der neuen deutschen Bundesländer ausgebürgert werden, nur weil man sie am Niederrhein nicht versteht ? Hier droht mit guten Argumenten die erneute Teilung es wiedervereinten Deutschland !Und wo sollen die vielen Mitarbeiter aus mitteldeutschen Fernsehanstalten hingehen, wenn sie ihre deutsche Staatsbürgerschaft verlieren, nachdem sie im Muttersprachtest versagt haben ? Wohin könnte man sie abschieben ? Und was würde aus den vielen radebrechenden Politikern ? Oder manchen Fußballspielern ? Ja, der größte Teil der Einschaltquote des Machmittags-TV würde auf diesem Weg wegrationalisiert! …
  • … “Ich hab ja nichts gegen Türken, aber sie sollen sich an unsere Gesetze halten” meinte kürzlich eine Deutsche zu mir. Eine berechtigte Forderung, halten sich doch auch alle Deutscehen an ihre eigenen Gesetze : Deswegen sitzt ja auch nicht ein einziger Deutscher im Gefängnis, sondern nur Türken. ..
  • …Nun sind ja die Türken die zweitgrößte Randgruppe in Deutschland. Die größte kommt aus Ostdeutschland. Als diese rief : ” Wir sind das Volk”, verstand man in Deutschland : ” Wir sind ein Volk”. Jaja, die Präpositionen. …
  • … Auf die Vorstellung, dass Migranten ihre eigenen Medien deshalb nutzen, weil sie sich in den deutschen Medienangeboten nicht wiederfinden darauf kommen die Deutschen nicht. …
  • …Warum die Türken in der Kritik stehen, wurde mir erst nach dem 11. September 2001 schlagartig klar. Sie sind ja Muslime. Richtig viele  Muslime. Ich war allein unter Muslimen. Das hatte ich bis dahin gar nicht richtig bemerkt. Die islamische Religion spielte in diesem privaten türkischsprachigem Radiosender eine absolut untergeordnete Rolle. …
  • … Nach dem 11. September 2001 war die Welt nicht mehr wie zuvor. Für die Türken in Deutschland hatte das eine unmittelbare Auswirkung. Mit Verwunderung entdeckten die Deutschen, dass die Türken ja Muslime sind. Das war der erste Ansatz, doch einmal genauer hinzugucken, wer die eigentlich wirklich sind, die Türken, und was sie so den ganzen lieben Tag treiben. Da kam einiges zu Vorschein: War das bitzende Messer zum Schaben des Döners nicht in Wirklichkeit eine Waffe, die zum Angriff auf die Mehrheitsgesellschaft geschmiedet wurde? Wurden die Kühlschränke nicht dazu benutzt, den Sprengstoff für mögliche Bombenattentate zu kühlen?…

Ich konnte dieses Buch nicht aus der Hand legen, und habe es mit einem Dauergrinsen im Gesicht gelesen. Deswegen möchte ich es weiter empfehlen! Ich hätte es nicht besser schreiben können :)

Viel Spaß beim Lesen!

Bei dem Verlag gibt es mehr Info, inklusive Leseprobe. Hier findet ihr weitere interessante Berichte und Interviews :

http://www.youtube.com/watch?v=XtEIpUA3ZIY

http://www.welt.de/print/wams/politik/article11263276/Allein-unter-Tuerken.html

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-76229578.html

Vielen Dank an Wahrtraeumer fuer diesen Gastbeitrag.