Naika Foroutan: Intergrationserfolge werden verschwiegen

„Die von mir genannten Statistiken und Fakten hat keiner bestritten”, behauptet Thilo Sarrazin. Das stimmt nicht. Die Politologin Naika Foroutan widerlegt sein Zahlenwerk. Die Sarrazin-Debatte befeuere lediglich die Fremden- und Islamfeindlichkeit.

[…]Die Politologin Naika Foroutan, die an der Berliner Humboldt-Universität das Forschungsprojekt „Hybride Identitäten in Deutschland“ leitet, hat schon im September in einer Fernsehdebatte mit Sarrazin dessen Statistiken und Fakten infragegestellt. Am Montag erscheint nun eine von ihr herausgegebene, 70 Seiten umfassende Studie mit dem Titel „Sarrazins Thesen auf dem Prüfstand“[…]

Ein Beispiel:

[…]Sarrazin behauptet: „In Berlin werden 20 Prozent aller Gewalttaten von nur 1000 türkischen und arabischen jugendlichen Tätern begangen.“ Foroutan bat den Polizeipräsidenten um eine Stellungnahme zu dieser Behauptung und erhielt einen Brief folgenden Inhalts: „8,7 Prozent der Gewaltkriminalität in der Polizeilichen Kriminalstatistik wurden im Jahr 2009 von Tatverdächtigen begangen, die entweder türkischer Nationalität oder dem arabischen Raum zuzuordnen waren. Erweitert man die Personengruppe um die Personen, deren Nationalität als ,Unbekannt‘ oder ,keine Angaben‘ erfasst wurden, was zumindest häufig für eine Herkunft aus dem arabischen Raum sprechen kann, erhöht sich die Zahl der Fälle auf 2509, was dem Anteil von 13,3 Prozenten an allen Fällen der Gewaltkriminalität entspricht.“[…]

Bei der Sarrazin-Debatte schlussfolgert Frau Foroutan, dass Integrationserfolge bewusst verschwiegen werden.

[…]Es gehe aber ohnehin nicht um eine Integrationsdebatte, „vielmehr werden unter dem Stichwort Integration Ängste, Ressentiments und rassistische Abwehrreaktionen verhandelt“. Die Scheindebatte, so stellt die Wissenschaftlerin mit Verweis auf Umfragen von Allensbach, Emnid und andern Forschungsinstituten fest, befeuert die Fremden- und Islamfeindlichkeit in Deutschland. Wilhelm Heitmeyer vom Bielefelder Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung geht von einer „zunehmend rohen Bürgerlichkeit“ aus. Immer mehr konservative Besserverdienende scheinen sich vom Ideal einer integrierten Gesellschaft zu verabschieden.

Statt die gelebte Pluralität in Deutschland zu akzeptieren, sehnt man sich nach ethnischer Homogenität, die in Zeiten der Krise Sicherheit und Stabilität zu bieten verspricht. Deshalb, so mutmaßt Foroutan, wurde Sarrazins Buch zu einem Bestseller. (Quelle)

Hier koennt ihr die interessante Studie herunterladen. Mehr von/ueber Naika Foroutan gibt es hier.

Danke an Aysche fuer den Hinweis