Studie: Muslimisches Leben in NRW

Es ist nicht verwunderlich, dass das sog. intellektuelle Flagschiff der Springer-Presse Die Welt die Schlagzeile Fast ein Drittel der Muslime in NRW lebt vom Staat fuer den folgenen Artikel gewaehlt hat, obwohl aus der vorgestellten Studie vieles mehr – auch Positives – hervorgeht.

[…]In der auf NRW bezogenen Studie wird deutlich, dass sich nur eine Minderheit von den islamischen Verbänden repräsentiert sieht. Gerade einmal 23 Prozent fühlen sich etwa von der Ditib vertreten. Der Koordinationsrat der Muslime als Dachverband erhält einen marginalen Zuspruch von 2,6 Prozent.

In der Befragung wird deutlich, dass Muslime generell ein „signifikant niedrigeres Bildungsniveau als die Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften aufweisen“. Vor allem türkischstämmige Muslime fallen mit deutlich schlechteren Bildungsabschlüssen auf als Muslime aus dem Iran oder Südostasien. Migrationsexperten führen dies darauf zurück, dass in der zweiten Gruppe schon im eigenen Land höhere Schulabschlüsse erlangt wurden und in der ersten Gruppe noch die Folgen der “Gastarbeiterprogramme” deutlich werden, als einfache Arbeitskräfte ins Land gelockt wurden. 28,1 Prozent der muslimischen Haushalte leben von Transferleistungen. Das Armutsrisiko in Migrantenfamilien ist deutlich höher als bei deutschen Familien.

Bemerkenswert ist auch, dass in NRW Muslime bessere Bildungserfolge vorweisen als im Bundesdurchschnitt. 40 Prozent von ihnen erlangen in NRW eine Fachhochschulreife oder Abitur, auf ganz Deutschland bezogen gilt dies für 28,5 Prozent der Muslime. Das NRW-Integrationsministerium führt dies nach Informationen der „Welt am Sonntag“ auf die landesweite Schulstruktur mit ihren vielen Gesamtschulen zurück. Dadurch gelinge es „offensichtlich, mehr dieser jungen Menschen zu einem qualifizierten Schulabschluss zu führen, als das in anderen Bundesländern der Fall ist“.

Es lasse sich „generell ein deutlicher Bildungsaufstieg im Generationenablauf beobachten“, ist der Studie zu entnehmen. Eine Kurzfassung der Studie bringt es noch prägnanter auf den Punkt: „Zuwanderinnen, die die Schule in Deutschland absolviert haben, weisen insgesamt ein höheres Bildungsniveau auf als ihre Muttergeneration und haben gegenüber den männlichen Zuwanderern aufgeholt.“

Es wird auch ein Zusammenhang zwischen Bildungsabschluss und sozialer Integration deutlich. „Je höher der Schulabschluss, desto häufiger treten freundschaftliche Kontakte zu Personen deutscher Herkunft auf“, heißt es in der Erhebung. So geben laut Studie weniger als ein Prozent an, dass sie allein wegen ihres Glaubens auf gemischten Sportunterricht oder Klassenfahrten verzichten. „Insgesamt zeigt sich, dass die Verweigerung von Unterrichtsangeboten kein ,Massenphänomen‘ ist“.

Aus der Studie geht etwa hervor, dass unter Muslimen 31,7 Prozent eine stärkere Verbundenheit zu Deutschland empfinden, während es bei Nichtmuslimen 51,8 Prozent sind. Zudem nehmen nur 16 Prozent der Muslime an Integrationskursen teil, und von deren Teilnehmern haben lediglich 47 Prozent bestanden. Weiterhin zeigt sich, dass besonders gläubige Frauen, die Kopftuch tragen, vergleichsweise abgeschotteter leben, über schlechtere Sprachkenntnisse verfügen und seltener erwerbstätig sind als Musliminnen ohne Kopftuch. Es sei festzustellen, dass Musliminnen, die ein Kopftuch tragen, besonders schlechte Ausgangsvoraussetzungen aufweisen, vermerkt die Studie.[…]

Die Schlagzeile in Die Welt haette auch “Bei den muslimischen Migranten laesst sich generell ein deutlicher Bildungsaufstieg im Generationenablauf beobachten” lauten koennen. Aber, und das hat Naika Foroutan in Ihrer Studie zu Thilo Sarrazin’s Buch schon festgestellt: Positives, und/oder Integrationserfolge werden verschwiegen. Positive Nachrichten/Schlagzeilen verkaufen sich schlechter als Negative.

Nachtrag: ?”Rechnet man alle staatlichen Transferleistungen zusammen, also Renten, Kurzarbeiter- und Arbeitslosengeld und andere staatliche Unterstützungen dann haben nach Angaben des IW im Jahre 2007 insgesamt 42,4 Prozent der wahlberechtigten Bürger in Deutschland solche Transferleistungen vom Staat erhalten.” – Welche Transferleistungen hat die Studie zu Grunde gelegt? (Ruprecht Polenz, MdB, auf seiner Facebook-Seite)