Tigerstaat am Bosphorus

[…]Unter türkischen Geschäftsleuten ist die Visa-Problematik seit einigen Wochen wieder vermehrt Thema. Anlass ist die Aufhebung der Visums-Pflicht für Reisende aus Albanien und Bosnien. Seit Mitte Dezember dürften Bürger beider Staaten ohne Visum in den Schengen-Raum einreisen, auch nach Deutschland. Und das, obwohl beide Staaten im Gegensatz zur Türkei nicht einmal offizielle Beitrittskandidaten der EU seien, so der Vorwurf, den man unter türkischen Geschäftsleuten oft hört. Der Diplom-Ingenieur Nihat Sorgec etwa wird wütend, wenn er an einen Vorfall der letzten Zeit denkt. Die Türkisch-Deutsche Industrie- und Handelskammer in Berlin, deren Vizepräsident er bis vor Kurzem war, hatte zu einer Vorstandssitzung unter Beteiligung regionaler IHK-Präsidenten aus der Türkei eingeladen. Auf dem Visum eines von ihnen fehlten beim Namen die Pünktchen auf dem Buchstaben U, die es zum Ü gemacht hätten:

“Da hat man ihn eingesperrt, und er sollte mit der nächsten Maschine zurückfliegen. Da haben wir alle Hebel in Bewegung gesetzt, weil das ein Skandal gewesen wäre. Das ist ein Präsident einer Region, die sehr, sehr wichtig ist. Das ist leider Gottes eine sehr, sehr peinliche Angelegenheit, wenn anerkannte Unternehmer aus der Türkei hier auf Flughäfen wie Wirtschaftsflüchtlinge diskriminiert werden.”[…]

Der obige Ausschnitt ist aus einer Reportage aus dem Deutschlandfunk mit dem Titel Tigerstaat am Bosphorus. Eine sehr hoerenswerte Reportage, die sich mit der Tuerkei als EU-Bewerber, Wirtschaft- und Regionalmacht beschaeftigt.

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